Gedacht ist an Fußball, Leichtathletik, American Football oder Rugby: Der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg soll für solche und andere Sportarten hergerichtet werden. Für den Neubau des Sportareals liegen jetzt die ersten Pläne vor – es ist das größte Sportprojekt, das die Landesregierung derzeit plant. Sollte Berlin die Olympischen Spiele 2024 oder 2028 ausrichten, sind in dem Stadion Fußball- und Rugby-Spiele vorgesehen. Auch viele Wettbewerbe der Paralympischen Spiele sollen im Jahn-Sportpark ausgetragen werden.

Nur Gedankenspiele? Auch unabhängig von Olympischen Spielen will der Senat die Anlage zu einem Inklusions-Sportpark ausbauen, in dem behinderte und nichtbehinderte Sportler gleichermaßen aktiv sind. „Wir brauchen in Berlin ein Stadion in dieser Größenordnung mit 20.000 Zuschauerplätzen, um Deutsche Leichtathletikmeisterschaften, den German Bowl im American Football und Deutsche Rugby-Meisterschaften auszutragen“, sagt Sport-Staatssekretär Andreas Statzkowski (CDU). Zu diesen Veranstaltungen würden 12.000 bis 16.000 Zuschauer kommen, dafür sei das Olympiastadion zu groß. Daher findet das Champions League Finale der Frauen im Fußball am 14. Mai auch im Jahn-Sportpark statt. 2,5 Millionen Euro investiert der Senat noch einmal in mehr Sicherheit, die Kabinen werden hergerichtet und Wände neu gestrichen.

Der Jahn-Sportpark ist nach Olympiastadion und Alter Försterei das drittgrößte Stadion in Berlin. Seit Mitte Januar liegt für den Umbau des 22 Hektar großen Areals eine Machbarkeitsstudie vor. Die Gutachter empfehlen Abriss und Neubau des Stadions, weil das 1987 errichtete Tribünengebäude marode ist. Die Sicherheitsbehörden dulden die Nutzung nur noch fünf Jahre. 150 Millionen Euro veranschlagen die Gutachter für die Umgestaltung des Areals. Trotz langer Vorbereitungen ist im Landesetat dafür noch kein Geld eingeplant, so dass der Umbau frühestens 2018 beginnen kann.

Auf das Gelände sollen auch Sportverbände ziehen, etwa der Behinderten-Sportverband Berlin. Dieser richtet dort jährlich zwei Großveranstaltungen aus – die Internationalen Deutschen Meisterschaften in der Leichtathletik und das Herbstfinale Jugend trainiert für die Paralympics. „Das Stadion muss nach dem Umbau für Behinderte nutzbar sein“, fordert Ehrhart Körting, früherer Innensenator und jetzt Verbandspräsident.

Die hohen Erwartungen an einen möglichst schnellen Umbau sieht der Bezirk Pankow derzeit nicht erfüllt. Ein Spitzengespräch in der vergangenen Woche zwischen Statzkowski und Bürgermeister Matthias Köhne (SPD) verlief ohne greifbares Ergebnis. „Es ist weiter unser großes Interesse, den Standort zu entwickeln. Wir sind bereit, bezirkliche Flächen für ein Parkhaus und die neuen Eingänge zur Verfügung zu stellen“, sagt Jens-Holger Kirchner (Grüne), der Stadtrat für Stadtentwicklung.

Wie Statzkowski sagt, werden nun Arbeitsgruppen mit der Stadtentwicklungsbehörde und dem Bezirk eingerichtet. Um die Bauplanung zu erarbeiten, sollen für 2017 Haushaltsmittel eingeplant werden. Eine Fertigstellung ist laut Gutachten bis 2023 möglich – also vor den Olympischen Spielen.