Tiergarten - Mehr als 30 Verfahren wurden gegen ihn eingestellt. Am Dienstag wurde das mutmaßliche Oberhaupt einer kriminellen Großfamilie nun erstmals verurteilt, wegen Bedrohung und Körperverletzung – und anschließend wegen zwei anderen Vorwürfen verhaftet.

Das Gericht verhängte gegen Arafat A. eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden. Er hatte den Hausmeister einer Physiotherapiepraxis angegriffen. Nach Hause durfte der 42-Jährige anschließend dennoch nicht. Nach der Urteilsverkündung vollstreckte der Richter überraschend einen Haftbefehl. Laut Staatsanwaltschaft soll er geplant haben, die Kinder und Frau von Rapper Bushido zu entführen.

Überraschende Wendung 

Saal 101 im Kriminalgericht Moabit: Arafat A. hatte seine erste Verurteilung noch nicht verdaut, da folgte die große Überraschung. Als der Richter die Akten zum Angriff auf den Hausmeister schloss, zog er anschließend einen roten Haftzettel hervor.

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Prozessbeobachter den Saal bereits verlassen. Viele hatten erwartet, dass der mutmaßliche Clan-Chef nach der Urteilsverkündung durch die Vordertür herausspazieren würde. Tatsächlich traten jedoch nur seine beiden Anwälte mit langen Gesichtern in den Gerichtsflur.

Haftgründe: Flucht- und Verdunklungsgefahr

Ihr Mandant war zu diesem Zeitpunkt durch einen zweiten Ausgang über einen unterirdischen Tunnel direkt in die Untersuchungshaftanstalt gebracht worden. Arafat A. sei „dringend verdächtig der Verabredung zu einem Verbrechen zum Nachteil von Familienangehörigen seines ehemaligen Geschäftspartners Bushido“, sagte Staatsanwaltssprecher Martin Steltner.

Als Haftgründe nannte er Flucht- und Verdunklungsgefahr. Dabei gehe es konkret um Entziehung Minderjähriger, schwere Körperverletzung, räuberische Erpressung und erpresserischen Menschenraubs. Die aus Sicht der Ermittler verabredete Tat gegen die Kinder und die Ehefrau von Bushido habe jedoch nicht stattgefunden.

Eine weitere Tat dagegen schon: Im zweiten Ermittlungskomplex geht es nach Angaben der Staatsanwaltschaft um den Verdacht auf Anstiftung zur Entführung Minderjähriger, versuchter Nötigung und Beleidigung. Arafat A. soll in eine Kindesentziehung im Zusammenhang mit seinem Bruder Yasser verwickelt sein.

Hintergrund sei ein Streit zwischen Yasser und seiner Frau. Diese hatte sich mit den Kindern nach Dänemark abgesetzt. Von dort aus sollen Yassers Kinder mit Hilfe eines weiteren Bruders nach Deutschland entführt worden sein.

Der Streit zwischen Bushido und Arafat A.

Arafat A. wird zudem vorgeworfen, Clan-Mitglieder gesucht zu haben, die Bushidos Kinder und Frau entführen. Hintergrund sei das Zerwürfnis der beiden früheren Geschäftspartner. Bushido hatte sich im März 2018 von dem Clan losgelöst und bei einer anderen arabischstämmigen Großfamilie Schutz gesucht. 

Bushido hatte Arafat A. einst eine Generalvollmacht über seine Geschäfte erteilt. Angeblich seien 50 Prozent aller Einnahmen direkt in die Tasche des Clan-Oberhaupts gewandert.

„Er hat uns lange genug abkassiert und beinahe unsere Ehe zerstört“, sagte Bushidos Frau Anna-Maria Ferchichi in einem Interview mit dem Magazin Stern. Der Musiker und seine Frau hätten Angst gehabt, dass Arafat A. sich rächen könnte.

Darum ging es im Prozess

Im November des vergangenen Jahres hatte ein Großaufgebot der Polizei das ehemalige gemeinsame Anwesen des Rappers und des Clan-Chefs in Kleinmachnow durchsucht. Es ging um einen möglichen Verstoß gegen das Waffengesetz. Bushidos Frau hatte zuvor ausgesagt, dass Arafat A. im Besitz scharfer Waffen sei. Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es zudem den Verdacht der Verabredung zu einem Verbrechen.

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Die Staatsanwaltschaft hatte bis Dienstag gewartet, um dem 42-Jährigen am Rande eines Verfahrens wegen Körperverletzung und Bedrohung den Haftbefehl zu verkünden. Dieser ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung wird vermutlich Berufung einlegen. Weder zu der Verurteilung noch zu den aktuellen Vorwürfen wollten die Anwälte eine Stellungnahme abgeben.

In dem Prozess vor dem Amtsgericht ging es um einen Streit im Treppenhaus einer Physiotherapiepraxis. Arafat A. soll dort einem Hausmeister mit den Fingern in die Augen gestochen und ihm einen Nasenbeinbruch zugefügt haben. Das Urteil des Richters ging noch über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus.