Im Krankenhaus wurde am Mittwoch ein Kondolenzbuch für den getöteten Mediziner ausgelegt.
Foto: Eric Richard

BerlinEin Krankenhaus kennt keine Pause. Doch am Tag nach dem Mord an Fritz von Weizsäcker nehmen sich viele Ärzte, Schwestern und Pfleger eine Auszeit, um des engagierten Chefarztes still zu gedenken. Im Foyer des Haupthauses hat die Klinik ein großes Bild von von Weizsäcker aufgehängt, schwarz umrahmt lächelt er milde in den Raum. Auf einem Pult darunter ist ein Kondolenzbuch ausgelegt. Fast jeder, der das Haus betritt, hält inne, reiht sich stumm ein in die Schlange der Trauernden und hinterlässt Abschiedsgrüße im Buch. Nicht wenige legen auch Blumen am Pult nieder, einige haben Kerzen mitgebracht.

Ob Patient, Schwester oder Oberarzt – sie alle halten viel von dem Humanmediziner, der im Alter von 59 Jahren so plötzlich aus dem Leben gerissen wurde. „Danke für das, was Sie geleistet haben“ und „Mit tiefer Trauer und Fassungslosigkeit“ schreiben die Kollegen. „Ein großartiger Mensch ist unverhofft von uns gegangen“, so tragen sich drei Pfleger ins Buch ein. Eine Frau mit Kopftuch, die gerade aus einem Behandlungszimmer kommt, schreibt: „Er war sehr nette Arzt. Schade!“

Chefarzt und Professor

14 Jahre lang war Fritz Eckhart Freiherr von Weizsäcker, 1960 in Essen geboren, Chefarzt der Abteilung Innere Medizin I an der Schlosspark-Klinik in Charlottenburg. Zuvor hatte er in Bonn und Heidelberg studiert, sein praktisches Jahr in den USA absolviert, den Facharzt für Gastroenterologie abgelegt. 2003 war zum Professor für Innere Medizin an der Universität Freiburg berufen worden. Er galt als Experte für Leber- und Gallenwegserkrankungen.

Erstochen wurde er am Dienstagabend in einem kleinen Raum eines Nebengebäudes, kaum 50 Meter entfernt, während eines Vortrags über eines seiner Spezialgebiete: „Fettleber – (K)ein Grund zur Sorge?“ Die Tür zum Tatort ist am Mittwoch geschlossen, ein handgeschriebenes Schild hängt daran: „Konferenzraum gesperrt!“

Die Mitarbeiter und die Teilnehmer des Vortrags erhielten der Klinik zufolge psychologische Unterstützung. Der Geschäftsführer Mario Krabbe erklärte, mit Fritz von Weizsäcker habe die Klinik einen „hervorragenden Arzt und überaus geschätzten Kollegen“ verloren.
Als klug, reflektiert, witzig, großzügig, hilfsbereit und vielseitig interessiert beschreiben Familienmitglieder den vierfachen Vater. Seine Kinder habe er geliebt, sagen sie.

Mitglied der FDP

Fritz von Weizsäcker war Mitglied einer Partei – allerdings nicht der Partei, der sein berühmter Vater ein Leben lang angehörte. Statt zu den Christdemokraten zog es von Weizsäcker zu den Liberalen: Seit mehr als zehn Jahren war er Mitglied der Berliner FDP im Ortsverband Dahlem.

Doch um sich aktiv in der Politik zu engagieren und um Ämter zu bewerben, fehlte dem Chefarzt entweder die Muße oder ganz einfach die Zeit. Denn auch in seiner Freizeit brannte er für die Medizin und engagierte sich in zahlreichen Organisationen: Er war Vorstand der Gesundheitsstadt Berlin, eines Vereins, der sich für die Vernetzung von Medizin, Forschung und Politik einsetzt. Auch bei der Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie in Berlin und Brandenburg, die Leitlinien entwickelt und Fortbildungen veranstaltet, saß er im Vorstand.  

„Fritz von Weizsäcker sollte uns allen nicht als Sohn in Erinnerung bleiben“, sagte Christoph Meyer, Landeschef der FDP Berlin, „sondern vor allem als passionierter Arzt und großartiger Mensch.“