Ab Montag ist in Berlin in den Bussen und Bahnen der BVG und auch der S-Bahn das Tragen von Schutzmasken Pflicht.
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BerlinAb Montag herrscht in Berlin Maskenpflicht in Bus und Bahn. Dabei gilt alles, was Mund und Nase bedeckt, laut der Verordnung des Senats als Maske – also auch Schals oder Tücher. Die Entscheidung war im Senat umstritten. Wer Masken fordere, der müsse Masken bereitstellen können, sagten zum Beispiel die Grünen. 147.000 Masken will der Senat deswegen in den nächsten Tagen an die Bezirke geben, die wiederum sollen sie an Bedürftige abgeben. Anträge oder Prüfungen sollen dabei nicht nötig sein. 

Doch schon am Dienstag wird die Diskussion um die Maskenpflicht weitergehen: Dann entscheidet der Senat auf Initiative der SPD, ob es sie zusätzlich auch beim Einkaufen geben soll. Der SPD-Landesverband hatte sich am Freitag dafür ausgesprochen, laut der stellvertretenden Vorsitzenden Iris Spranger unterstützt den Vorschlag auch Landesvorsitzender und Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Am Sonntag sprach sich dann auch SPD-Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci für eine Ausweitung der Maskenpflicht auf den Einzelhandel aus. „Ich habe mir das sehr genau angeschaut und war wirklich erschrocken, dass nur ungefähr ein Fünftel der einkaufenden Menschen eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen haben“, sagte die Politikerin am Sonntagabend der Deutschen Presse-Agentur. Ähnlich wie im Öffentlichen Nahverkehr sei auch in den Geschäften der gesetzlich vorgeschriebene Mindestabstand von 1,5 Metern nur schwer einzuhalten. „Ich halte deshalb auch dort eine Verpflichtung für unumgänglich“, betonte sie.

Die 147.000 Schutzmasken für Bedürftige will der Senat in  dieser Woche in drei Schüben an die Bezirke verteilen, sagte Senatssprecherin Melanie Reinsch der Berliner Zeitung. Die erste Lieferung mit 50.000 Masken sei schon in Berlin und werde ab Montagfrüh an die Bezirke gegeben. Die zweite Lieferung von 52.000 Masken erfolge mittags. Jeder Bezirk solle dabei 4000 beziehungsweise 4400 Masken erhalten. Am Donnerstag dann erfolge die vorerst letzte Lieferung von etwa 45.000 Masken.

Es handele sich dabei nicht um medizinische Masken, so Reinsch, sondern um sogenannte Community-Masken, also textile Mund- und Nasenschutze. Sie seien nach den Vorgaben des Robert Koch-Instituts waschbar bei 60 bis 95 Grad. Die Verteilung obliege nun den Bezirken. Die seien Donnerstag im Rat der Bürgermeister informiert worden.

So manchen Gesundheitsstadtrat erreichte die Nachricht allerdings kurzfristig: Man habe Freitagnachmittag erfahren, dass der Senat Masken zum Verteilen ausgebe, teilte Ephraim Gothe (SPD), Stadtrat in Mitte, dem Bezirk mit den inzwischen höchsten Infizierten-Zahlen. Am Montag würden die Mundschutze zunächst an Besucher der drei Rathausstandorte verteilt. Sören Benn, Bezirksbürgermeister von Pankow, teilte mit, man bespreche am Montagmorgen im Krisenstab des Bezirks, wie, wo und an wen die Masken verteilt werden sollten.

Verabredet ist laut Senatskanzlei, dass die Ausgabe „unbürokratisch“ gehandhabt würde. Es solle keine Bedarfsprüfung oder Anträge geben. „Wer hinkommt und eine will, bekommt eine“, sagte Reinsch. Aber sie betonte auch: „Es gibt höchstens zwei pro Person. Und eigentlich sind sie für Bedürftige gedacht. Es gilt die Solidarität.“

Insgesamt ist Berlin mit Schutzmasken, besonders für das medizinische Personal, Polizei und Rettungskräfte schlecht ausgerüstet. Laut letztem Überblick der Senatsgesundheitsverwaltung vom 20. April fehlen gut zehn Millionen Mund-Nasen-Schutze, mehr als fünf Millionen der höherklassigen FFP2- oder FFP3-Schutzmasken sowie mehr als sieben Millionen Kittel für die nächsten drei Monate.

Fünf Millionen der einfachen OP-Masken seien in der vergangenen Woche in Berlin eingetroffen, sagte die Senatsgesundheitsverwaltung dem RBB. Logistiker des Technischen Hilfswerks und der Bundeswehr verteilten sie nun an Kliniken, Arztpraxen und Altenheime. „Es gelingt uns als Land Berlin mehr und mehr, auf dem internationalen Markt Schutzmaterial zu bekommen“, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD).  Laut RBB-Recherche reichen die fünf Millionen OP-Masken allerdings gerade einmal zwölf Tage, um den Bedarf der Gesundheitseinrichtungen zu decken. Und ohnehin werden dringend FFP2- und FFP3-Masken benötigt. Nur sie schützen den Träger vor Ansteckung.

In Berliner Kliniken wird Schutzkleidung zurzeit streng rationiert. Pflegekräfte und Ärzte werden angehalten, eine OP-Maske eine ganze Schicht lang zu tragen – normalerweise wechseln sie die Masken nach fast jedem Patientenkontakt.

Der Nachschub an medizinischen Masken ist auch bundesweit weiter ein Problem. Laut der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) berichten Pharmagroßhändler von leeren Lagern. „Auch wenn wir unsere Bestände aufgestockt haben, übersteigt die Nachfrage auch aktuell noch das Angebot“, zitierte die Zeitung den Großhändler Gehe. Das Unternehmen sei nur „teilweise lieferfähig“. Der Marktführer Phoenix erklärte, er sei demnächst bei Atemschutzmasken „weitestgehend ausverkauft“.

Der Apothekerverband bestätigt den Mangel, hat aber Hoffnung. Die Nachfrage sei wegen der ab Montag in allen 16 Bundesländern geltenden Maskenpflicht für den Nahverkehr in Teilen der Öffentlichkeit gestiegen, sagte eine Sprecherin. Die Zahl der Hersteller nehme aber zu, die Situation dürfte sich „perspektivisch weiter verbessern“.  Oft ist auch die Qualität der Masken minderwertig. Bis zum Freitag hatte die chinesische Regierung nach eigenen Angaben mehr als 89 Millionen mangelhafte Masken bei Inspektionen in Unternehmen beschlagnahmt. Das Bundesgesundheitsministerium hatte laut FAS bis Freitag rund 133 Millionen Masken verteilt oder eingelagert. (mit AFP, dpa)