Berlin - Sie flohen aus Krisengebieten auf der ganzen Welt vor Krieg, Terror und Tod: Tausende Flüchtlinge, die in Berlin eine neue Heimat fanden. In Heiligensee wollen einige von ihnen nun aus Dankbarkeit etwas zurückgeben – und sorgen dafür, dass eine Schule bald in neuem Glanz erstrahlt.

Ellef-Ringnes-Grundschule

20 junge Männer aus dem Irak, Syrien, dem Iran und Afghanistan sind es, die in Heiligensee seit Tagen zu Abdeckband, Farbe und Pinsel greifen – und die kleine Ellef-Ringnes-Grundschule renovieren. Einer von ihnen ist Ihab Habeeb. Der 32-Jährige wohnte früher in der Nähe von Bagdad, wurde von Schergen der Terrormiliz Islamischer Staat inhaftiert und gefoltert. Über Nacht musste er seine Heimat verlassen, kam vor anderthalb Jahren her. „Ich freue mich, dass ich auf diesem Weg etwas zurückgeben kann“, sagt er.

Unterstützt wird das Projekt vom Diakonischen Werk Reinickendorf und vielen Partnern. „Wir wollten damit an den Erfolg unserer letzten Aktion anknüpfen“, sagt Thomas Maier von der Diakonie. 2016 bauten Flüchtlinge im Märkischen Viertel einen Spielplatz – bei den Berlinern kam das gut an. „Wir konnten den Kritikern der Modularbauten, die dort für die Unterbringung von Flüchtlingen entstehen, Wind aus den Segeln nehmen.“

Nun wird die Grundschule frisch gestrichen. Die Aktion soll auch ein Dankeschön dafür sein, dass viele Schul-Turnhallen so lange für die Unterbringung der Migranten gesperrt wurden. „Wir mussten unseren Sportunterricht über Monate in Flure und Treppenhäuser verlegen“, sagt Schulleiterin Cordula Hobein. Bis zu 200 Flüchtlinge wohnten zu Spitzenzeiten in der Sporthalle. „Die meisten von ihnen waren so dankbar, denn auf ihrer Flucht fühlten sie sich bisher nirgendwo willkommen.“

Dass solche Aktionen auch die Integration fördern, zeigt das Beispiel von Ihab. Er baute auch am Spielplatz im Märkischen Viertel mit, lernte dadurch Deutsch und fand sogar einen festen Job. „Denn im Gespräch stellte sich heraus, dass er Elektriker und Spezialist für Aufzüge ist“, sagt Teamleiter Markus Beese. „Die meisten der Männer, die fliehen mussten, wollen nicht mit Samthandschuhen angefasst, sondern als normale Arbeitskräfte behandelt werden.“

Am 21. April sollen die frisch renovierten Räume an Kinder, Eltern und Lehrer übergeben werden – im Sommer soll das Projekt an anderen Standorten fortgesetzt werden.