Berlin - Die Vorwürfe wiegen schwer. Wegen angeblich erheblicher Mängel bei einem Bauprojekt für studentisches Wohnen und Betrugsverdachts hat die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge den Vertrag mit dem privaten Projektentwickler gekündigt – und zugleich ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet. Das teilte die Howoge am Montag in einer Pressemitteilung mit.

Bei dem Vorhaben handelt es sich um das Projekt EBA Berlin an der Eichbuschallee in Treptow. Dort sollen 369 vollmöblierte Apartments entstehen. 109 Wohneinheiten davon, aus teils echten Schiffscontainern, waren bei Ankauf des Projektes 2016 bereits fertiggestellt. Sie sind laut Howoge vermietet. Mit dem Ankauf verbunden war laut Howoge zudem ein Development-Vertrag mit einem vom Voreigentümer beauftragten Projektentwickler. Danach sollten 280 Module für 260 weitere Apartments entstehen. Der Baustart sei im Dezember 2016 erfolgt. Im Januar 2017 sei die Howoge Eigentümer der bestehenden Wohnmodule geworden.

Howoge wurden Insiderinformationen über „erhebliche verdeckte Baumängel“ zugetragen

Nach zunächst reibungslosem Bauverlauf seien bis April 2018 alle 280 in einer Fabrik gefertigten Module aufgestellt und vormontiert worden, so die Howoge. Sie seien technisch voll ausgerüstet und möbliert gewesen. Der Fertigstellungstermin sei vom Projektentwickler seitdem aber mehrfach verschoben worden. Er habe dies mit erheblichen Sanierungsarbeiten in Folge eines Wasserschadens durch ein Starkregenereignis begründet. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Howoge nach ihren Angaben bereits einen Großteil des Kaufpreises bezahlt. Die fälligen Raten seien nach „quantitativem Baufortschritt“ gezahlt worden, den ein beidseitig beauftragter Baucontroller festgestellt habe.

Der Projektentwickler habe zunächst glaubhaft versichert, dass er sowohl technisch als auch finanziell in der Lage sei, den Schaden an den Modulen zu beheben und das Projekt – wenn auch verspätet – fertigzustellen, so die Howoge.

Zweifel an der Glaubwürdigkeit und der Finanzkraft des Vertragspartners seien im Frühsommer 2019 durch Informationen über ein eingeleitetes Gläubigerschutz- und Vergleichsverfahren gegen den Generalübernehmer, ein mit dem Vertragspartner verbundenes Unternehmen, genährt worden. Wenig später seien der Howoge Insiderinformationen über „erhebliche verdeckte Baumängel“ zugetragen worden, so dass die Howoge „von nun an davon ausgehen musste, vorsätzlich über Bauqualität und -ausführung getäuscht worden zu sein“. Anfang September habe die Howoge deswegen den Vertrag mit dem Projektentwickler gekündigt und am vergangenen Freitag einen Strafrechtler mit der Einleitung eines Strafverfahrens wegen Betrugs beauftragt.

Howoge will nun europaweite Ausschreibung für den Wiederaufbau der Module starten

Zur internen Aufarbeitung habe die Geschäftsführung eine Sonderprüfung gestartet, heißt es in der Mitteilung. Im Auftrag des Aufsichtsrates werde zudem eine umfassende externe Prüfung durch eine auf Immobilienwirtschaft und Jura spezialisierte Gesellschaft durchgeführt.

Für zukünftige Ankäufe dieser Art würden verschärfte Qualitätssicherungsklauseln in die Verträge eingezogen, so die Howoge. In laufenden Vertragsverhandlungen sollen diese Klauseln noch einbezogen werden. Angaben zum Projektentwickler machte die Howoge nicht.

Die Howoge erklärte, sie halte an dem Projekt fest und werde schnellstmöglich eine europaweite Ausschreibung für den Rückbau der mängelbehafteten Bauteile und den Wiederaufbau der Module starten. Ziel sei, das Projekt 2021 fertig zu stellen. Der voraussichtliche Verlust belaufe sich auf rund zehn Millionen Euro. Dieser werde die Wirtschaftlichkeit der Howoge aber nicht maßgeblich beeinträchtigen.