Blick auf die Tauentzienstrasse.
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BerlinWarum nicht? Nach der Friedrichstraße in Mitte soll mit der Tauentzienstraße eine weitere Berliner Einkaufsmeile autofrei werden – zunächst für einen Tag. Am zweiten Oktober-Sonnabend soll nach Plänen eines Bürgerbündnisses ein Teil der wichtigsten Einkaufsstraße in der City West nur noch für BVG-Linienbusse befahrbar sein. Alle anderen Kraftfahrzeuge werden umgeleitet.

Eine solche Sperrung der Straße für den motorisierten Individualverkehr ist zunächst mal eine Chance: Eine Chance, um vor Augen zu führen, welche Qualitäten die City zu bieten hat, wenn die öffentlichen Flächen neu verteilt werden. Nur wenn sich Einkaufsstraßen mit dieser Frage beschäftigen, werden sie auf Dauer attraktiv bleiben und der Abwanderung der Kunden ins Online-Geschäft etwas entgegensetzen können. Sich mit Plänen zur Neuverteilung des öffentlichen Straßenlandes auseinanderzusetzen, ist für die Geschäftsleute also existenziell. Sie müssen dabei bereit zum Umdenken sein. Denn neue Lösungen bedeuten Veränderung.

Ein autofreier Tauentzien heißt, dass sich die Anfahrtswege zu Geschäften und Kaufhäusern ändern. Zugleich erhöht sich die Flanier-Qualität, weil manche PS-Protzer ferngehalten werden. Der Tauentzien eignet sich für eine Sperrung besonders gut, weil er mit der Lietzenburger Straße im Süden und der Kurfürstenstraße im Norden über Parallelstraßen verfügt, die für die Zufahrt von Autos  weiter zur Verfügung stehen. Soll aus der einmaligen Aktion mehr werden, ist es allerdings notwendig, die Geschäftsleute und deren Interessenvertretung, die AG City, einzubinden. Ein tragfähiges Mobilitätskonzept für die Zukunft muss Lösungen anbieten, die das Leben, Arbeiten, Einkaufen und Wohnen in der City gleichermaßen berücksichtigt.