Die Kippa ist im Berliner Stadtbild ein selten gesehenes Accessoire. Sie ist eine vornehmlich in Ausübung der Religion gebräuchliche Kopfbedeckung (hebräisch: Kippa) männlicher Juden. Sie signalisiert Gottesfurcht und Bescheidenheit vor Gott. Sie ist beim Gebet auf dem Hinterkopf zu tragen, in der Synagoge, bei der Hochzeit, auf dem Friedhof. Zur Not erfüllen ein Hut oder selbst ein Taschentuch denselben Zweck.

Orthodoxe tragen die Kippa immer, im Zweifel auch unter einer Mütze oder einem Hut. Sie bekennen damit ihre Ehrfurcht vor einem „höheren Wesen“. Schon kleine Jungs werden vielfach daran gewöhnt. Das Tragen ist jedoch keine religiöse Pflicht.

Kippot, so die Mehrzahl, sind runde Mützen aus Stoff oder Leder, oft werden sie mit einer Klammer an den Haaren befestigt. Anhänger bestimmter Glaubensrichtungen tragen meist schwarze Kippot, andere tragen bunte und verzierte Kappen. Es gibt sogar welche mit dem Wappen des Londoner Fußballclubs FC Arsenal. Während hoher Feiertage sind weiße Exemplare beliebt.

Der Test eines Israelis in Prenzlauer Berg

Eine Kippa trug am vergangenen Dienstag Adam A., ein arabisch-stämmiger Israeli, bei einem Spaziergang in Prenzlauer Berg. Er wollte testen, wie tolerant Berlin wirklich ist. Das ist eine wichtige Frage für ihn, denn Adam A. ist homosexuell. Er will mit seinem Partner seinen Lebensmittelpunkt nach Berlin verlegen. Hier, so glaubt(e) er, könne jeder nach seiner Façon glücklich werden.

Das Ergebnis des Toleranztests ging um die Welt: Adam A. wurde am Helmholtzplatz von einem jungen Mann angehalten, der ihn anhand der Kippa (wenn auch fälschlicherweise) als Juden identifizierte. Er beschimpfte und schlug ihn mit dem Gürtel. Adam A. filmte den Überfall mit seinem Handy.

Mittlerweile weiß man, dass Knaan S., der Mann mit dem Gürtel, aus Syrien nach Deutschland eingereist ist und wahrscheinlich aus einem palästinensischen Flüchtlingslager in der syrischen Stadt Hama stammt.

Wenn Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, für diesen Mittwoch Berlinerinnen und Berliner egal welcher Herkunft und Religion und auch diejenigen ohne Glaubensbekenntnis dazu aufruft, die Kippa zu tragen, geht es um etwas anderes als Gottesfurcht und Bescheidenheit vor Gott. Bei der Aktion „Berlin trägt Kippa“ am Mittwoch um 18 Uhr vor dem Jüdischen Gemeindehaus in der Fasanenstraße geht es um Solidarität mit einer Minderheit, die noch vor 75 Jahren in diesem Land millionenfach ermordet wurde. Es geht um eine Haltung um unserer Selbst willen: Wie wollen wir leben?