Berlin - Im 40. Jahr der DDR hätten die Jugendbrigaden in Hellersdorf viel vor, ließ Günther Bohn, Sekretär des FDJ-Zentralrates am 1. Februar 1989 die Leser der Berliner Zeitung wissen. Fast 30.000 Wohnungen waren im Jahr zuvor in Ostberlin gebaut, modernisiert und instand gesetzt worden, die Hälfte davon durch Jugendbrigaden. 1989 sollten es noch mehr werden – allein in Hellersdorf 12.000. Für so viele neue Bewohner musste natürlich auch ein Massentransportmittel her: Die U-Bahn-Linie E nach Hönow (heute U5) war unbedingt fertigzustellen.

Bauzeit von lediglich vier Jahren

Die Erweiterung der am Tierpark endenden Strecke wurde in den Jahren 1983/1984 im Zusammenhang mit den Plänen für das Neubaugebiet Hellersdorf projektiert. Die neue Strecke sollte 10,1 Kilometer lang sein und neun Stationen erhalten. Sie verlief fast komplett oberirdisch.

Die Bauarbeiten begannen am 1. März 1985. Der Abschnitt Tierpark–Elsterwerdaer Platz wurde am 1. Juli 1988 eröffnet. Vom 1. Juli 1989 an ging es dann vom Alex nach Hönow für 20 Pfennig in 37 Minuten. Für Politbüromitglied Günther Schabowski dürfte die feierliche Übergabe eine der letzten angenehmen Aktionen gewesen sein.

Die Ostberliner hatten gerade dieses Bauprojekt mit höchster Aufmerksamkeit verfolgt, und sie waren – zumindest damit – nicht unzufrieden. Von ersten Überlegungen bis zur Eröffnung hatte es keine zehn Jahre gedauert, und die Bauzeit von vier Jahren war auch nicht schlecht.

Straßenbahn zu kapazitätsschwach

Wie im Fall des Anschlusses des Berliner Zentrums an den neuen Großflughafen BER gab es auch seinerzeit mehrere Varianten: Eine schnelle Straßenbahn (wie sie auch für die Strecke Rudow-Schönefeld erwogen wurde) verwarf man als zu kapazitätsschwach – dasselbe Problem hätte heute eine Straßenbahn nach Schönefeld. Die Erwägung, die S-Bahn nach Hellersdorf zu erweitern, erwies sich seinerzeit als undurchführbar, weil die Kapazitäten der Stammbahn ohnehin an der Grenze waren.

So kam es damals zum Beschluss, die U-Bahn in den Nordosten zu verlängern – oberirdisch. Günstigerweise bestand die Möglichkeit, die stillgelegte Kaulsdorfer Bahntrasse zu nutzen. Auch die Strecke der U7 zum BER, für die erste Überlegungen 2003 angestellt wurden, wird entlang vorhandener Trassen gelegt, vor allem Straßen. Der Berliner Flächennutzungsplan hält die Trasse frei.

Verlängerung der U7?

Bis zu 50 Millionen Passagiere sollen in Schönefeld abgefertigt werden. Da Franziska Giffey, inzwischen Bundesministerin, als SPD-Bürgermeisterin von Neukölln Mitte Februar Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) bewegen konnte, ihren Widerstand gegen die U7-Verlängerung aufzugeben, könnte es nun vorangehen.

Stand der Planung: Lückenschluss zwischen U-Bahnhof Rudow und S-Bahnhof Schönefeld, dann Verlängerung bis zum BER-Terminal. Auf Giffeys Facebook-Seite scherzte ein Bürger: „Irgendwie habe ich die Befürchtung dass die gewünschte U-Bahn Verlängerung schneller in Betrieb sein wird wie der Flughafen selbst.“

Die zu DDR-Endzeiten errichteten U-Bahnhöfe zwischen Tierpark und Hönow könnten bald unter Denkmalschutz gestellt werden. Eine Sanierung ist nicht vor 2020 vorgesehen. Am Sinn der Linie, die den Nordosten erschloss, zweifelt kein Mensch.