Sechs Namen in 105 Jahren – der heutige Rosa-Luxemburg-Platz ist wohl einer der geschichtsträchtigsten Orte der Stadt. Das Areal im Scheunenviertel der Berliner City hieß Babelsberger Platz (1907 bis 1910), dann Bülowplatz (bis 1933), ab 1933 dann Horst-Wessel-Platz, danach, nach dem Ende der Nazidiktatur, Liebknechtplatz. 1947 gab es dann schon wieder einen neuen Namen – den der Kampfgefährtin von Karl Liebknecht: Rosa Luxemburg, die mit ihm zusammen die Kommunistische Partei Deutschlands gegründet hatte. 1969 erfolgte dann nochmals eine, wenn auch nur marginale Namensänderung: der Platz vor der Volksbühne wurde vom Luxemburgplatz zum Rosa-Luxemburg-Platz. Und so heißt er noch heute – fast 45 Jahre später.

Seit ein paar Wochen erinnern die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mit 15 großflächigen Fotos im U-Bahnhof an die Geschichte des Platzes. Und da sind durchaus Überraschungen dabei. Wer weiß denn schon, dass Mitte des 19. Jahrhunderts in der Münzstraße 20 ein riesiger Theaterbau stand. Das Gebäude namens Victoria Theater wurde 1890, nach nur gut 30 Jahren, wieder abgerissen. Der 1 400 Plätze fassende Bau hatte sich schlichtweg nicht gerechnet.

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Zu sehen ist auch ein Modellfoto einer Schwebebahn von 1904 in der Lothringer Straße, die auch durch das Scheunenviertel führen sollte. Andere Fotos zeigen die Freie Volksbühne am damaligen Bülowplatz und die Zentrale der KPD vom 22. Januar 1933 – unmittelbar vor einem angekündigten Aufmarsch der faschistischen Sturmabteilungen (SA). Polizisten sind auf dem Bild zu sehen, die sich vor der Parteizentrale postiert haben. Das Haus hat auch heute eine politische Nutzung: Dort hat die Linke ihren Sitz.

Zu sehen ist auch der U-Bahnhof, der damals den Namen Horst Wessel trug. Wessel, ein fanatischer Nazi, war 1930 bei einer Auseinandersetzung mit KPD-Mitgliedern ums Leben gekommen. Der spätere Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels machte den nur 22 Jahre alt gewordenen Wessel zu einem Märtyrer der faschistischen Bewegung. Nach 1933 wurde der Bezirk Friedrichshain in Horst-Wessel-Stadt umbenannt, auch das Krankenhaus Friedrichshain bekam seinen Namen. Natürlich darf auf einer solchen historischen Bilderschau auch kein Foto des Kinos Babylon fehlen. Zu sehen ist es auf einem Bild vom Februar 1957 – als der Spielfilm Bel Ami mit Johannes Heesters gerade in die Kinos gekommen war.

Allerdings sind den Machern der Fotoausstellung ein paar peinliche Fehler unterlaufen. So wird die Mulackstraße als Mulckstraße bezeichnet, und auch der Platz zwischen Volksbühne und Babylon hieß nicht Horst-Wessels-Platz. Das s ist einfach zu viel. Und um den Fehlerreigen komplett zu machen: Freie Volksbühne schreibt sich groß, es ist schließlich ein Eigenname.