Berlin - Gartenfeld – das klingt nach Bauernhof, Obst- und Gemüseanbau, einer ländlichen Idylle. Tatsächlich gab es in diesem östlichen Teil Spandaus einmal einen Gutshof, bevor das Unternehmen Siemens das 60 Hektar große Areal an der Gartenfelder Straße 14–28 vor gut 100 Jahren übernahm, um Kabel zu produzieren. Inzwischen ist dort der Gewerbepark Trigo ansässig. Das soll sich nach dem Willen des Senats ändern. Auf dem Gelände sollen anstelle von großen Lager- und Produktionshallen 3000 bis 4000 Wohnungen neu gebaut werden. Bis zu 10.000 Menschen könnten dort einmal in einem neuen Viertel leben, das ohne viel Autoverkehr auskommen soll.

Das Gebiet gehört wie das Schumacher-Quartier in Tegel, die Wasserstadt Oberhavel in Spandau und die Europacity in Mitte zu den zwölf großen Entwicklungsgebieten für den Wohnungsneubau in Berlin. Jetzt soll ein neues Gartenfeld entstehen. Das Berliner Unternehmen UTB Projektmanagement hat für die Insel, die vom Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal umflossen wird, am Donnerstagabend ein Konzept vorgestellt, das von den Architekten des Büros Cobe Berlin stammt.

Hallen werden zu Terrassen

Das ist die Idee: Viele, zum Teil auch denkmalgeschützte Hallen im Süden und Osten des Geländes zum Beispiel die Belgienhalle sowie die alte Kabelhalle mit einem angrenzenden Bunker werden erhalten und weiter als Gewerbeflächen genutzt. Andere Hallen werden terrassenartig abgestuft und umgebaut, um dort neue Wohnungen einzurichten.

Weitere Hallen vor allem im nördlichen Bereich werden abgerissen, um Platz für meist fünf- bis siebengeschossige neue Wohnhäuser zu machen. „Nutzungsmischung, soziale Vielfalt, gestalterische und ökologische Qualität stehen im Mittelpunkt und werden das Quartier zu einem guten Wohnort und Standort für Dienstleistung und Gewerbe machen“, sagt Baustaatssekretär Engelbert Lütke Daldrup.

Die Architekten nutzen vor allem die Wasserlage der Insel, um sie als neuen Wohnort attraktiv zu machen. So wollen sie ein neues Hafenbecken anlegen mit einer kleinen Marina. „Das wird kein Hafen für Luxusjachten, der Hafen ist für die Anwohner gedacht. Dazu erarbeiten wir ein Konzept“, sagt Anja Menge. Sie ist Architektin und Projektmanagerin bei UTB. Auch ein 16 Meter breiter Kanal wird in dem Wohngebiet neu angelegt, in dem das Regenwasser von Straßen und Plätzen gesammelt wird. Bevor das Wasser in den Kanal fließt, wird es gefiltert. „Das sorgt für ein besseres Mikroklima und erfüllt eine optische Funktion“, so Anja Menge.

Baubeginn wenn Tegel schließt

Die Eigentümer des Geländes werden die Wohnungen nicht allein bauen. Mit dem Senat ist bereits verabredet, dass 1000 Wohnungen an städtische Wohnungsbaugesellschaften gehen werden. Sie müssen 50 Prozent sozialen Wohnungsbau errichten. „Es wird ein gemischtes Wohnquartier entstehen mit mehreren Trägern“, sagt die Projektchefin. Genossenschaftliche Wohnungen sind ebenso vorgesehen wie Gebäude von Baugruppen und Privatinvestoren. Um die Nahversorgung der Anwohner zu sichern, soll in der 19.000 Quadratmeter großen Belgienhalle eine Mix aus Markthalle, Geschäften wie Bäcker und Fleischer aber auch Sport- sowie Kulturangeboten entstehen. Auch einen Bildungscampus mit einer Grundschule sowie einem großen Sportplatz, der auch dem Vereinssport dient, wird es geben.

Um den Autoverkehr zu begrenzen, gibt es im Zentrum des Areals einen neuen Fußgängerboulevard. Eine Straßenbahn soll dort fahren, wünschen sich die Architekten. Die Kanalufer sollen mit Grünanlagen und einem Radweg aufgewertet werden. Mit Angaben zum Baubeginn tun sich die Investoren derzeit etwas schwer. Sie wollen beginnen, wenn der Flughafen Tegel schließt. Also voraussichtlich 2018.