„An unsere Russen, ihr seid nicht alleine, wir stehen zu euch!“ Dieser vier mal zwei Meter große grüne Schriftzug an der Giebelseite eines Wohnhauses in der Alfred-Kowalke-Straße in Lichtenberg zeigt, wie viele Putin-Freunde es in Berlin gibt. Die Polizei, der das gemeldet wurde, leitete ein Ermittlungsverfahren ein.

Die Stimmung ist aufgeheizt in Berlin. Der Ukraine-Krieg sorgt für Pöbeleien, Sachbeschädigungen und Schmierereien in der Stadt. Am Rosenthaler Weg in Pankow entdeckte die Polizei am Montagnachmittag auf einer freigegebenen Graffiti-Fläche einen zwei mal zwei Meter großen silberfarbenen Panzer und ein großes Z-Zeichen in roter Farbe.

Am Montag, der von Russland als „Tag des Sieges“ gefeiert wurde, waren 1700 Polizisten in Berlin im Einsatz, um für Ruhe zu sorgen und in Berlin lebende Russen und Ukrainer vor allem an den Sowjetischen Ehrenmalen auseinander zu halten. Inzwischen hat die Polizei eine erste interne Bilanz des Tages gezogen, die der Berliner Zeitung vorliegt.

„Tag des Sieges“: Eine Körperverletzung, eine Festnahme

Demnach schützte die Polizei vier Gedenkveranstaltungen, elf Kundgebungen und einen Aufzug. Sie waren entweder pro-russisch oder pro-ukrainisch. Am Treptower Ehrenmal zählte die Polizei sieben Veranstaltungen mit jeweils bis zu 370 Personen. Bei diesen war es immer wieder zu gegenseitigen Beschimpfungen gekommen, wie Reporter dieser Zeitung feststellten.

Rund um das Ehrenmal an der Straße des 17. Juni in Mitte nahmen bis zu 730 Personen an der Veranstaltung teil. Bei der Demonstration am Mittag vom Brandenburger Tor zählte die Polizei rund 500 Teilnehmer. Dabei kam es zu einer Körperverletzung. Ein Teilnehmer wurde festgenommen.

Bei einer Mahnwache vor der russischen Botschaft Unter den Linden stritten sich gegen Mittag Teilnehmer mit pro-russischen Personen, dabei kam es zu Rangeleien mit der Polizei. Zu der Zeit hatte die russische Botschaft zu einem Empfang mit rund 100 Gästen geladen.

„Nachtwölfen“ fehlte die Haftpflichtversicherung

Ein großes Augenmerk legte die Polizei auf den Putin nahestehenden russischen Rockerklub „Nachtwölfe“, dessen Mitglieder vorhatten, nach Berlin zu fahren. Am Nachmittag erreichten 27 Mitglieder des „Nachtwölfe MC“, die in Frankfurt am Main losgefahren waren, die Berliner Stadtgrenze mit fünf Autos und 15 Motorrädern.

In Dreilinden kontrollierte die Polizei ihre Fahrzeuge eingehend auf ihren technischen Zustand. Den Fahrern eines Pkw und eines Motorrades wurde die Weiterfahrt wegen fehlender Haftpflichtversicherungen untersagt. Die Rocker durften dann in Kleingruppen, begleitet von der Polizei, zu den Sowjetischen Ehrenmalen fahren, wo sie Blumen niederlegten. 13 weitere „Nachtwölfe“ wurden im Stadtgebiet von der Polizei kontrolliert und begleitet. Sie durften keine Patches der „Nachtwölfe“ an ihrer Bekleidung offen zeigen.