Berlin - Die ersten Jetzt-geht’s-los-Rufe schallen schon zehn Minuten vor der ersten Hochrechnung durch das Thomas-Dehler-Haus in Mitte. Dort hat die Berliner FDP ihre Zentrale und dort feiert sie an diesem Abend ihr Comeback.

Wahrscheinlich hat keine Partei in diesem Wahlkampf so sehr einen Sieg nötig gehabt wie die Liberalen. Schließlich sind sie vor fünf Jahren mit 1,8 Prozent achtkantig aus dem Parlament geflogen. Dicht stehen sie also im Atrium ihrer Zentrale und warten auf das, was kommt.

Es muss etwas Gutes sein. So sicher sind sie, dass schon alle Hände zum Klatschen oben in der Luft sind, als um 18 Uhr dann die ersten Zahlen über die große Leinwand flimmern. „Hey, Hey, Hey“, rufen sie. Der Jubel ist ohrenbetäubend.

Es wird auch nicht mehr sehr viel leiser an diesem Abend. Die nächste Hochrechnung macht das Ergebnis noch ein bisschen besser. Erst sieht es nach zehn Parlamentssitzen aus, nun könnten es elf sein. Dann ist er da: Sebastian Superstar. Sebastian Czaja betritt die kleine Bühne in der Mitte des Saals. Die Liberalen haben diesmal ganz auf ihn gesetzt: Sebastian Czaja, den jüngeren Bruder von Gesundheitssenator Maria Czaja.

Liberale feiern ihren Hoffnungsträger

Die Wahlkampfstrategen der Partei verklärten ihn, den 33 Jahre alten Spitzenkandidaten, in den letzten Wochen zum Hoffnungsträger, machten einen Star aus ihm. Und so wird er an diesem Abend gefeiert. Aus der Menge schallt ihm sein Name wie ein Schlachtruf entgegen: „Sebastian, Sebastian“.

Er hat den Anwesenden nur Gutes zu verkünden: „Dies ist ein großartiger Moment. Die Liberalen in Berlin sind wieder zurück“. Dann holt Czaja kurz Luft und betont noch mal, womit sie zurück gekommen sind. „Der Flughafen Tegel muss offen bleiben“, ruft er ins Mikrofon. Der Stillstand in Berlin müsse beendet werden. Die FDP sei ein Fortschrittsbeschleuniger. „Tegel, Tegel“, brüllen seine Fans.

Die Berliner FDP hat sich in dieser Wahl auf ein einziges Thema kapriziert, das volksnah ist und ein Alleinstellungsmerkmal im Parteienreigen hat: Der Flughafen Tegel muss offen bleiben. Und das auch nach der BER-Fertigstellung.

Die FDP hat ein entsprechendes Volksbegehren initiiert und Czaja wurde in den Wochen vor der Wahl nicht müde, immer wieder zu erzählen, wie das gehen soll. Einfach den formalen Beschluss zum Entzug der Betriebsgenehmigung wieder einkassieren. Nach Czajas Vorstellungen kann das der Stadtentwicklungssenator gleich selbst machen.

Anpackermentatlität

Ein Mann, ein Thema, es hat sich ausgezahlt, die Botschaft für den Wähler in der Hauptstadt sehr zu vereinfachen. Der Bundesvorsitzende Christian Lindner nennt das, was die Menschen gewählt haben„Anpackermentalität“, als er die Bühne betritt. Die FDP stehe für Modernisierung. „Das ist ein optimistisches Signal über Berlin hinaus“, sagt er.

Nicola Beer, die Generalsekretärin der Partei formuliert ähnlich. Es sei den Menschen wichtig, endlich nach vorne zu blicken. Sie wollten eine moderne Verwaltung, Schulen, die nicht zusammen fallen und ausreichend Lehrer haben. „Das ist auch ein Modell für den Bund“, findet sie.

Das geht Wolfgang Gerhardt, dem ehemaligen Bundesvorsitzenden, dann vielleicht doch ein bisschen zu schnell. „Wir dürfen jetzt nicht überschnappen“, sagt er, „sondern müssen vertrauensbildend arbeiten für die Bundestagswahl im nächsten Jahr“. Aber aufbauen könne man schon auf dem Berliner Wahlergebnis.