Das Berlinische sei gar kein Dialekt, sagte jüngst ein Sprachforscher, sondern ein sogenannter Metrolekt, eine aus verschiedenen Einflüssen entstandene Stadtsprache. Und was am schlimmsten ist: Berlinisch sei eigentlich Sächsisch, nur niederdeutsch ausgesprochen. Oder, wie es 1927 die Forscherin Agathe Lasch schrieb: „Der Lautgestalt nach ist es die im 16. Jahrhundert aus dem Obersächsischen entlehnte Sprachform.“

„Ick gloob’ et hackt!“, ruft mein innerer Berliner. Wir sollen verkappte Sprachsachsen sein? Wozu haben wir noch zu meiner Jugendzeit die alte Rivalität zwischen Preußen und Sachsen gepflegt, haben uns als „Berliner Großfressen“ beschimpfen lassen und so schöne Verse gesungen wie: „Siehst du einen Sachsen liejen,/ blas ihn auf und lass ihn fliejen“?

Wir sagen „Ick könnt’ ma uffrejen“ – und nicht: „Da gönnt’schma uffräsch’n“. Obwohl, bei diesem „uff“ fängt’s eigentlich schon an. Wenn man ganz ehrlich ist, gibt es durchaus viele Ähnlichkeiten zwischen uns und den Sachsen. Ich sag das jetzt mal ganz laienhaft.

Grammatikalische Ähnlichkeiten

In beiden Dialekten wird bei bestimmten Begriffen aus dem „Ei“ das „E“, wenn auch nicht beim Ei selbst, sondern etwa bei „Beene“, „breet“ oder „heeß“. Aus dem „Ü“ wird ein „I“: „Fieße“, „sieß“, „Kieche“ (was man noch bei alten Berlinern hörte: „Du bist meene kleene Sieße“). Aus dem „Au“ wird ein „O“: „glooben“, „koofen“, „loofen“,, „ooch“.

Sogar grammatikalische Ähnlichkeiten scheint’s zu geben. „Wem seine Jacke is’n dis?“ – das könnten beide sagen, auch wenn der Sachse eher „wääm“ sag und der Berliner am Ende „dit“. Aber „dit“, „wat“ und „ick“ sind eben der plattdeutsche Anteil des Berlinischen.

Hübsche sächsische Sprüche, die ich mal von einem Freund hörte, könnte man sich auch in Berlin vorstellen: „Du hüppst wohl nich im Kreis?“ oder „Du zieht wohl Nebenluft?“ Allerdings kippen des Sachsens Laute mehr ins O, er spricht die Konsonanten weicher, also „g“ statt „k“ und „b“ statt „p“.

Oder genau umgekehrt. Er ist ein Konsonantenverwechsler, was zu Missverständnissen führen kann. Der Sachse: „Gommste zu Bardy mit Bekleidung?“ – Der Berliner: „Biste blöde? Soll ick vielleicht nackt komm’?“ – „Nee, ich meine, ob de een mitbringst.“ Mit solchen Sprachkaspern sollen wir wirklich verwandt sein? Nee, wa?