Auf den ersten Blick sieht es so aus, als sei der Krankenhausbetrieb gerade erst eingestellt worden. Wegweiser zu den Stationszimmern und große blaue Übersichtstafeln hängen an den Wänden, die Flure im ersten Stockwerk sind mit bunten Malereien geschmückt. Hier war die Kinderstation. Die Räume sind unmöbliert, doch die Haustechnik funktioniert. Licht, Wasser, Steckdosen – alles in Ordnung.

Das Bettenhaus der ehemaligen Lungenklinik Heckeshorn in bester Wannsee-Lage stand fast zehn Jahre leer. In den kommenden Tagen sollen hier etwa 220 Flüchtlinge einziehen. Zunächst ist das Gebäude nur als Notunterkunft vorgesehen, perspektivisch soll es aber noch mit Küchen und mehr Mobiliar ausgestattet werden. Wenn alles fertig ist, sollen hier dauerhaft gut 300 Asylbewerber wohnen.

Übergabe ans Lageso

Anders als Sporthallen, frühere Büro- oder Industriegebäude hat der Senat das frühere Klinikgelände in Heckeshorn für langfristige Gemeinschaftsunterkünfte eingeplant. Auf einem Teil des 15 Hektar großen Areals sollen bis Ende 2016 insgesamt rund 1500 Menschen unterkommen. Die letzten Neubauten der Lungenklinik aus den 1990er-Jahren, wo heute Krankenhausfilme gedreht werden, sollen ebenso genutzt werden wie das Gelände gegenüber, auf dem fünf ehemalige „Liegehallen“ stehen. Diese abrissreifen Häuser sollen zwei neu gebauten Gemeinschaftsunterkünften weichen.

Dass der Senat das riesige Waldgrundstück in Landesbesitz für Flüchtlinge nutzt, steht schon lange fest. Bereits im Februar teilte das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) mit, in das Hauptgebäude sollten rund 350 Menschen einziehen. Seitdem hat sich die Planung einige Male geändert. Angepackt wurde bisher nur die Sanierung des ehemaligen Bettenhauses, und auch diese Arbeiten haben geraume Zeit sowie gut eine Million Euro in Anspruch genommen, wie bei einem Ortstermin deutlich wurde. Am Freitag wurden die Sanierungsarbeiten abgenommen und das Gebäude dem Lageso übergeben. Anschließend sollten die ersten Doppelstockbetten aufgebaut werden.

Die gesamte Elektrik erneuert

Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) sowie der Chef der ihm unterstellten Berliner Immobilienmanagement BIM, Sven Lemiss, zeigten sich leidlich zufrieden, dass zumindest dieser erste Schritt endlich abgeschlossen werden konnte. Der Umstand, dass in den vergangenen Wochen viel zu wenig landeseigene Immobilien neu beschafft werden konnten und der Krisenstab deshalb immer mehr Schulsporthallen mit Flüchtlingen belegen muss, gefällt niemandem im Senat. Das Bettenhaus der Lungenklinik, so Lemiss, sei ein gutes Beispiel, vor welchen Problemen man stehe. Ein Haus, das so lange nicht genutzt worden sei, müsse mit viel Aufwand wieder funktionstüchtig gemacht werden. In diesem Fall wurden 66 Wasserstränge und die gesamte Elektrik erneuert sowie die komplette Heizungsanlage ausgetauscht.

Wie viele landeseigene Gebäude derzeit noch als Flüchtlingsunterkünfte ertüchtigt werden, konnte Lemiss am Freitag nicht sagen. Seit August habe die BIM weit über 100 Immobilien geprüft und Plätze für rund 15.000 Flüchtlinge geschaffen, sagte er. Der Anteil an geeigneteren Gebäuden solle möglichst schnell steigen, ergänzte Kollatz-Ahnen. Im Moment ist knapp jede dritte der 154 Notunterkünfte eine Turnhalle, was vor allem in den Bezirksämtern zunehmend auf Widerstand stößt.

Gespräche mit dem Bund

Bundesimmobilien werden in Berlin bisher überhaupt nicht genutzt. Die Varianten, die der Bund dem Land schon vor Monaten angeboten hatte, wurden offenbar alle als ungeeignet abgelehnt. Das Lageso soll anfangs noch zu hohe Maßstäbe an die Qualität der Gebäude gehabt haben, heißt es zur Begründung. Aufgrund der Notlage, also wegen der nach wie vor sehr hohen Zahl von Flüchtlingen, die täglich in Berlin ankommen, nimmt man im Senat jetzt einen neuen Anlauf. Einige Angebote des Bundes würden nun erneut überprüft, sagte Kollatz-Ahnen. Dazu gehörten auch frühere Gebäude der Alliierten.

Immerhin ist wie berichtet auch das ICC endlich hergerichtet, dort sollen über das Wochenende rund 650 Flüchtlinge einziehen. Eine Entlastung bedeutet dies jedoch nicht, denn das Kongresszentrum ist lediglich Ersatz für die Messehalle 26. Wann die nächsten Hangars in Tempelhof bezugsfertig sind, ist offen.