Die historische Kirche ist zur Wiedereröffnung gut gefüllt. 
Foto: CamCop Media/Andreas Klug

BerlinIn einer langen Warteschlange stehen die Besucher vor der Friedrichswerderschen Kirche in Mitte. Sie wollen das Eröffnungswochenende nutzen, um nach fast acht Jahren Sanierung   den Sakralbau des preußischen Architekten Karl Friedrich Schinkel zu besichtigen. Die Schäden, die durch den Bau der benachbarten Wohnhäuser an dem neogotischen Gotteshaus entstanden waren, wurden während der Schließungszeit behoben. Nun   steht die im Oktober 2012 gesperrte Kirche am Werderschen Markt wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung.

5000 Neugierige am ersten Tag

Hinter der engen Eingangspforte nehmen zwei Mitarbeiterinnen der Staatlichen Museen die Besucher in Empfang. Geduldig beantworten sie alle Fragen. 5000 Neugierige hätten allein am Sonnabend die Friedrichswerdersche Kirche besichtigt, sagen die Frauen. Am Sonntag seien es bis 11 Uhr etwa 1000 gewesen.

Eine ist Karin Bitter aus Pankow. Die 78-Jährige kennt die Kirche seit ihrer Kindheit und sagt mit Blick auf das sanierte Kirchenschiff: „Gott sei Dank, alles ist wieder hergestellt.“ Die Risse in den Wänden sind verschwunden. Nur auf der Galerie sieht man noch verputzte Stellen.

Verursacht hatte die Schäden das Luxus-Bauprojekt „Kronprinzengärten“ der Berliner Bauwert-Gruppe. Die Fassade des neu errichteten Wohnquartiers ist nur wenige Meter von der Seitenwand des historischen Sakralbaus entfernt. Bauwert musste für die Behebung der angerichteten Schäden an der Kirche aufkommen und etwa 15 Millionen Euro zahlen.

Jahrelang war die Berliner Kirche geschlossen.
Foto: dpa

Dass es überhaupt zu den Schäden kommen konnte, ist auch acht Jahre später bei der Wiedereröffnung der Kirche noch ein Streitthema für die Besucher. „Man hätte bei den Bauarbeiten doch Absprachen treffen und daran denken müssen, dass ein schützenswertes Bauwerk in unmittelbarere Nähe steht“, sagt Hans Burkhardt, 79, aus Friedenau. Viele Besucher fragen sich, wie einem Bauherren angesichts des heutigen architektonischen Wissens und der heutigen technischen Hilfsmittel ein solcher Fehler unterlaufen könne.

Bei den Staatlichen Museen, die die Friedrichswerdersche Kirche als Ausstellungsfläche nutzen, will man lieber nicht zurückschauen, sondern blickt in die Zukunft. Ab September soll in das Bauwerk wieder eine Skulpturen-Ausstellung einziehen – wie vor der Schließung. Gezeigt werden Werke von der Schinkel-Zeit bis zum Kaiserreich, etwa   von Johann Gottfried Schadow und Friedrich Tieck. Bis dahin finden jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat Führungen in der Kirche statt.