Berlin - Am Mittwochvormittag ist Imam Mohamed Taha Sabri fast allein in seiner Moschee. Eine Frau saugt den rot-beige gemusterten Teppich im Gebetsraum. Im Vorbau kocht ein Mann Tee und Kaffee. Die Ruhe steht in krassem Gegensatz zu allem, was sonst zu sagen wäre über die Dar-As-Salam-Moschee an der Flughafenstraße in Neukölln, eine der größten in Berlin. Freitags kommen 1500 Menschen zum Beten, es müssen Teppiche auf dem Hof ausgelegt werden, so viele sind es.

Als aber Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) im Sommer die Moschee zum Fastenbrechen besuchte, hat sie fast 50 entrüstete Kommentare auf ihrer Facebook-Seite bekommen. Ihr Amtsvorgänger Heinz Buschkowsky protestierte scharf und untersagte seiner Partei, weiterhin mit seiner Person zu werben.

Verbindungsglied zur Muslimbruderschaft

Beim Berliner Verfassungsschutz raufen sie sich noch immer die Haare wegen dieses Besuchs. Sie führen den Moscheeverein im aktuellen Verfassungsschutzbericht als Verbindungsglied zur Muslimbruderschaft auf, einer panarabischen Organisation, deren Ziel ein islamischer Staat ist und aus der unter anderem die palästinensische Hamas hervorgegangen ist. Sie sehen Taha Sabri als Galionsfigur einer Terrororganisation. Mit so jemandem kuschele man nicht, finden sie. Und es macht ihnen Sorge, dass die Berliner Politik genau dies tut.

Vielleicht ist diese Moschee ein gutes Beispiel dafür, welche Schwierigkeiten auftreten können beim Versuch der Politik, mit der muslimischen Bevölkerung in Berlin ins Gespräch zu kommen. Es stellt sich auch die Frage, ob die Berliner Politiker dafür den richtigen Weg eingeschlagen haben. Schließlich sind ihre Gesprächspartner religiöse Funktionsträger, die ihr eigener Nachrichtendienst als bedenklich einstuft. Und natürlich möchte man wissen, wie viel Schuld an dem ganzen Ärger der Imam und sein Moscheeverein tatsächlich tragen.

Wie im Sturm

Taha Sabri sitzt an einem Tisch in einem Zimmer hinter dem Gebetsraum, holt tief Luft und pustet sie wieder aus. „Ich habe den Eindruck, in einen Sturm geraten zu sein“, sagt er. In diesem Sommer sei er öfter an die Grenze dessen gekommen, was er seelisch aushalten könne. Sabri ist 51 Jahre alt. Er hat Herzprobleme. Ende des Jahres wird er operiert. Dann bekommt er einen Bypass.

Dabei wirkt es so, als hätte Taha Sabri alles richtig gemacht in den vergangenen Jahren. Die Dar-As-Salam-Moschee (Haus des Friedens) hat sich zu einem Zentrum mit aktiver Gemeinde- und Jugendarbeit entwickelt. Es heißt nun Neuköllner Begegnungsstätte (NBS). Sabri leitet ein traditionelles Haus. Die Männer beten im großen Saal, die Frauen auf der Empore. Sie tragen Kopftücher. Im Vorstand seines Moscheevereins sitzen aber neben zwei Männern auch zwei Frauen.

Die Predigten am Freitag werden per Kopfhörer vom Arabischen ins Deutsche simultan übersetzt. Von den 1500 Betenden sind mehr als die Hälfte palästinensischer Abstammung, aber dieses Jahr wurden mit großem Engagement auch 500 syrische Flüchtlinge integriert.