Berlin - Im Zentrum des neuen Wohnviertels am Kurt-Schumacher-Damm soll ein neuer Stadtpark angelegt werden, er hat die Größe von vielleicht acht, neun Fußballfeldern. Ringsherum stehen vier- bis fünfgeschossige Wohnhäuser. In den Erdgeschossen gibt es Läden und Gewerbeflächen, dort ziehen aber nicht nur Banken und Restaurants, sondern vielleicht auch Handwerker wie Schuster, Friseur und Bäcker ein.

Entstehen soll das Schumacher Quartier ab dem Jahr 2019 auf dem östlichen Teil des heutigen Flughafens Tegel, der dann geschlossen sein wird – ein lebendiges und attraktives Wohnviertel soll es sein mit vielen Freizeitmöglichkeiten für mehr als 10.000 Bewohner.

Rasantes Wachstum

Für das Wohngebiet, das hin zum Kurt-Schumacher-Platz mit Bürohäusern ergänzt wird, wurde erst vor wenigen Tagen der Wettbewerb entschieden. Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) sieht in dem Konzept ein Leitbild, vielleicht eine Art Blaupause, wie sich Berlin in den nächsten 15 Jahren entwickeln könnte. Denn die Stadt wächst stärker als angenommen – bis zum Jahr 2030 um etwa 220.000 Einwohner, zusätzlich wird mit mehr als 100.000 Geflüchteten gerechnet, die in der Stadt leben werden.

Geisel hat daher seine Berlin-Strategie aktualisiert und will sie unter dem Titel „Arbeiten und Wohnen in einer offenen Stadtgesellschaft“ am Montagabend im Stadtforum vorstellen. Der Kern: Die Innenstadt wird weiter verdichtet, am Stadtrand entstehen ähnlich wie in Tegel zwölf neue Wohngebiete mit jeweils bis zu 5000 Wohnungen.

Zudem werden auch bestehende Industrie- und Gewerbeflächen gesichert, damit in Berlin auch künftig gearbeitet werden kann. „In Berlin wollen wir die soziale Mischung erhalten“, sagt der Senator. Daher müssten auch in der Innenstadt neue Sozialwohnungen errichtet werden. „Das macht den Unterschied zu Paris und London.“

Zusätzliche Gewerbegebiete geplant

Diese Aufgabe werden in den Innenstadt- sowie in den zwölf Neubauvierteln insbesondere die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften übernehmen. Doch auch am Stadtrand ist es nötig, dicht zu bauen, denn die derzeit vorhandenen Grün- und Freiflächen sollen dem erforderlichen Wohnungsbau nicht geopfert werden, ebenso wenig die Gewerbegebiete.

„Pro Jahr benötigen wir 20 bis 25 Hektar neue Gewerbeflächen. Wenn wir das jetzige Tempo beibehalten, sind die Flächen 2025 erschöpft“, sagt Geisel. Daher sollen jetzt auch zusätzliche Gewerbegebiete entwickelt werden. Beispiele dafür gibt es schon: In Adlershof ist dafür eine Fläche auf einem alten Bahnareal geplant. In Marzahn besteht mit dem Cleantech Business Park ein neues Industrieareal. Und in Tegel, wo der Terminalbereich zu einem Forschungs- und Industriepark für Zukunftstechnologien ausgebaut wird und sich auch die Beuth-Hochschule ansiedelt, will Geisel eine Verbindung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft herstellen.

Die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) beobachtet aufmerksam, welche Strategie das Land entwickelt. „In Berlin fehlt ein Gesamtkonzept für die Industriestandorte von morgen. Wir benötigen Transparenz und einen Überblick darüber, welche Flächen tatsächlich für eine industrielle und gewerbliche Entwicklung zur Verfügung stehen“, sagt die stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführerin Melanie Bähr. Sie fordert: „Bei der Planung neuer Stadtquartiere sollte verstärkt auf die für Berlin typische Mischung von Wohnen, Arbeiten und Leben geachtet werden.“