Brandwachen sind eigentlich eher aus älteren Zeiten bekannt. Damals zog eine Wächter nachts durch ein mittelalterliches Städtchen  und wachte darüber, dass nirgendwo etwas anbrannte und ein verheerendes Feuer  entstand.

Nun werden auch an einer maroden Grundschule in Pankow Sicherheitsleute im Zwei-Schicht-System als Brandmelder eingesetzt. Und  zwar täglich von 6 bis  18 Uhr. Denn auf eine andere Art ist der Brandschutz derzeit offenbar nicht zu gewährleisten. „Wir werden übergangsweise menschliche Feuermelder einsetzen“, bestätigte der  Pankower Schulstadtrat Thomas Kühne (CDU) am  Mittwoch.

Die  Brandwachen stellt die Firma Sicherheit Nord GmbH. „Der Sicherheitsdienst wird speziell auf Brandschutz eingewiesen und geschult“, heißt es deshalb in einem Brief der Elternvertreter der Elisabeth-Christinen-Grundschule in Niederschönhausen.  Schon am Mittwoch ging Wachschützer Udo Nonnenmacher, ein kräftiger Kerl mit Glatze, im Schulgebäude stündlich Streife. Im Notfall löst er den Feueralarm aus.  „Unsere Kinder werden sich an ihn gewöhnen“, sagte ein Elternvertreter.

Mängel führten zu „kompensatorischen Maßnahmen“

Bei einer Brandschau Ende November hatten die Fachleute schwere Mängel in dem maroden Plattenbau entdeckt.  Besonders gravierend: Aufgrund fehlender Abtrennungen der Treppenhäuser von den Fluren kann sich der Rauch im Brandfall in kürzester Zeit in den Obergeschossen ausbreiten. Beinahe wären die drei oberen Geschosse geschlossen worden.

Doch Stadtrat Kühne entschied sich für „kompensatorische Maßnahmen“, wie er es nennt. Neben den menschlichen Feuermeldern werden kleinere  Kinder nur noch im unteren Stockwerk unterrichtet. „Damit sie im Brandfall, vom dem keiner ausgeht, kürzere Fluchtwege haben“, sagt Kühne. Außerdem entfernte man in den Fluren sämtliche Kleidung sowie Stühle, Tische oder Deko.  Einzelne ungünstig gelegene Klassenräume wurden gesperrt.

In den Osterferien sollen dann Rauchmelder sowie eine Brandmeldezentrale eingebaut werden.  Wenn das alles funktioniert, werden die Brandwachen überflüssig. Bis dahin dürfte sie etwa 10 000 Euro kosten, sagte Stadtrat Kühne. Bisher wird Sicherheitspersonal lediglich an Neuköllner Schulen eingesetzt. Dort kontrollieren Security-Leute die Eingangsbereiche, verwehren Schulfremden den Zutritt.
In Pankow sollen sie hingegen im Brandfall auch den geordneten Weg der Schüler ins Freie  organisieren. Demnächst ist an der Elisabeth-Christinen-Grundschule auch eine Brandübung geplant.

Gebäude verfallen zusehends

Wachsschützer wie Udo Nonnenmacher haben eigens eine Zusatzausbildung zum Brandschutzhelfer gemacht. Auch an anderen Schulen im Bezirk gibt es Probleme mit dem Brandschutz, etwa an der Grundschule im Hasengrund. Verschärfend kommt hinzu: Finden an einer Schule umfangreichere Bautätigkeiten statt, treten automatisch die neuesten, noch strikteren Brandschutzbestimmungen in Kraft.

Wie so viele Schulen ist  die Elisabeth-Christinen-Grundschule  vom DDR-Bautyp „Gangschule Berlin GT81“  vor aller Augen verfallen.  Zum Schuljahr 2018/19 sollen die Schüler in einen Altbau an der Buchholzer Straße umziehen. Dann soll der DDR-Bau endlich grundsaniert werden. Pankow benötigt in Zukunft  so viele zusätzliche Schulplätze wie kein anderer Bezirk in Berlin.
Landesgesellschaft unklar

Hierfür plante der Senat  ursprünglich eine Landesgesellschaft für Schulneubau. Auch um künftig die Schuldenbremse umgehen zu können. Zwischenzeitlich sieht es aber so aus, als könnten die 40 geplanten Schulneubauten in Berlin zunächst weiter in Regie der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gebaut werden. Der Senat wird sich auf einer seiner nächsten Sitzungen mit dem Reizthema beschäftigen.