Sobald auch nur ein Sonnenstrahl die Stadt trifft, zieht es uns Berlinerinnen und Berliner raus an die (nicht immer) frische Luft. Durch den Park laufen, im Café sitzen, ein Eis essen – oder einen Platz am Wasser suchen. Klar, die hauptstädtischen Frei- und Strandbäder gehen immer. Aber manchmal soll es doch was Besonderes sein, eine kleine Alltagsflucht, ein Mini-Urlaub in der eigenen Stadt.

Tatsächlich gibt es so viel in Berlin, dass die Auswahl schwerfällt. Wir versuchen es trotzdem. Wo Sie diese Oasen finden und was sie kosten, verrät die Berliner Zeitung hier und jetzt.

Kreuzberg/Alt-Treptow: Freischwimmer & Club der Visionäre

Zwei legendäre Wasser-Locations vis-à-vis, nur getrennt durch einen Nebenarm der Spree, den Flutgraben. Auf der Kreuzberger Seite, am Schlesischen Tor, befindet sich das Café und Restaurant Freischwimmer, wo man auf einer überdachten Holzterrasse direkt am Ufer sitzt. Die Speisekarte wartet unter anderem mit Austern (drei Euro pro Stück) und Fischgerichten, aber auch mit Bio-Rührei und Guacamole (elf Euro), Kalbscarpaccio (14 Euro) oder Ricotta-Tomatensalat (neun Euro) auf. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag ab 17 Uhr. Am Wochenende gibt’s ab 10 Uhr einen Brunch.

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Auf der Alt-Treptower Seite ist der Club der Visionäre, von Kennern nur CdV genannt, der täglich ab 14 Uhr den Nachmittag mit Minimal Techno versüßt; am Wochenende öffnet der Club bereits um 12 Uhr. Drinnen wie draußen viel Holz, nicht geschniegelt, sehr urig, ohne Schnickschnack, bei Touristen sehr beliebt. Das kann man uncool finden. Tatsache ist aber auch, dass man hier schnell mit anderen, ziemlich coolen Menschen ins Gespräch kommt. Je nach Line-up kostet der Eintritt zwischen drei und fünf Euro, selten auch mal acht Euro. Aber wie so häufig im Leben: Frühes Erscheinen sichert gute Plätze. Wer in den ersten drei Stunden nach Eröffnung kommt, muss meistens keinen Eintritt zahlen und kann so lange bleiben, wie er möchte.

Je nachdem, ob man lieber gediegen dinieren möchte oder mit einem Drink in der Hand die Füße baumeln lässt, geht man entweder in den Freischwimmer oder in den Club der Visionäre. Die Aussicht aufs Wasser ist in jedem Fall toll, vor allem abends, wenn die Sonne untergeht und das eine oder andere Schlauchboot anlegt. Versprochen: Egal, ob man im Westen oder im Osten Platz nimmt, das Leben fühlt sich hier am Kanal immer ein bisschen leichter an.

Spandau: Grill-Boot

Selber grillen oder Catering-Service nutzen? Beides ist möglich auf den runden Grill-Booten, auf die bis zu zehn Personen passen. Auch Kinder dürfen an Bord, allerdings nur mit Schwimmwesten. Diese bekommen Sie kostenlos vom Verleiher. Ein Bootsführerschein ist nicht nötig. Sie dürfen auch eigene Getränke mitbringen, der Fahrer oder die Fahrerin muss jedoch nüchtern bleiben.

Bei Fahrtantritt erwartet Sie ein vorgeheizter Grill sowie das nötige Grillbesteck, Geschirr, Servietten sowie Ketchup und Senf (Preis: 45 Euro). Die Bootspreise variieren je nach Leihdauer und Uhrzeit zwischen 35 und 60 Euro pro Stunde. Sie können auch ein Kaffee-Set für 45 Euro hinzubuchen. Die Verleihstation ist an der Pohleseestraße an der Spandauer Seebrücke. Eine vorherige Online-Reservierung ist erforderlich.

