Berlin - Das einzig bunte an dem früheren Spandauer Hauptpostamt 20 sind die Graffiti an der Fassade. Viele Fensterscheiben sind zerborsten, das Erdgeschoss ist mit Holzplatten verbarrikadiert. Obwohl am Treppenaufgang noch ein großes Postzeichen zu sehen ist, werden hier schon lange keine Briefe mehr abgestempelt oder Pakete ausgegeben.  Eine Ruine ist das Postareal an der Ecke Kloster- und Ruhlebener Straße schon seit zwei Jahrzehnten. Abrissreif, ein Schandfleck in Sichtweite der Altstadt. Für das 14 000 Quadratmeter große Gelände gibt es jetzt aber zwei neue Investoren – die Merz Objektbau GmbH  (Aalen) sowie die Fay Projects GmbH (Mannheim). Sie wollen den erst 1980 errichteten Komplex abreißen und dort neu bauen.

„Wir sind erleichtert und empfinden viel Freude, dass das Postgelände neue Eigentümer hat, die auch ernsthaft investieren wollen“, sagte Spandaus Baustadtrat Carsten Röding (CDU) am Mittwoch. In den vergangenen Jahren habe es viele bunte Bilder vermeintlicher Investoren gegeben, und viele enttäuschte Hoffnungen. „Wir hatten den Eindruck, nur Zuschauer am Rand eines Immobilien-Haifischbeckens zu sein.“
Diesen Eindruck wollen die Geschäftsführer  Agilolf Bachner (Merz) und Wolfgang Heid (Fay) jetzt zerstreuen. Die Projektentwickler haben das Postgelände nach über fünf Jahren Verhandlung am 31. März 2016 gekauft. Den Postkomplex wollen sie möglichst schnell abreißen. Vorausgesetzt, dort haben sich keine Zauneidechsen angesiedelt. Begonnen werden könnte mit dem Abriss des alten Schalter- und Verwaltungsgebäudes möglicherweise noch in diesem Jahr. „Für die Spandauer wäre das ein Zeichen, dass hier etwas passiert“, sagt der Baustadtrat.
Die Neubaupläne der Investoren sind allerdings noch sehr vage. Ein Mix aus Gewerbe,  Hotel, Einzelhandel und Büros soll entstehen. Auch ein Anteil von wenigstens 20 Prozent Wohnungen ist vorgesehen. „Die Wohnungen werden wir am Flussufer der Havel ansiedeln“, sagt Wolfgang Heid. Noch nicht entschieden ist, ob  Miet- oder Eigentumswohnungen gebaut werden. Die prominente Wasserlage wollen die Investoren auch nutzen, um in diesem Bereich einen Platz zu gestalten, an dem laut Bachner Gaststätten oder Cafés vorgesehen sind.

Das alles aber sind nur erste Ideen. Zunächst sollen Gutachten und Untersuchungen Gewissheit bringen, was und in welcher Größe gebaut werden kann. Frühere Investoren etwa des Projekts Havel Tower wollten auf dem Gelände einen über 140 Meter hohen Hotelturm sowie an der Havel eine Marine errichten. Das planen Merz und Fay aber nicht, auch ein Shoppingcenter wird es nicht geben. Der Bezirk lässt es aber zu, dass durchaus auch in der Höhe Akzente gesetzt werden können. Dabei dienen der Rathausturm und das gegenüberliegende Einkaufszentrum Spandau Arcaden als Orientierung: Demnach könnten einzelne Gebäude etwa 60 bis 70 Meter hoch werden, so Röding.

Altstadt wird vollendet

„Bis 2021 wollen wir das neue Quartier fertigstellen“, sagt Bachner. Mehr als 100 Millionen Euro wollen die beiden Unternehmen Merz und Fay nach eigenen Angaben in das Projekt investieren.   „Spandau wird Bevölkerungszuwachs haben. Der Bezirk ist mit dem BMW-Motorradwerk auch ein starker Industriestandort“, sagt Heid. Das habe den Ausschlag gegeben, sich an dem Ort zu engagieren. Spandaus Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD)   bezeichnet das als gute Nachricht.  Wie er sagt, werde mit dem Großprojekt nun die Spandauer Mitte mit Altstadt und Arcaden als Ganzes vollendet.
Zuerst aber muss jetzt ein Bebauungsplan erarbeitet werden, der nach Angaben von Röding erst in etwa zweieinhalb Jahren beschlossen werden kann. Insgesamt sollen zwischen 48 000 und 68 000 Quadratmetern Nutzfläche entstehen, das ist nur noch etwa die Hälfte früherer Planungen. Schon im Herbst soll es eine erste Bürgerbeteiligung geben, kündigt der Baustadtrat an.