Berlin - In einem linken Hausprojekt in Mitte hat es am Dienstag einen Polizeieinsatz gegeben. An der Linienstraße 206 unterstützten Beamte seit 7 Uhr den Gerichtsvollzieher bei der Räumung zweier Wohnungen. Vor dem unsanierten Eckhaus versammelten sich bis zu 50 Sympathisanten aus der linksradikalen Szene, die zum Teil Transparente mitgebracht hatten.
Nach Angaben einer Polizeisprecherin leistete die Polizei Amtshilfe für einen Gerichtsvollzieher, der einen Beschluss des Amtsgerichts Mitte umsetzte. 25 Polizisten waren im Einsatz, der gegen 13 Uhr  beendet war. Zwischenfälle gab es laut Polizei nicht. Ein privater Sicherheitsdienst übernahm die Sicherung der Wohnungen.

Am späten Dienstagabend demonstrierten nach Einschätzung der Polizei dann noch einmal rund 350 Menschen gegen die Räumung.  Bis Redaktionsschluss verlief der Protest friedlich.

Haus nach der Wende besetzt

Das Haus Linienstraße 206 war nach der Wende besetzt worden. Nachdem das Gebäude an eine rumänische Erbengemeinschaft rückübertragen wurde, gab die   Wohnungsbaugesellschaft Mitte den Besetzern Mietverträge.  Mehrmals wechselten die Eigentümer. Der neue Besitzer seit 2009, ein Steuerberater, kündigte mehreren Bewohnern. Nach langen Gerichtsverfahren erreichte er, dass die Bewohner zweier Wohnungen ausziehen mussten. Da diese sich weigerten, setzte der Besitzer beim Amtsgericht einen Räumungstitel durch.

Das  Hausprojekt „Linie 206“, das nach eigener Darstellung einen „undogmatischen, linksradikalen und anarchistischen Anspruch“ hat, genießt in der linksradikalen Szene nicht nur Sympathie. Die Bewohner sind in der Szene umstritten, weil sie sich unter anderem nicht solidarisch genug gezeigt haben sollen mit anderen linksradikalen Häuserprojekten.

Besorgter ist die linksautonome Szene über die Zukunft anderer Ex-Hausbesetzer-Objekte, etwa der Rigaer Straße 94 in Friedrichshain. Dort könnten die Behörden das Haus  wegen unzureichenden Brandschutzes für unbewohnbar erklären. Die Polizei hatte  im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses vor einigen Monaten deutlich gemacht, dass sie das Bezirksamt unterstützen würde. In dem Haus gebe es „hohe Brandlasten“, begründete der zuständige Direktionsleiter.