Berlin-Wannsee: Edel-Konzept der Wannseeterrassen muss sich noch beweisen

Berlin - Dieser Blick! Über die Havel reicht er bis nach Kladow am anderen Ufer. Oder von der Haveldüne direkt nach unten, zu den Ausläufern des Wannseestrandes. Dort war immer schon eine FKK-Badestelle. Und an diesem Freitag, dem ersten warmen Tag des Jahres, lassen sich dort unten hüllenlose Körper ausmachen.

Heidi Brachwitz hat für die Nackten gerade keinen Blick. Sie sitzt oben auf der Düne, vor den Wannseeterrassen, einem traditionsreichen Ausflugslokal. 1937 wurde es erstmals eröffnet, am Freitag gab es mal wieder einen Neustart, in einem neu gebauten Haus, nach einem Brand und 14 Jahren Schließzeit.

„Ich habe mich gerade daran erinnert, wann wir das letzte Mal hier waren“, erzählt Heidi Brachwitz, „das war Ende der 60er. Die Erbtante hatte eingeladen, und wir haben schön getafelt. Die Tante mochte dieses Besondere damals hier“, erzählt die Rudowerin. Was getafelt? „Na Kuchen, was fürs Hüftgold“, sagt sie und lacht. Danach, ergänzt ihr Mann Wolfgang, habe man die Terrassen aus den Augen verloren und sei nie wieder da gewesen. Jetzt sei man neugierig.

Wolfgang Brachwitz macht sich Gedanken. Da ist die Sache mit dem Biergarten, oder besser der Tatsache, dass es keinen geben soll. Ein Ausflugslokal ohne Bier, Grill und Rostbratwurst?

Alles très francais

Sicher könnte ein Biergarten helfen, die insgesamt 850 Gastronomie-Plätze zu bespielen, die auf der Düne entstanden sind. Dort oben thront, in dieser Jahreszeit mangels Laub noch weithin sichtbar, ein Millionen-teures Anwesen. Bauherr Harald Huth, Herr über Einkaufszentren wie das Schloss in Steglitz oder die Mall of Berlin, erinnert sein Haus „an ein Landhaus in den Hamptons“, wie er in einem Werbetext schreiben ließ. Zur Einordnung: Die Hamptons liegen auf Long Island und gelten als Sommerresidenz superreicher New Yorker.

Und wenn man drüber nachdenkt, machen das große Tor zur Straße hin und der protzige Metallzaun entlang des Weges vielleicht keinen superreichen, so doch einen abschottenden Eindruck. Da passt ein Biergarten mit durchgeschwitzten Radlern vielleicht wirklich nicht so… Obwohl: Zur Eröffnung am Freitag waren neben der gefliesten Terrasse Bierbänke aufgebaut, auch ein Bierwagen stand dort, doch es hatte niemand Zeit zu zapfen, so viel war zu tun.

Also, wer sagt denn, dass die Dinge so bleiben müssen? Dass ein Burger für 9,50 Euro das günstigste Essen bleiben muss? Und die restlichen Hauptgerichte erst ab 16 Euro beginnen? Wer sagt, dass es bei der Konditorei-Karte bleiben muss, auf der bisher Dinge stehen wie Framboise Bourdaloue, Bagatelle aux Fraises, Erdbeer Franchipane, Poires Bourdaloue und so weiter und so fort. Klingt alles très francais.

An diesem ersten Tag mit Betrieb zeigte sich das Personal jedenfalls noch ein wenig wankelmütig. Ob man die Kuchenkarte wirklich ernst meine? Ach, das müsse man sehen. Wenn die Kunden etwas anderes wollten, „Berliner Blechkuchen oder so“, könne man ja noch umswitchen, sagte ein Angestellter. Man werde sich im Laufe der Zeit selbstverständlich nach den Wünschen der Kunden richten. Geschäftsführer der Wannseeterrassen ist übrigens Guido Greifenberg. Er betreibt nebenher auch noch eine Catering-Firma und mehrere Gaststätten in Potsdam und fungiert auch als Geschäftsführer der Bar Puro im Europa-Center.

Naturgemäß blieben an diesem ersten Öffnungstag noch einige Fragen offen. Wie wäre es zum Beispiel eigentlich damit, das alte Drehkreuz zum benachbarten Strandbad Wannsee hin zu reaktivieren? Einst konnten die Besucher vom Bad durchs Kreuz zu den Terrassen wandeln. Ob das demnächst auch wieder möglich werde? Darauf gab es wie gesagt an diesem Freitag erst einmal keine Antwort. Ebenso wenig wie die Erlaubnis, wenigstens mal einen Blick in den ersten Stock des Hampton-Hauses zu werfen. Nein, man sei noch nicht so weit.

Und wie fanden die Berliner es nun, ihr neuestes altes Ausflugslokal? War es früher vielleicht schöner, weil es Terrassen auf zwei Ebenen gab, Kiesboden, ein Reet-Dach? „Ach was“, sagt das Ehepaar Brachwitz aus Rudow. „Ach was“, sagt auch Ingrid Schmidt aus Spandau, die das alte Haus auch kannte und im neuen schon eine Goldene Hochzeit („Nein, nicht meine eigene“) plant. „Das ist moderner. Aber auch schön.“