Bitte bleiben Sie zurück! Der ÖPNV war schon angenehmer.
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BerlinDie Zeit ist nah, in der das Wort „Verkehrswende“ zum festen Repertoire aller Kabarettisten gehören und ausreichen wird, um im Publikum das einkalkulierte Lachen auszulösen.

Einen Begriff, der ohne weitere Beschreibung für reflexhaftes Lachen sorgt, kennen wir seit dem „BER“, der eigentlich auch kein lustiges Thema ist, aber ist das Kind erst mal in den Brunnen gefallen, bleibt nur die Flucht ins Komische – klar erkennbar auch an den Werbesprüchen @BVG_Kampagne. Lustigmachen ist in diesen Problemfällen die Anerkennung ihrer Unlösbarkeit.

Womit wir zurück sind bei der Verkehrswende. Die soll, dem Klima zuliebe und dem Wachstum der Stadt entsprechend, möglichst schnell ablaufen. Wer nun aber in diesen Tagen, da witterungsbedingt immer mehr Menschen ihre Fahrräder stehen lassen, U- oder S-Bahn fährt, stößt so schnell an die Grenzen seiner Vorstellungskraft wie ein U-Bahnwaggon an seine Aufnahmekapazität. Überfüllte Züge, die passieren müssen, sind längst normal.

ÖPNV als Lösung?

Beim innerstädtischen gondeln zu den Stoßzeiten oder am Wochenende lässt sich bei den Fahrgästen ein steigendes Aggressionspotenzial beobachten, im engen Gedränge spielen Rucksäcke eine Rolle, deren Besitzer nicht auf die Idee kommen, sie abzunehmen – und uneinsichtig sind, als sie darauf angesprochen werden. Klassische Täter-Opfer-Umkehr.

Auf den beleuchteten Schildern auf dem Bahnsteig der Mohrenstraße lösen Aufkleber kurzerhand die Diskussion um den Straßennamen, sie machen daraus die „Möhrenstraße“. Der Bahnsteig quillt über, der Fahrer der U2 sieht sich zu einer Durchsage gezwungen: „Die nächste Bahn kommt in zwei Minuten. Wenn Sie kein Herzchirurg sind und gleich operieren müssen, warten Sie auf die nächste Bahn.“ Davon unbeeindruckt, steigen noch zahlreiche Menschen ein, halten die blinkenden und hupenden Türen auf, damit sich noch mehr Leute reinpressen können. Sie sehen nicht aus wie eilige Herzchirurgen auf dem Weg in den OP.

Neue U-Bahnen können frühestens zwei Jahre nach Bestellung fahren, Klagen gegen die Vergabeverfahren sind dabei nicht eingerechnet. Und es gilt, die Flotte nicht nur zu erneuern, sondern zu vergrößern. Hoffentlich wählen nicht zu viele Leute als Vorsatz fürs neue Jahr den Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr.