Wie bei der IGA in Marzahn: Nun soll eine Seilbahn zum Müggelturm schweben.
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Berlin-Treptow-KöpenickMit einer Seilbahn zum 29 Meter hohen Müggelturm schweben – die Idee klingt utopisch. Doch die SPD in Treptow-Köpenick hält das Vorhaben durchaus für machbar, und schrieb daher den Bau einer Seilbahn, der vor allem Touristen zu dem beliebten Ausflugsziel der Berliner bringen soll, in ihr Verkehrskonzept.

Das Papier, das laut „Berliner Woche“ auch Brückensanierungen, den Ausbau von Verkehrswegen und die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs in Treptow-Köpenick beinhaltet, wurde vor wenigen Tagen von den SPD-Kreisdelegierten beschlossen. Es soll als Richtlinie und Ergänzung der Koalitionsvereinbarung mit der Linkspartei in dem Bezirk dienen.

Von Bammelecke nach „Rübezahl“

Der Seilbahn-Plan der Genossen sieht in dem Verkehrskonzept wie folgt aus: Es soll eine Strecke gebaut werden, die von der Badestelle Bammelecke an der Sportpromenade über den Langen See (Dahme) zum Müggelturm hinaufführt. Von dort geht es wieder abwärts zur Ausflugsgaststätte Rübezahl, die als Endpunkt der Seilbahn-Strecke vorgesehen ist. Die Gondeln sollen so ausgelegt sein, dass Fahrgäste auch Fahrräder mitnehmen können.

„Mit der Seilbahn wollen wir vor allem den Tourismus im Bezirk stärken. Sie kann einen enormen Schub geben“, sagte Lars Düsterhöft, der für die SPD Treptow-Köpenick im Abgeordnetenhaus sitzt, der Berliner Zeitung. „Wir haben es bei der Seilbahn auf dem Gelände der Internationalen Gartenschau in Marzahn gesehen, die dort noch immer ein Publikumsmagnet ist.“

Touristische Attraktivität soll gesteigert werden

Bisher profitierte Treptow- Köpenick zu wenig von dem Touristen-Boom in Berlin. Allein 2018 hatte der Bezirk laut Statistischem Landesamt nur 327.712 Gäste. Zum Vergleich: Im selben Jahr verzeichnete der Nachbarbezirk Friedrichshain-Kreuzberg insgesamt 1,6 Millionen Touristen, nach Mitte kamen über 5,7 Millionen Besucher aus aller Welt.

„Eine Seilbahn zum Müggelturm kann daher tatsächlich ein Zugpferd sein, um mehr Besucher nach Treptow-Köpenick zu holen“, sagt Mathis Richter, Geschäftsführer des Tourismusvereins Köpenick. „Ich halte jede Idee für begrüßenswert, die die touristische Attraktivität unseres Bezirkes steigert. Nun muss die Politik entscheiden, dass die Seilbahn auch tatsächlich kommt.“

Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) ist jedenfalls gewillt, hält die Seilbahn für sinnvoll. „Man könnte sogar darüber reden, auch den Spreepark, das Funkhaus Nalepastraße und Ostkreuz an der Strecke mit anzubinden“, sagt er dieser Zeitung.

Plan muss auf Landesebene geprüft werden

Auch Müggelturm-Eigntümer Matthias Große kommentiert den Plan positiv. „Er ist futuristisch und perfekt“, sagte er. Der Lebensgefährte von Eislauf-Star Claudia Pechstein sorgte selbst vor fast genau einem Jahr mit dem Plan für Furore, einen zweiten Müggelturm zu bauen. Da dieser bisher noch immer nicht dem Bezirksamt zur Begutachtung vorgelegt wurde, gibt es auch noch keine Genehmigung dafür.

Damit aber die Seilbahn zum Müggelturm nun richtig in Fahrt kommt, muss laut dem SPD-Abgeordneten Düsterhöft die Bezirksverordnetenversammlung aktiv werden. „Ein Beschluss ist erforderlich, der das Bezirksamt beauftragt, den Plan auf Landesebene prüfen zu lassen“, sagt er. Notwendig sei eine Machbarkeitsstudie über die Umsetzung des Projektes, die aus Expertensicht Auskunft darüber geben soll, wie teuer der Seilbahn-Bau wird und wie realistisch die geplante Streckenführung ist.

„Daher ist es schwer zu sagen, wann man mit dem Bau der Seilbahn beginnen kann“, sagt Düsterhöft. Der SPD-Politiker gibt zu, dass sie Idee mit der Seilbahn zum Müggelturm nicht ganz so neu ist. „Auch wenn die Pläne dafür aus verschiedenen Gründen in der Vergangenheit scheiterten, ist der Plan dennoch umsetzbar. Daher stellt die Bezirks-SPD nun auch erneut die Forderung, diese Strecke zu bauen“, sagt er.

Seit 1998 gibt es Pläne

Schon 1998 wollte der damalige Müggelturm-Betreiber Wolfgang Gerber neben einem Hotel auch eine Seilbahn errichten, die vom Strandbad Grünau zum Köpenicker Wahrzeichen führen sollte. Anfangs gab es Unterstützung vom Bezirk. Doch Gerber ließ das Projekt später fallen, da er schon keine Investoren für den geplanten Hotel-Bau fand.

Die Seilbahn zum Müggelturm brachte 2005 der damalige Bezirksbürgermeister Klaus Ulbricht (SPD) erneut ins Spiel. Er kündigte an, dass ein Investor aus Österreich sie von der Bammelecke bis zum Ausflugslokal „Rübezahl“ bauen wolle. Es gab auch bereits ein Unternehmen, das das Vorhaben umsetzen sollte: die österreichische Firma Doppelmayr, Weltmarktführer im Bau von Seilbahnen. Der Baubeginn war für 2007 vorgesehen. Der Plan scheiterte. Es fand sich damals kein Investor, der auch den einst maroden Müggelturm sanieren wollte.