Berliner Bär auf goldenem Untergrund am Abgeordnetenhaus von Berlin.
Foto: imago images/Rüttimann

BerlinLegendär waren seine Sätze, sie klingen bis heute nach. Der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) prägte das Jahrzehnt in Berlin maßgeblich. Wowereit hatte sein Amt 2001 als Nachfolger des CDU-Regierungschefs, Eberhard Diepgen, angetreten. 13 Jahre blieb er im Roten Rathaus. Und so manch ein Gerücht hält sich bis heute wacker: Nein, Wowereit hat aus dem roten Pumps keinen Champagner getrunken. Aber schön wäre es gewesen. Das Image des Party-Bürgermeisters wurde er trotzdem nie ganz los.

Nach 13 Jahren im Amt legte Klaus Wowereit sein Amt nieder

Am 26. August 2014 machte Wowereit plötzlich Schluss. In einer überraschend einberufenen Pressekonferenz verkündete er, zum Ende des Jahres seine Ämter niederlegen zu wollen. Vor allem das Flughafen-Desaster und der sinkende Ansehensverlust veranlassten ihn zu diesem Rücktritt von all seinen Ämtern. Michael Müller übernahm den Sessel im Roten Rathaus – nach einem Machtkampf zwischen SPD-Fraktionschef Raed Saleh und SPD-Landeschef Jan Stöß. Müller wurde damals mit 87 zu 58 Stimmen gewählt.

Michael Müller übernahm ein kaputtgespartes Berlin

Müller hat ein kaputtgespartes Berlin übernommen. Berlin mag heute zwar immer noch ein bisschen sexy sein, aber längst nicht mehr so arm. Unter Wowi wurde gespart, bis es quietscht. Berlin musste zuletzt nicht mehr so sehr aufs Geld schauen, dank Wirtschaftswachstum, niedriger Zinsen und steigenden Bevölkerungszahlen – aber die Quietscherei hat sich immer noch nicht ganz abgestellt.

Bis heute spürt man die Folgen von Wowereits verhängnisvoller Sparpolitik: In den Bezirken fehlt Personal, die Verwaltung leidet an Überalterung und alter Technik, und die Polizei ist seit Jahren unterbesetzt. Und auch die hitzigen Debatten um die Wiederverbeamtung von Lehrern in Berlin sind eine Folge aus der Zeit des Spardiktats.

Die Folgen von Wowereits verhängnisvoller Sparpolitik

Zwar soll der Flughafen nun bald öffnen, und auch der Mietendeckel, der den Berlinern eine Atempause verschaffen soll, soll kommen. Aber die Probleme sind nicht kleiner geworden – es fehlen immer noch zu viele Wohnungen, die Verkehrswende kommt nicht  voran wie erhofft, und viele Behördengänge muss man immer noch zu Fuß statt online erledigen.

Das neue Jahrzehnt wird in Berlin von diesem Themen bestimmt sein – denn 2021 sind zudem auch Abgeordnetenhauswahlen. Für Müller und die SPD wird es kein leichter Einstieg in dieses neue Jahrzehnt werden.