Eine S-Bahn hält im Bahnhof unter dem Terminal T1 des BER. Noch dürfen keine Fahrgäste mitreisen. Doch spätestens Mitte Oktober beginnt der reguläre Betrieb. Für die Linien S45 und S9 braucht die S-Bahn jeweils eine zusätzliche Zuggarnitur.
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Berlin/SchönefeldGanz schön weit draußen, der BER. Dauert sicher ziemlich lange dorthin! Wenn es darum geht, wie sie zum neuen Schönefelder Flughafen gelangen, geraten viele Berliner ins Schaudern. Am Freitag bemühte sich Susanne Henckel vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), den Befürchtungen entgegenzutreten: „Zwischen Berlin und dem BER ist die Bahn konkurrenzlos in Bequemlichkeit, Fahrzeit und Preis.“

Täglich werde es in beiden Richtungen insgesamt fast 500 Fahrten auf den Schienenwegen geben, und wer vom Flughafen in die östliche Innenstadt fährt, ist je nach Bahnhof in knapp einer Viertelstunde bis einer halben Stunde am Ziel. Ein Ticket kostet 3,60 Euro.  

Marktanteil der Bahn ist rekordverdächtig

Schon jetzt sind die Berliner Flughäfen Spitze in Deutschland, wenn es darum geht, wie viele Passagiere per Nahverkehr anreisen. In Schönefeld liegt der Anteil bei 75 Prozent, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. In Tegel sind es 50 Prozent –fast doppelt so viele wie in Frankfurt am Main oder in Düsseldorf, wo jeweils nur rund 27 Prozent der Fluggäste per Bahn oder Bus kommen.

Am neuen Flughafen südöstlich von Berlin, der nach der jüngsten Ankündigung am 31. Oktober 2020 öffnet, werden es rund 60 Prozent sein. Wenn in ein paar Jahren nach dem Neubau der Dresdener Bahn im Süden Berlins eine zusätzliche, noch schnellere Verbindung zur Verfügung steht, könnte der Anteil auf sogar 70 Prozent wachsen, so Lütke Daldrup.

Der BER-Bahnhof liegt direkt unter dem Terminal T1, so etwas ist einmalig in Deutschland.

Engelbert Lütke Daldrup

Kein Wunder: Parkplätze werden teuer sein, was auch für Taxifahrten von und nach Berlin gelten wird. Seit Jahren versucht der Senat in Verhandlungen mit dem Landkreis Dahme-Spreewald zu erreichen, dass Berliner Taxis am BER Fahrgäste nicht nur absetzen, sondern auch aufnehmen dürfen. "Wir hoffen, dass wir Anfang 2020 zu einer Lösung kommen", sagte Verkehrs-Staatssekretär Ingmar Streese.

Flughafenplaner erwarten, dass anfangs 17,9 Prozent der Passagiere im Taxi zum BER gelangen werden. Der Anteil des Nahverkehrs wird auf 59,7 Prozent beziffert. 3,1 Prozent kommen mit dem Fernbus, 19,3 Prozent mit dem Auto, so die Vorhersage weiter. 

Woanders könnten S-Bahn-Züge gekürzt werden

„Der BER-Bahnhof liegt direkt unter dem Terminal T1, so etwas ist einmalig in Deutschland“, schwärmte Engelbert Lütke Daldrup. „Auf zwei Rolltreppen gelangt man in den Ankunftsbereich, auf drei Rolltreppen zum Check-in.“

Welche Linien ab Mitte Oktober im neuen Schönefelder Flughafen beginnen werden, hatte sich bereits herauskristallisiert. Bei der S-Bahn sind es die S45, die laut Plan in 41 Minuten zum Südkreuz fährt, und die S9. Deren Züge sind ebenfalls in 23 Minuten in Schöneweide und fahren weiter über Warschauer Straße (35 Minuten und Zoo nach Spandau. Insgesamt ergibt sich bei der S-Bahn ein Zehn-Minuten-Takt.

Auf diesen Strecken geht es von Berlin zum Flughafen. Die blau gestrichelte Linie bezeichnet die Dresdener Bahn, die bis 2025 neu gebaut wird.
Graphik: BLZ, Böttcher/Galanty

Weil die S-Bahn-Strecke zum BER rund acht Kilometer länger ist als die heutige Trasse nach Schönefeld, muss die S-Bahn woanders 14 zusätzliche Wagen loseisen. „Sie wollen wir nach Möglichkeit gewinnen, ohne Verstärkerlinien wie auf der S5 aus dem Fahrplan zu nehmen“, erklärte ein S-Bahner am Freitag. Gut möglich, dass anderswo Züge gekürzt werden und statt mit sechs mit vier Wagen verkehren, hieß es beim Verkehrsverbund. Auf jeden Fall wird der Flughafenverkehr seinen Tribut von den S-Bahn-Fahrgästen fordern.

