Zwei Jahre nach dem Umzug von der Schönhauser Allee an den Flutgraben geht dem White Trash die Puste aus: die Macher der Kult-Location haben Insolvenz angemeldet. "Als Geschäftsführer musste ich diese Entscheidung treffen", sagt Walter Potts der Berliner Zeitung. "Alles andere wäre unseren Mitarbeitern gegenüber unverantwortlich gewesen." Es seien so viele Rechnungen aufgelaufen, dass der Lohn der etwa 70 Kräfte nur schwer hätte gezahlt werden können.

Der Schritt in die Insolvenz kommt überraschend, ist das White Trash - eine alteingesessene Konzertlocation mit Restaurant und Biergarten - doch meist gut besucht. An den Wochenende bekommen Gäste ohne Reservierung nur schwerlich einen Tisch. Auch die Liste der Bands und Künstler, die auf der Konzertbühne auftreten, ist lang und umfasst große Namen. Erst kürzlich war Pete Doherty da.

"Keine brauchbare Infrastruktur"

"Eigentlich fängt auch alles gerade an, wirklich gut zu laufen", sagt Potts. "Es sind die vielen Bauverzögerungen, die uns ausgeblutet haben." Seitdem die Kult-Stätte im Frühjahr 2014 ihren Sitz aus der Schönhauser Allee nach Treptow verlegte, hätten sich etliche  Bauschritte verzögert und verteuert. 14 Jahre lang residierte das White Trash zuvor an verschiedenen Orten in Prenzlauer Berg und Mitte.

"Die Mieterhöhung für das alte White Trash kam damals sehr plötzlich, wir waren nicht gut auf den Umzug vorbereitet", so Potts. "In der neuen Location gab es keine Infrastruktur, nur Toilettenschuppen, keine brauchbare Küche und Bühne." Im Februar 2016 wurden die Renovierungen fertig - zu spät für das Budget des White Trash.

Geschäftsführer hofft auf Zukunft

"Doch der Insolvenzantrag bedeutet nicht das Ende", sagt Potts. Er hofft, dass alle Gläubiger - darunter Banken, Lieferanten und der Hauseigentümer - vorerst auf Teile ihrer Forderungen verzichten. "Wir brauchen ein paar Monate, um auf die Füße zu kommen. Die Firma soll neu starten." Vorerst läuft der Betrieb mit Insolvenzgeld weiter. Kommen White Trash und Gläubiger zusammen, wird eine Auffanggesellschaft gegründet.

Potts gibt sich kämpferisch. "Ich glaube an den neuen Standort. Wir haben einen tollen Biergarten und sind eine fette Rock'n'Roll-Insel inmitten von anderen Clubs. Es darf nicht schief gehen!"