Das Berliner Landgericht hat die Zwangsräumung einer schwerbehinderten 67-jährigen Rentnerin in Reinickendorf am Mittwoch in letzter Minute gestoppt. Die zuständige Gerichtsvollzieherin hatte gegen neun Uhr sogar schon die Schlösser zu der Wohnung ausgetauscht, als die telefonische Absage bei ihr eintraf. Einige Minuten zuvor hatte das Landgericht entschieden, dass die vom Amtsgericht Wedding im Januar wegen Mietrückständen verfügte Räumung außer Kraft gesetzt ist. Vorerst bis zum 6. März.

Der Aufschub solle Gelegenheit geben, die in Vollstreckungsschutzanträgen „vorgebrachten Argumente in rechtsstaatlich gebotener Weise zu prüfen“, heißt es in einer Presseerklärung zum Beschluss des Landgerichtes. Er solle die Schuldnerin „vor einer unbilligen Härte durch die drohende Zwangsvollstreckung schützen“.

Rund 200 Personen hatten vor dem Haus in der Aroser Straße gegen die Räumung demonstriert, unter ihnen auch der Linken-Chef Klaus Lederer. Rund 100 Polizisten waren im Einsatz. Die Mieterin, die vorerst bleiben kann, hatte am frühen Morgen die Wohnung verlassen. Ihr Anwalt war aber anwesend. Dem händigte die Gerichtsvollzieherin die neuen Schlüssel aus.