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Wer mutig ist, kann auch baden gehen. Auf eigene Gefahr versteht sich. Aber auch ohne den Sprung in die Havel ist eine Bootstour ein Erlebnis, nicht zuletzt wegen der vielen kleinen Inseln rundum: Eiswerder, Valentinswerder, Kleiner und Großer Wall.

Treptow: Vintage-Boote an der Insel der Jugend

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Treptower Park, Blick auf den Spreepark, das Riesenrad, die kühle Brise, im Hintergrund rattert die S-Bahn. Irgendwie fühlt man sich auf oder an der Insel der Jugend tatsächlich wieder ein bisschen wie früher. Und das liegt nicht nur an der hier so schön breiten Spree, sondern auch am vielleicht coolsten Kanuverleih Berlins: Die Macher von Kanuliebe bieten jede Menge Wasserfahrzeuge an, vor allem aber liebevoll restaurierte historische Boote (die zum Beispiel „Möwe“ oder „Pinguin“ heißen), teilweise handbemalt, aus den 1950ern bis 1970ern. Hier kommt man also auch stilistisch voll auf seine Kosten.

Ein Zweier-Tretboot kostet 27 Euro für zwei Stunden, ein Kajak 20 Euro, ein Dreier-Kanu 24 Euro. Schwimmwesten und anderes Equipment sind inkludiert. Man kann jederzeit spontan vorbeikommen – allerdings kann es sein, dass bei gutem Wetter, vor allem nachmittags und am Wochenende, alle Boote unterwegs sind. Wer mag, kann online reservieren, mindestens 24 Stunden im Voraus und für mindestens drei Stunden Leihdauer. Das empfiehlt sich vor allem für Gruppen oder Menschen, die eine bestimmte Tour planen und sichergehen wollen, dass das favorisierte Gefährt da ist.

Geöffnet ist täglich ab 12 Uhr, sonn- und feiertags ab 11 Uhr. Bis 20 Uhr muss man die Boote wieder abgegeben haben. Übrigens: Es gibt auch jede Menge geführte Touren und Team-Events, vom Stand-up-Padd­ling über die Tretboot-Safari bis zur Spree-Rallye.

Tiergarten: Paddeln auf dem Neuen See

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Mitten in der Stadt, mitten im Tiergarten kann man entweder im Café am Neuen See im Biergarten das hauptstädtische Park-Feeling genießen oder aber sich vor Ort ein Boot ausleihen und über den See paddeln. Das ist echt ziemlich romantisch! Reservieren kann man die Boote nicht, aber das CANS, wie Fans und Freunde das Café nennen, verspricht: Keiner muss lange warten. Geöffnet ist der Bootsverleih wochentags von 12 bis 21 Uhr, am Wochenende sowie an den Feiertagen von 10 bis 21 Uhr. Die Leihgebühr liegt bei zwölf Euro pro Stunde. Der Biergarten mit Blick auf See und Tiergarten hat bei schönem Wetter täglich zwischen 11 und 21 Uhr geöffnet.

Kreuzberg: Restaurantschiff „Van Loon“

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Direkt am Urbanhafen (Carl-Herz-Ufer) ankert die „Van Loon“, ein Restaurantschiff, das viele Außenplätze an Deck bietet – der herrliche Blick über den Landwehrkanal mit Schwänen lässt einen sofort entspannen. Es gibt für jeden Hunger was Leckeres: gratinierter Ziegenkäse mit Honig (5,90 Euro), Schwertfisch-Steak mit Fenchel, Spargel und Reis (21,80 Euro) oder den veganen Beef Bluff Burger mit Avocado und Aioli (13,50 Euro). Auf der Speisekarte finden sich auch diverse Waffel-Kreationen (ab 6,50 Euro). Wer lieber am Landwehrkanal spazieren gehen möchte, kann sich am „Van Loon“-Kiosk was auf die Hand mitnehmen, Fischbrötchen zum Beispiel. Das Restaurant hat täglich zwischen 16 und 22 Uhr geöffnet, am Wochenende bereits ab 10 Uhr.

