Berlin„Es ist schön, dass wir wenigstens noch shoppen gehen können“, sagt Maria, 18, aus Lübben, über ihre Gefühlslage in Zeiten von Gastronomie- und Kulturschließungen. Die Auszubildende hält vor dem Alexa am Alexanderplatz Tüten von drei verschiedenen Läden in der Hand. „Wegen des bevorstehenden Lockdowns bin ich heute nochmal losgegangen, um Geschenke für Weihnachten einzukaufen. So wie Maria ergreifen an diesem Adventsonnabend einige Berliner ihre möglicherweise letzte Chance auf ein Weihnachtsgeschenk im stationären Handel. Am Sonntag wird bei einem Treffen der Länderchefs mit Kanzlerin Angela Merkel eine Entscheidung für einen bundesweiten Lockdown erwartet.

Vorher möchte Gundula N., 30, gemeinsam mit ihrer Mutter nochmal durch die Geschäfte bummeln. „Man hört ja schon, dass ab Mittwoch alles dichtgemacht werden soll“, sagt sie. „Ich gucke schon genauer, wie ich mich in einem Laden bewege, aber ich habe keine große Angst, mich beim Einkaufen anzustecken“, sagt Gundula N.

Furcht vor einer Infektion hat auch Imke nicht, die als Verkäuferin im Alexa arbeitet. „Mein Sohn hat am Montag Geburtstag. Ich möchte noch ein Geschenk für ihn kaufen. Für Weihnachten haben wir dagegen schon alles besorgt“, sagt Imke.

Etwas anders gestaltet es sich bei Christoph Fulde, 36, und Leticia Puerte, 40. „Wir wollten nochmal gemeinsam raus ohne die Kinder und uns Zeit für die letzten Geschenke nehmen, bevor ab nächster Woche möglicherweise gar nichts mehr geht“, sagt Fulde. „Die Angst sich in den Läden anzustecken, schwingt dabei seit dem ersten Lockdown mit.“

Dennis Schmidt, 30, aus Fürstenwalde ist am Sonnabend nach Berlin gekommen, um im Alexa shoppen zu gehen. Am Vormittag ist von einem Andrang auf die Geschäfte noch nicht viel zu sehen. Trotzdem schaue er öfter um sich, die Angst vor einer Überfüllung in den Läden sei da. „Es ist nicht ganz so entspannt und schön wie vor Corona“, sagt er. Die Schließung des Einzelhandels kann er nicht recht nachvollziehen. „Ich hätte mir gewünscht, dass man die Risikogruppen mehr schützt, in dem man bestimmte Zeiten zum Einkaufen für sie freihält.“

Vor allem den Zeitpunkt des Lockdowns vor Weihnachten hält Nils Busch-Petersen für falsch. „Wir hatten uns darauf eingerichtet, dass man dem Rat der Wissenschaftler folgt und den Lockdown nach Weihnachten beginnt“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Berlin-Brandenburg. „Der Handel ist nach wie vor kein Ort signifikanten Infektionsgeschehens. Wenn die Regierung meint, dass die Menschen ihr Verhalten ändern müssen, dann muss sie es auch an die Bürgerinnen und Bürger adressieren – und nicht den Handel damit in Bedrängnis bringen.“

Seine Befürchtung ist, dass genau das Gegenteil von dem Eintritt, was die Politik will: dass das Kundenaufkommen im Einzelhandel aufgrund eines verfrühten Lockdowns in den nächsten Tagen steigt. Danach sieht es am dritten Adventsonnabend in den großen Einkaufsmeilen zunächst allerdings nicht aus. Im Alexa stehen vor Zara und Deichmann jeweils wenige Menschen in der Schlange und warten geduldig auf Einlass.

Veronique Schumann, 32, läuft mit Kinderwagen und einer Freundin vorbei. „Wir sind heute nur wegen eines Fotoshootings mit meinem Kind hierhergekommen“, sagt sie. „Die Weihnachtsgeschenke kaufen wir in diesem Jahr online.“

Den diesjährigen Bedingungen beim Weihnachtsshopping wollen sich auch Lisa Dabrich, 32, und ihr Mann nicht aussetzen. „Wir haben die meisten Geschenke bereits im November gekauft“, sagt sie. Auf den Weg zum Alexanderplatz haben sie sich nur für ein letztes fehlendes Präsent gemacht. „Der Kauf sollte aber nur fünf Minuten dauern und dann geht es auch wieder nach Hause“, sagt Dabrich.

Zu Hause scheint sich auch ein Großteil der Berliner an diesem Adventssonnabend aufzuhalten. In der Mall of Berlin am Potsdamer Platz und auf dem Kurfürstendamm sowie der Tauentzienstraße sind ebenfalls keine größeren Menschentrauben vor oder in den Geschäften zu erkennen. Der Ansturm auf die Geschenke erfolgt in diesem Jahr offensichtlich online.