11,4 Millionen Fluggäste nutzten 2019 den Flughafen Schönefeld (SXF).
Foto: dpa/ Paul Zinken

Berlin-SchönefeldBesonders beliebt scheint er ja nicht zu sein, der Flughafen Schönefeld. Zumindest, wenn man die Bewertungen bei Skytrax liest. Auf der Internetseite des Beratungsunternehmens, auf der Fluggäste aus vielen Ländern ihre Erfahrungen schildern, schneidet er schlecht ab. Von zehn möglichen Punkten bekommt Schönefeld gerade mal zwei.

„Der schlimmste Flughafen, den ich je besucht habe“, schreibt eine Britin. Schönefeld sehe wie eine Baustelle aus, aber nicht wie der Flughafen einer europäischen Hauptstadt. „Einfach schrecklich“, urteilt ein Pole. Das Terminal sollte mal saubergemacht werden. „Eine absolute Schande für Berlin“, bemängelt ein Belgier. Sein Rat lautet: „Tun Sie sich einen Gefallen und suchen Sie sich einen anderen Weg, um nach Berlin zu kommen.“

Zu wenig Platz zum Warten, zu wenige Sitzplätze, unhöfliches Personal an der Sicherheitskontrolle: Das ist die Hauptkritik. Auch dass Passagiere Treppen steigen müssen, wird immer wieder bemängelt. Nicht zu vergessen die Toiletten: „schmutzig und ekelhaft“, so eine Bewertung. Es gibt aber auch positive Bewertungen bei Skytrax, zum Beispiel aus der Ukraine: "sauber und leicht zu navigieren." 

Die Flughafengesellschaft FBB bemüht sich, Schönefeld aufzuhübschen. In den kommenden Jahren will sie einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag investieren. Lange Zeit als einstiger DDR-Hauptstadt-Flughafen abgetan, wird er nun dringend benötigt. Als Ergänzung zum BER, der für den Andrang zu klein ist. Wenn der BER öffnet – was für den 31. Oktober geplant ist –, wird Schönefeld sein Terminal T5. Ryanair wird Hauptnutzer sein, auch Passagiere von SunExpress, Tuifly oder Iraqi Airways werden dort einchecken. Easyjet zieht vorher zum Terminal T1 des BER um.

Bund baut Regierungsterminal nicht vor 2030

Hatte die FBB der Luftfahrtbehörde anfangs mitgeteilt, dass Schönefeld nur noch bis Ende 2023 am Netz bleiben soll, ist heute von einer Nutzung bis 2030 die Rede. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup: „Wir wollen den Flughafen Schönefeld, künftig Terminal T5, noch rund zehn Jahre weiter betreiben.“ Möglichst mit voller Kapazität, wofür die Chancen gut stehen. Denn es zeichnet sich ab, dass der Bund das neben dem Hauptgebäude projektierte Regierungsterminal erst nach 2030 baut. Dieses Projekt sollte ursprünglich bereits ab 2022 einen Teil des Vorfeldbereichs Ramp 2 in Beschlag nehmen  – was die jährliche Kapazität Schönefelds von 13 Millionen auf neun Millionen Fluggäste senken würde. Doch nun zeichnet sich eine Lösung ab, teilte Lütke Daldrup mit.

„Für die Unterbringung der Soldaten der Flugbereitschaft, die von Köln/ Bonn nach Berlin umziehen wird, hat der Bund vor einigen Wochen eine neue Konzeption vorgestellt“, sagte er. Er beabsichtige, die Flächen an der Ramp 2 nach Süden zu vergrößern. „Die FBB ist grundsätzlich bereit, sie zur Verfügung zu stellen“, so Lütke Daldrup. „Im Gegenzug haben wir darum gebeten, nördlich davon vor den Schönefelder Terminals D und D1 einen größeren Streifen für den Linienflugverkehr bis 2030 nutzen zu dürfen. Das würde dort vorhandene Kapazität sichern.“

Für den Regierungsflugbetrieb will der Bund sein „Interimsterminal“, das westlich davon an der Ramp 1 im Jahr 2018 fertiggestellt wurde, länger nutzen. Es werde darüber nachgedacht, dort „deutlich länger zu bleiben als bis 2025, wie es einmal geplant gewesen war“, berichtete Lütke Daldrup.

Die Codes SXF und TXL verschwinden im Herbst

Noch hat der Flughafen Schönefeld in den Verzeichnissen der Luftfahrtorganisation IATA den Code SXF. Aber nicht mehr lange, denn zur Betriebsaufnahme des Flughafens BER wird die Anlage diese Bezeichnung verlieren - aus technischen und organisatorischen Gründen bereits zum Flugplanwechsel im Herbst. Am 24. Oktober 2020 um 23.59 Uhr soll der Code deaktiviert werden, eine Minute später ist dann die Bezeichnung BER aktiv.

TXL für Tegel wird es dagegen noch etwas länger geben. Dieser Code soll nach dem letzten Flug stillgelegt werden - nach jetzigem Stand am 8. November 2020.