Die Schwester der „Van Loon“ heißt „Philippa“ und begibt sich regelmäßig auf Tour: Man kann dann brunchen oder zu Abend essen und sich drei Stunden bei der sogenannten Brückentour von Berlin verzaubern lassen. Man muss allerdings im Vorfeld reservieren.

Köpenick: Neu-Venedig und Müggelberge

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Selbst für die meisten Ur-Berliner ist das ein Geheimtipp – auch wenn Köpenick jetzt müde lächelt. Ja, ihr habt mit Sicherheit die idyllischste Kanal-Siedlung der Stadt! Neu-Venedig – nicht zu verwechseln mit Klein-Venedig in Spandau – ist eine Verzweigung von fünf Kanälen der Müggelspree, an deren Ufern sich hübsche Häuschen schmiegen. Insgesamt 450 Wassergrundstücke gibt es zu bestaunen. Man kann sich das zu Fuß erlaufen, immerhin gibt es auf diesem kleinen Fleckchen Erde auch 13 Brücken, aber wirklich special wird’s, wenn man mit einem Kanu oder Paddelboot losfährt. Vorbei an Seerosen, üppigen Trauerweiden und Schwänen, pittoresken Vorgärten. Man kommt aus dem Wundern nicht mehr heraus.

Ein Kanu kann man sich beim örtlichen Kanuverleih (Am Küstergarten 18) mieten. Die Tagesgebühr beträgt 40 Euro, eine Stunde kostet 15 Euro. Geöffnet ist täglich ab 9.30 Uhr. Und entspannt, wie man in Köpenick nun mal ist, lautet das Motto: Einfach vorbeikommen, ausleihen und Spaß haben. Keine Reservierungen nötig.

Falls Ihnen die Aussicht, selbst paddeln zu müssen, zu anstrengend erscheint, gönnen Sie sich doch eine Schiffstour rund um die Müggelberge. Bei der dreieinhalb- bis fünfstündigen Fahrt (je nachdem, wo Sie ein- oder aussteigen) lernen Sie ganz neue, wundervolle Ecken im Süden der Stadt kennen. Es gibt mehrere Haltepunkte, unter anderem den Treptower Hafen. Sie schippern dann vorbei am Schloss Köpenick, sehen natürlich auch die Müggelberge, ebenso Neu-Venedig und die Regattastrecke Grünau. Tickets kosten etwa 25 Euro und können online gebucht werden.

Treptow: Party auf der Hoppetosse

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Partyschuhe an und los geht’s: Bald feiert das Salonschiff 100-jähriges Jubiläum. 1928 wurde das Salonschiff an der Ostsee gebaut, „Rhein“ getauft und für Ausflugsfahrten genutzt. Heute liegt das Boot am Spreeufer, direkt neben dem nach wie vor unschlagbar tollen Badeschiff an der Arena Treptow (Eichenstraße) und heißt eben Hoppetosse – so wie das Schiff von Pippi Langstrumpfs Vater.

Die Hoppetosse bietet etwa 125 Menschen Platz, man kann unter Deck ebenso feiern wie auf der Dachterrasse. Zu sehen gibt’s die Oberbaumbrücke, den Molecule Man und natürlich auch die Elsenbrücke sowie Stralauer Allee. Ernsthaft: Was für eine Aussicht! Die Spree zu Füßen, Berlin vor Augen und in den Ohren Techno oder House.

Öffnungszeiten: Freitag und Samstag von 23 bis 12 Uhr (Eintritt jeweils 15 Euro), Sonntag ab 20 Uhr (Eintritt zwölf Euro). Manchmal kann man auch donnerstags auf der Hoppetosse feiern, dann geht’s um 23 Uhr los und endet um 9 Uhr Freitagfrüh (Eintritt zehn Euro).