Berlin - Unsozial, unangemessen, verantwortungslos – die Opposition im Abgeordnetenhaus hat die beschlossene Preiserhöhung bei BVG und S-Bahn scharf kritisiert. In der von der Linkspartei beantragten Aktuellen Stunde am Donnerstag sagte der Verkehrspolitiker Harald Wolf, es gebe immer noch keine Kompensation für die Ausfälle bei der S-Bahn. Schon daher seien Preiserhöhungen das falsche Signal.

Die Preise steigen ab August um durchschnittlich 2,8 Prozent. Es ist die zweite Preiserhöhung innerhalb eines Jahres. Ein Fahrausweis wird 2,60 Euro (statt 2,40 Euro) kosten. Die Preise für Abonnenten steigen nicht so stark. So kostet das Jahresabo mit einmaliger Abbuchung künftig 690 statt 680 Euro. Rabatte gibt es etwa bei zum Teil neu eingeführten 4-Fahrten-Karten wie für die Kurzstrecke. Das Sozialticket soll unverändert 36 Euro im Monat kosten. Ein Schülerticket kostet künftig 28,50 Euro statt bisher 28 Euro.

Verkehrssenator Müller verteidigt die Preiserhöhungen

Linken-Politiker Wolf forderte, dass das Land aus Haushaltsmitteln der BVG mehr Einnahmen verschaffen müsse. Der grüne Verkehrsexperte Stefan Gelbhaar forderte, über ein verbessertes Angebot für mehr Fahrgäste zu sorgen. Die BVG selbst müsse ihre Energieeffizienz erhöhen. Der grüne Haushälter Jochen Esser sagte, der Senat habe kein Konzept, wie die Altschulden der BVG von rund 800 Millionen Euro zu bewältigen seien. Auch der Verkehrsexperte der Piraten, Gerwald Claus-Brunner, sagte: „Die Angebotsqualität müsste eigentlich zu einer Preissenkung führen.“

Verkehrssenator Michael Müller (SPD) sagte dagegen, die Preise seien „mit Augenmaß“ erhöht worden. Die für einen Euro zurücklegbare Strecke sei in Berlin mehr als doppelt so lang wie im Durchschnitt anderer Großstädte. Die Kosten für Personal und Energie seien gestiegen. Niemand werde über Gebühr belastet, insbesondere Einkommensschwache, Familien und Dauerkunden würden geschont.