Erster Regionalzug soll gegen 3.45 Uhr ankommen

Zwischen Berlin und dem BER werden aber auch Regionalzüge fahren, zum selben Tarif wie die S-Bahn, aber deutlich schneller. Am heutigen Flughafen Schönefeld, der künftig als Terminal T5 des BER unter anderem Ryanair beherbergt, werden sie aber nicht halten.

Neu wird der Flughafenexpress FEX sein, der jede halbe Stunde von der neuen Station Flughafen BER Terminal 1-2 zum Hauptbahnhof verkehrt, laut Fahrplan in 33 Minuten und mit Halt in Gesundbrunnen und Ostkreuz. Die Bahn plant den Einsatz von Zuggarnituren mit jeweils vier Doppelstockwagen. Sie rollen heute noch durch Süddeutschland, müssen aber noch aufgehübscht werden. 

Damit nicht genug: Unter dem neuen Flughafen wird auch der Regionalexpress RE7 nach Dessau halten – im Stundentakt wie die Regionalbahn RB14 nach Spandau und Nauen. Die achtteiligen Triebzüge des Typs Talent fahren quer durch Berlin. Das Ostkreuz ist je nach Linie 16 oder 19, der Zoo 38 oder 43 Minuten entfernt.

Bei diesem Thema geht es nicht nur um die Fluggäste. Erwartet wird, dass bis zu 18 000 Menschen auf dem Flughafen oder in der Umgebung arbeiten werden – auch sie brauchen gute Verbindungen,   oft schon sehr früh. In der Regel werde der Zugbetrieb gegen 4 Uhr früh beginnen und deutlich nach Mitternacht enden, so Henckel. "Wir sprechen mit der Bahn über eine zusätzliche Frühverbindung." Der Zug der Linie RB14 soll gegen 3.15 Uhr in Berlin abfahren und gegen 3.45 Uhr im neuen Flughafenbahnhof eintreffen.  

Möglicherweise fahren auch ICE-Züge zum Flughafen 

Nicht zu vergessen die Busse. Dazu zwei Beispiele: Der Expressbus X7 fährt künftig im Fünf-Minuten-Takt vom BER zum U-Bahnhof Rudow, wo die U7 beginnt. Zur Yorckstraße in Kreuzberg soll die gesamte Fahrt 54, zur Berliner Straße in Wilmersdorf 62 Minuten dauern. Neu ist die Buslinie X71, die alle 20 Minuten Direktverbindungen in den Südwesten Berlins schafft – zum Beispiel nach Lichterfelde Ost. Auch Lichtenrade bekommt einen Direktanschluss zum neuen Schönefelder Flughafen: im Stundentakt mit dem Bus 743 über Großziethen. Wie heute schon fährt der Bus 163 vom Flughafen Schönefeld (künftig Terminal T5) nach Grünau, während der Bus 164 von dort den S-Bahnhof Köpenick ansteuert.

Auch Ziele im Land Brandenburg werden vom BER gut erreichbar sein, hieß es. So wird die Regionalbahn RB22 stündlich nach Königs Wusterhausen (16 Minuten), Potsdam Pirschheide (22), Golm (28) und Potsdam Hauptbahnhof (49) verkehren. Mit dem RE 7 ist man in 30 Minuten in Wünsdorf-Waldstadt. Buslinien kommen hinzu.  

Mit der Intercity-Linie 17, die Dresden und Rostock vom Fahrplanwechsel in diesem Dezember verbindet, wird der neue Flughafen ebenfalls an den Fernverkehr angeschlossen. Möglich, dass weitere Fernzüge, auch ICE , ab Oktober oder Dezember 2020 Halte einlegen werden. Henckel: „Darüber wird mit der Bahn verhandelt. Es könnte klappen.“ Gesprochen wird auch darüber, ob im Intercity Dresden-Rostock der VBB-Tarif gelten wird. Dann bekämen Oranienburg und Elsterwerda zügige Flughafenverbindungen zum guten Preis - denn dort wird der IC unter anderem halten.

Weitere Verbesserungen sind in Sicht. So werde es von Ende 2022 an auf einer Regionalexpresslinie sogar rund um die Uhr Zugbetrieb geben, kündigte die Chefin des Verkehrsverbunds an. Und auch der künftige Flughafenexpress, der von 2025 an in nur 21 Minuten vom BER zum Hauptbahnhof fahren wird, soll im 24-Stunden-Betrieb verkehren.