Familien mit Kindern aus Moria bei ihrer Ankunft am Athener Hafen Piräus am vergangenen Montag.
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BerlinIn Berlin sind Anfang der Woche acht Kinder aus dem griechischen Flüchtlingslager Moria angekommen. Es handelt sich um Jungen im Alter zwischen acht und 14 Jahren. Sie gehören zu einer Gruppe von 47 unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten, die Mitte April von der Bundesregierung von Griechenland nach Deutschland ausgeflogen wurde. Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie holte sie am Montag aus Niedersachsen ab, wo sie seit ihrer Ankunft in Deutschland 14 Tage in Quarantäne waren.

Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie will noch mehr Kinder auf der Flucht in die Bundeshauptstadt holen: „Diese Hilfsaktion darf nur der Anfang sein. Berlin ist bereit, sofort deutlich mehr Kinder aufzunehmen. Das hat der Senat in den vergangenen Monaten immer wieder gegenüber der Bundesregierung betont. Insbesondere für Kinder und Jugendliche ist die Situation in den griechischen Geflüchteten-Lagern entsetzlich und traumatisierend. Ich bin froh, dass wir nun wenigstens acht Kindern unmittelbar helfen können. Alle sind gesundheitlich wohlauf und werden jetzt in einer Jugendhilfeeinrichtung in Berlin betreut. Sie sollen sich bei uns willkommen und sicher fühlen.“

Alle acht Kinder sind afghanische Staatsangehörige. Sie durchlaufen nun das sogenannte Clearingverfahren in der Verantwortung der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, in dem der sozialpädagogische Hilfebedarf erhoben und die Vormundschaft angeregt werden. Anschließend wechseln sie wie alle unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten in Berlin in die Zuständigkeit der bezirklichen Jugendämter. Dort wird die weitere, individuelle Hilfeplanung erstellt.

Das Lager in Moria gilt als Beispiel besonders schlimmer Zustände bei der Unterbringung von Geflüchteten in Europa. Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus durften am Sonntag rund 400 Migranten das überfüllte Lager von Moria auf der griechischen Insel Lesbos verlassen. Mit Schutzmasken und Handschuhen ausgestattet, wurden die Migranten aufs griechische Festland gebracht. 

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat die überfüllten Flüchtlingslager in Griechenland als Schande bezeichnet und Hilfe für die Menschen gefordert. „Wir müssen allen Menschen in den Lagern helfen. Ich empfinde es als Schande, welche Zustände mitten in Europa akzeptiert werden“, sagte Müller der Zeitung „Rheinische Post“. Mit Blick auf die Aufnahme der ersten 47 der rund 350 von Deutschland akzeptierten Kinder aus den Flüchtlingslagern sagte er: „Mit der Evakuierung der Kinder ist das Problem ja nicht gelöst.“ Er habe das Lager Moria auf der Insel Lesbos besucht und selbst gesehen, „wie 20.000 Menschen zusammengepfercht in einem Lager leben, das für 3000 geplant war“. Nötig seien kleinere Einheiten mit menschenwürdigen Bedingungen nach UN-Standards.

Die 47 Minderjährigen, darunter vier Mädchen, waren am 18. April angekommen. Insgesamt hatten sich zehn EU-Staaten bereiterklärt, zusammen rund 1600 Kinder und Jugendliche aus den überfüllten Flüchtlingslagern auf den Ägäis-Inseln aufzunehmen. (mit dpa)