Der Bürgerverein Rahnsdorf kämpft um die Rückkehr dieser Gedenktafel, die an den Brotaufstand in dem Ortsteil vor 75 Jahren erinnert.
Foto: Berliner Gedenktafel

BerlinSeit Jahren kämpft ein Bürgerverein mit dem Bezirk Treptow-Köpenick um eine Gedenktafel, die im Ortsteil Rahnsdorf angebracht werden soll. Sie soll an den fast vergessenen Brotaufstand vor 75 Jahren erinnern, bei dem die Nazis noch in den letzten Kriegstagen einen Tischler hinrichten ließen.

Reinhard Heubeck ist der letzte lebende Zeuge der Ereignisse von damals. Er war zehn Jahre alt, als am 6. April 1945 bis zu 200 Rahnsdorfer in der Bäckerei Deter auf die Barrikaden gingen. Der Grund: Es sollte nur noch Brot für Mitglieder von Nazi-Organisationen geben. „Der Bäcker holte NSDAP-Ortsgruppenführer Gathemann zur Hilfe. Ich werde nie vergessen, wie er auf dem Ladentisch sprang, mit der Pistole auf die Menge zielte“, sagt der 85-Jährige der Berliner Zeitung.

Er erinnert sich auch noch an den Tischler Max Hilliges, der Gathemann mutig entgegen trat. „Er sagte ihm, seine Zeit ist vorbei. Die Rote Armee war nicht mehr weit entfernt“, so Heubeck, der damals mit einem Brot aus dem Laden entwischen konnte.

Der NSDAP-Mann ließ Hilliges und eine Frau sofort verhaften. Ein Standgericht verurteilte sie zum Tode. Der Tischler wurde 45 Minuten nach Mitternacht in Plötzensee enthauptet. Die Frau kam ins Gefängnis.

Das alles geschah im Haus Fürstenwalder Allee 27. Statt der Bäckerei ist heute dort ein Friseur. An der Fassade hängen Reklameschilder für Ferienwohnungen oder Boote. Einst befand sich dort auch eine Platte aus Porzellan, die an den Brotaufstand erinnerte. „1998 wurde sie im Rahmen des Berliner Gedenktafelprogramms angebracht“, sagt Gion Voges, der Chef des Vereins Bürger für Rahnsdorf.

Doch 2016 verschwand die Tafel, als das Haus den Eigentümer wechselte. „Bei der Haussanierung wurde sie entfernt. Wir retteten die Platte vor dem Schrottplatz und übergaben sie der Historischen Kommission, die beim Senat für Gedenktafeln zuständig ist“, sagt Voges.

Seit vier Jahren ist die Tafel schon dort. Solange kämpft auch der Verein, dass sie wieder an das Haus zurückkehrt. „Der Eigentümer will sie offenbar nicht anbringen. Wir baten den Bezirk um Hilfe, der sich laut BVV-Beschluss von 2019 für die Wiederanbringung einsetzen soll“, sagt Voges. „Doch nichts geschah.“

Der Bürgerverein will mit der Tafel verhindern, dass der Brotaufstand vergessen wird. Die Erinnerung daran ist wichtig – so sieht es auch die Behörde von Kultursenator Klaus Lederer (Linke). „Rechtlich kann man Hauseigentümer nicht zum Anbringen von Gedenktafeln zwingen. Aber es ist denkbar, dass sie auf der Straße vor dem Haus gezeigt werden könnte“, sagt Sprecher Daniel Bartsch. Bezirksbaustadtrat Rainer Hölmer (SPD) nennt das allerdings schwierig. Man müsse „öffentliches Straßenland für die Allgemeinheit barrierefrei halten.“ Aber auch der Bezirk will sich nun für die Tafel einsetzten. Er hat jetzt beim Verein Unterlagen angefordert.