Resilient gegen den Herbstblues: Ein keckes Jesulein macht Freude

Was tun gegen das erste Bibbern und gegen trübe Gedanken? Tipps, die den Übergang in den Herbst zum Vergnügen machen.

Ein selbstbewusstes Bübchen ist das Jesuskind bei Donatello in der Gemäldegalerie.
Ein selbstbewusstes Bübchen ist das Jesuskind bei Donatello in der Gemäldegalerie.Berliner Zeitung/Susanne Dübber

Fort ist der warme Sommer, das dicke Federbett längst eingezogen, der Speiseplan umgestellt, die kalte Jahreszeit kann kommen. Aber auch der Herbstblues zieht ins Herz ein. Wie macht man das empfindliche Organ resilient gegen solche traurigen Abschiede? Bibbern braucht Trost – worin findet man den? Ich zuallererst im Essen.

Ab in die Küche, Beruhigungsprodukte anfertigen. Heiße Eintöpfe in vorgewärmten Tellern: Hühnerbrühe mit Thymian, gequirltem Ei, Zitronenzesten, Reis; rote Linsen in Kokosmilch mit Chili, Kidney- und Grünen Bohnen, Räuchertofu; Süßkartoffeln mit gebratenen Paprikastücken. Breiiges wie Gulasch, Lasagne, Risotto (mit Salzzitronen!) sowieso. Grießbrei tunen mit gemahlenen Mandeln, Zitronenöl, Eigelb. Fest geschlagenen Eischnee vorsichtig und nur wenig unterziehen, der einfache Gries bekommt einen edlen Baiser-Charakter.

Aufs Weißbrot kommt pure Maronencreme (aus der Dose oder Tube), sie ist nicht so süß wie Marmelade, aromatisch, so schmeckt der Herbst. Das Mus als Dessert auf einem Schokoladenspiegel mundet ebenso.

Trauerbewältigung beim Spazierengehen

Weiter geht es in der aktiven Trauerbewältigung – mit Spazierengehen. Nicht einfach lostrotten, die besten Zeiten sind die des Übergangs. Von Schwarz zu Blau und wieder rückwärts, da heißt es, genau zu beobachten. Morgens ist man allerdings zu beschäftigt, eilt zum Büro, da ist keine Muße zum Genießen. Also abends. Sonnenuntergang ist in diesen Tagen kurz vor 19 Uhr. Losgehen sollte man schon 30 bis 60 Minuten vorher, damit jede Minute der vor sich hinarbeitenden Dämmerung gesehen und gespürt werden kann. Plötzlich walkt man dann im Dunkeln. Angekommen. Finsternis bestimmt das Leben jetzt für lange Zeit. Wer sich das bewusst macht, hat schon viel verarbeitet.

Gemächlichkeit und Rituale beruhigen, das ist im Idealfall das Gefühl von Herbst und Winter. Was gibt es noch dergleichen zu tun? Einmal wöchentlich einen Film sehen. Am besten im Kino, wo man hinlaufen kann. Sich das vornehmen, nicht spontan entscheiden. Die daraus sprießende Vorfreude hält tagelang den inneren Frieden im Gleichgewicht.

Die Renaissance beruhigt in der Gemäldegalerie

Während im Sommer der Ausflug ins Grüne das Wochenendgeschehen bestimmt, stehen nun Ausstellungsbesuche an. Manch einen beruhigt der Expressionismus, mich eher die Renaissance.

Bildhauer Donatello (um 1386–1466) empfängt in der Gemäldegalerie, ein Augenschmaus sind die vielen verschiedenen Varianten von Maria mit ihrem Kinde. Mein Favorit ist ein keckes Jesuskind, selbstbewusst hat es den Arm in die Taille gestemmt. So sah ich es noch nie. Und die Haltung ist so wahr.