Berlin - Es geht offenbar um Millionen: Demnächst wird sich eine Zivilkammer des Berliner Landgerichts mit dem dreisten Einbruch ins Bode-Museum vor mehr als zwei Jahren beschäftigen müssen. Die 100 Kilogramm schwere Big Maple Leaf mit einem Verkaufswert von 3,75 Millionen Euro war nur eine Leihgabe. Der Eigentümer der Riesen-Münze, ein Immobilienentwickler aus Düsseldorf, klagt nun nach Informationen der Berliner Zeitung auf die Auszahlung von Versicherungsleistungen. „Ein solches Verfahren ist anhängig“, sagte Thomas Heymann, der Sprecher der Berliner Zivilgerichte. Einen Termin für eine mündliche Verhandlung gebe es noch nicht. Weitere Angaben machte Heymann nicht.

Es geht um die Versicherung des Bode-Museums. Diese soll sich bisher geweigert haben, die volle Schadenssumme an den Eigentümer auszugleichen. Bisher wurden von der Versicherung offenbar lediglich 800.000 Euro gezahlt – wegen der Sicherheitsmängel im Museum, die den Diebstahl aus Sicht der Assekuranz vermeintlich begünstigt haben. Unterdessen ging nach einer Pause am Donnerstag der Strafprozess in Sachen Goldmünze weiter. Vor dem Landgericht müssen sich seit Januar dieses Jahres vier junge Männer wegen Diebstahls in einem besonders schweren Fall verantworten. Denis W., 21 Jahre alt, arbeitete seit knapp vier Wochen als Aufsicht im Bode-Museum, als die Riesen-Goldmünze verschwand.

Er soll laut Anklage den Brüdern Ahmed und Wayci R., 21 und 24 Jahre alt, und deren 23-jährigem Cousin Wissam R. Tipps für den Millionenbruch gegeben haben. Ahmed, Wayci und Wissam R. sind Mitglieder einer polizeibekannten arabischstämmigen Großfamilie.

Ermittler sind sich sicher, dass die Diebe der Wagenrad großen Münze über Insiderwissen verfügten, als sie in der Nacht zum 27. März 2017 durch das einzige nicht alarmgesicherte Fenster des Gebäudes stiegen. In einem filmreifen Coup – nur mit einer Axt und einem Rollbrett ausgerüstet – hatten sie in nur 16 Minuten die Zwei-Zentner-Goldmünze aus dem Museum bugsiert – obwohl ein Wachmann gerade seinen Rundgang absolvierte.

Von der Goldmünze fehlt noch immer jede Spur 

Er hörte nicht, wie die Einbrecher das Sicherheitsglas der Vitrine im zweiten Stock zerschlugen und die Big Maple Leaf auf das Rollbrett hievten. Die Vitrine war nicht durch eine Alarmanlage gesichert – weil, so wurde im Prozess deutlich, wohl niemand der Verantwortlichen im Museum davon ausgegangen war, dass Diebe den schweren Schatz einfach so aus dem Haus auf der Museumsinsel schleppen könnten. Von der Riesengoldmünze fehlt bis heute jede Spur. Vermutlich wurde sie in Stücke zerlegt und verkauft oder eingeschmolzen.

Am Donnerstag sagte die Ermittlerin aus, die die Finanzen des angeklagten einstigen Museums-Wachmanns Denis W. überprüft hat. Der 21-Jährige habe weder über eine Immobilie verfügt, noch habe er Schulden gehabt oder ein Gewerbe angemeldet. Auf sein Konto sei lediglich der Lohn der Sicherheitsfirma eingegangen, für die er gearbeitet hatte. Eine Bäckerei, die sich die Familie des Angeklagten später kaufte, kostete 6000 Euro. Der Vater von Denis W. bezahlte das Geld in bar.

Dagegen sprach der zuständige Chefermittler davon, dass sich Denis W. drei Monate nach dem Verschwinden der Goldmünze Immobilien angeschaut habe, „die mit seinen Einkünften nicht korrespondierten“. So interessierte er sich für Läden im Wert zwischen 40.000 und 115.000 Euro.
Zu den Selfies, die Denis W. als Wachmann vor dem Einbruch im Bode-Museum angefertigt hatte und die auf seinem Handy gefunden worden waren, sagte der 44-jährige Chefermittler, sie hätten aus seiner Sicht zur Vorbereitung des Diebstahls gedient.

Auf den Selfies seien auch Museumsgänge zu sehen, durch die die Täter gelaufen sein sollen. Laut Chefermittler habe Denis W. die Fotos aber nicht verschickt. Auch nicht an den mitangeklagten Ahmed R., seinen Freund.