Berlin - Der Berliner Stadtverkehr steckt voller Geheimnisse. Wer auf den Straßen der Hauptstadt unterwegs ist, stößt unweigerlich immer wieder auf abenteuerliche Orte, an denen rätselhafte Dinge vor sich gehen. Einer dieser mysteriösen Knotenpunkte ist die Kreuzung von Memhard-, Münz- und Rosa-Luxemburg-Straße in Mitte. Einst erlaubte hier eine eigene Rechtsabbiegerspur den vom Alexanderplatz Kommenden das Abbiegen in Richtung Volksbühne. Doch die komfortablen Zeiten sind seit Juni 2017 vorbei.

Abgelöst wurden sie durch eine Komposition von Ampelschaltungen: Die einstige Rechtsabbiegerspur ist gesperrt – durch „straßenverkehrsordnungs-konform gekennzeichnete Verkehrsschutzgitter“, betont das Bezirksamt Mitte auf Anfrage. Stattdessen werden die Verkehrsteilnehmer auf Höhe der Kreuzung von gleich zwei unmittelbar aufeinanderfolgenden Ampeln begrüßt. Sie stehen im Abstand von etwa fünf Metern hintereinander. Doch die beiden zeigen nicht etwa die gleichen Signale an: Die direkt an der Kreuzung liegende Ampel bleibt genau acht Sekunden länger grün, während die weiter vorne liegende Ampel schon knallrot erstrahlt. 

So steht oder sitzt der ahnungslose Verkehrsteilnehmer an einer roten Ampel und wundert sich, warum es ein paar Meter weiter vorne grün leuchtet und die Fußgänger in gleicher Richtung über die Straße dürfen.

Alexanderplatz: Kreuzungs-Mysterium von Mitte ist gelöst

Der Unwissende sieht nämlich die dritte Ampel weiter rechts an der ehemaligen Abbiegespur nicht. Sie zeigt meist eine waagerechte, und manchmal plötzlich für ein paar Sekunden eine schräge weiße Linie auf schwarzem Hintergrund. Was steckt hinter dem konfusen Blinken der Verkehrslichter, der gesperrten Rechtsabbiegerspur und der doppelten Ampel? Hier kommt der BER ins Spiel. Weil unser Großstadtflughafen nicht fertig wird, muss die BVG nämlich weiterhin täglich Tausende Fluggäste nach Tegel befördern – und zwar mit dem TXL-Bus. Eigentlich sollte die Linie im Juni 2012 eingestellt werden.

Die bisherige TXL-Endstation in Mitte ist Alexanderplatz. Wie es für Endstationen typisch ist, müssen die Busse dort wenden. Das braucht bei einem Gefährt dieser Größenordnung eine Menge Platz. Also wurde die Kreuzung zur TXL-Wendeplatte umgebaut. „Daraus resultieren auch die kurz hintereinander angeordneten Lichtzeichenanlagen, die als Schleuse fungieren“, erklärt das Bezirksamt Mitte.

Der TXL-Bus nutzt beim Wenden also die alte Rechtsabbiegespur und fährt zwischen den beiden Ampeln durch. Etwa alle zehn Minuten ist dieser Vorgang zu beobachten. Vorausgesetzt, der Bus kommt fahrplanmäßig.

Das Kreuzungs-Mysterium von Mitte ist gelöst. Doch jetzt hat die BVG angekündigt: Um Verspätungen entgegenzuwirken, fährt der TXL ab 4. August nicht mehr bis Alexanderplatz, sondern endet am Hauptbahnhof. Die komplexe Ampel-Wendeschleuse wird aber nicht überflüssig. In Zukunft darf die Buslinie 245 hier ihre Kreise drehen.