Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma im Berliner Tiergarten.
Foto: dpa/Wolfgang Kumm

BerlinEs ist ein stiller Ort im Berliner Tiergarten in unmittelbarer Nähe des Reichstags. Das Werk des Künstlers Dani Karavan gemahnt an den sogenannten Porajmos, den nationalsozialistischen Völkermord an den als „Zigeuner“ verfolgten europäischen Roma mit bis zu 500.000 Opfern. Der Beschluss für das Denkmal stammt aus dem Jahr 1992, tatsächlich dauerte es aber bis 2012, ehe Karavans zurückhaltend-symbolisches Werk eingeweiht werden konnte. Im Zentrum des von Wasser umgebenen Mahnmals liegt eine Blume, die regelmäßig ersetzt werden muss, wenn sie ihre Frische verloren hat. 

Nach vielen Jahren der öffentlichen Diskussion - in der Gegner des Vorhabens polemisch vorgebracht hatten, der Tiergarten werde zu einer beliebigen Gedenkmeile verkommen - ist es also nicht einfach nur da, vielmehr bedarf es auch der ständigen Pflege und Aufmerksamkeit.

Die aber droht durch ein aufwendiges Tunnelprojekt der deutschen Bahn für eine neue, unterirdische S-Bahn-Strecke nachhaltig infrage gestellt zu werden. Zwischenzeitlich war sogar von einer Verlegung des Denkmals die Rede, gegen die sich der 89-jährige Dani Karavan vehement zur Wehr gesetzt hatte. Erweist sich ein lange ungewolltes Stück der Erinnerungskultur nun also erneut als Störfaktor?

Die Vertreter der Deutschen Bahn beteuern, seit geraumer Zeit in enger Verbindung mit dem Zentralrat der Sinti und Roma zu stehen. Nun scheint ein Kompromiss gefunden, in dem Karavans teichähnliche Skulptur zwar unangetastet bleibt, über einen längeren Zeitraum jedoch durch Baustellenbetrieb beeinträchtigt wird. Wenn der Zentralrat der Sinti und Roma sowie Dani Karavan zustimmen, kann man die Unruhe durch bauliche Veränderungen vielleicht auch als produktives Zeichen dafür nehmen, wie wichtig es ist, historische Erinnerung lebendig zu halten.