Man muss nicht viel Geld ausgeben, um Berlin von oben bestaunen zu können – manchmal reicht schon ein Öffi-Ticket und ein bisschen Orientierungssinn. Abgesehen natürlich von der Gabe, nicht an Höhenangst zu leiden. Wer damit zu kämpfen hat, dem wird wahrscheinlich schon beim Lesen schwummrig, wenn es gleich um luftige Höhen und kilometerweite Blickachsen geht. Allen anderen sei empfohlen: festes Schuhwerk, Windjacke, Sonnencreme, und dann los.

Fernsehturm

Na klar, womit sollte diese Liste auch sonst anfangen, wenn nicht mit Berlins höchstem Gebäude!? Deutschlandweit gibt es keinen Fernsehturm, der höher wäre als unserer. Mit seinen 368 Metern bis zur Spitze ist er selbst vom Stadtrand aus zu sehen. Die Aussichtsplattform in der Kugel (Eintritt für Erwachsene: 24,50 Euro) befindet sich in 203 Metern Höhe, die Auffahrt mit dem teilgläsernen Fahrstuhl dauert rekordverdächtige 40 Sekunden. 60 XXL-Panorama-Fenster erlauben einen Rundumblick auf die Hauptstadt, Erklärtafeln zeigen, was man sieht, es gibt alle paar Meter fest installierte Ferngläser. Immer wieder cool: Kiek ma, da wohn’ wa!

Ein Stockwerk drüber befindet sich das Fernsehturm-Restaurant, das seit rund 10 Jahren Sphere heißt. Was sich aber nicht geändert hat: Es dreht sich! Man bekommt also die komplette Stadtansicht geboten, obwohl man an seinem Tisch sitzen bleibt. Es gibt auch eine ganz tolle Frühstückskarte (wochentags ab 9 Uhr, am Wochenende sogar mit Kindermusik). Man kann auch spontan vorbeikommen, allerdings sind die Plätze im Restaurant meistens ausgebucht, weshalb eine vorherige Online-Reservierung empfohlen wird. Ein Fensterplatz für Erwachsene kostet beispielsweise 27,50 Euro, wenn man ins Restaurant will. Hinzu kommen selbstverständlich die Preise für Essen und Trinken.

Geöffnet sind sowohl das Restaurant als auch die Aussichtsetage von April bis Oktober täglich zwischen 9 Uhr und 23 Uhr, in den restlichen Monaten von 10 Uhr bis 22 Uhr.

PS Service-Wissen für alle Neuberliner: Lassen Sie sich bloß nicht erzählen, zu DDR-Zeiten hätte man „Telespargel“ zum Fernsehturm gesagt. Das stimmt nicht. Wirklich nicht, auch wenn das Internet das behauptet. Kein (echter) Berliner würde jemals etwas anderes als Fernsehturm zum Fernsehturm sagen.

Funkturm

Da, wo der Ost-Berliner von seinem Fernsehturm schwärmt, dauert es nicht lange, bis der West-Berliner an seinen Funkturm erinnert. Und das zu Recht! Denn leider steht der 147 Meter hohe Funkturm – sinnbildlich gesprochen – sehr im Schatten des Fernsehturms. Dabei ist der Funkturm in Westend viel älter als sein Bruder im Osten. Nach dreijähriger Bauzeit fand am 3. September 1926 „anlässlich der Eröffnung der 3. Großen Deutschen Funkausstellung die Einweihung des Funkturms statt“, wie die zuständige Messe Berlin schreibt. Der Fernsehturm wurde von 1965 bis 1969 gebaut.

Messe Berlin GmbH
Das Restaurant im Berliner Funkturm.

Zum Restaurant in 55 Metern Höhe führen 287 Stufen, zur Aussichtsplattform in 126 Metern Höhe unglaubliche 610 Stufen. Aber natürlich kann man auch den Fahrstuhl nutzen, der einen mit vier Metern pro Sekunde sehr komfortabel nach oben bringt. Auf der Plattform haben etwa 45 Menschen Platz, ins Restaurant passen 116 Personen. Das Restaurant selbst ist übrigens schon eine Reise wert, weil es eine echte Jugendstil-Schönheit mit ganz viel Zwanzigerjahre-Charme ist. Tickets jeweils ab drei bzw. vier Euro.

Derzeit steht auf der Funkturm-Website, dass sowohl das Restaurant als auch die Plattform „aufgrund der aktuellen Situation, der steigenden Inzidenzwerte und bestehenden Auflagen im Zusammenhang mit Covid-19 bis auf weiteres geschlossen“ bleiben, was die Betreiberfirma auf Nachfrage der Berliner Zeitung bestätigt.

XXL-Heliumballon

Man sieht ihn von Weitem, und man sieht von ihm ins Weite: Der Welt-Heißluftballon an der Zimmerstraße in Mitte ist zu einem echten Berliner Wahrzeichen geworden. Eine Fahrt beziehungsweise ein Flug dauert etwa 15 Minuten und kostet 27 Euro, ermäßigt 20 Euro. Aber keine Sorge: Der Heliumballon ist mit einem Stahlseil im Boden verankert – wegfliegen unmöglich. Bis zu 25 Personen passen in die „Gondel“. In 150 Metern Höhe liegt Ihnen dann die Stadt zu Füßen und man hat einen herrlichen Weitblick mit echter Berliner Luft, Luft, Luft.

Bei schlechtem Wetter bleibt der Ballon, einer der weltweit größten seiner Art, natürlich am Boden. Ansonsten hebt er jeden Tag zwischen 10 und 22 Uhr alle viertel Stunde ab, im Dunkeln ist er sogar beleuchtet.

Sky Lounge im Park Inn

Zurück zum Alex, vis-à-vis vom Fernsehturm: Hier steht das Park Inn Hotel, mit 37 Etagen, beachtliche 150 Meter hoch. Kurz unterm Dach, genauer gesagt im 40. Stock gibt es eine Aussichtsterrasse, 120 Meter über Berlin. Und das Beste: Man hat den Fernsehturm im Blick, dahinter die Leipziger Straße, ein großes Stück City mit Hochhäusern, Parks und Wasser. Eine ideale Selfie-Location.

Zwei kleine Wermutstropfen: Der Fahrstuhl aus der Lobby fährt nur bis in den 35. Stock, danach muss man Treppe steigen. Und es gibt keinen Rundum-Panoramablick, weil die Terrasse nur zu einer Seite zeigt. Dafür jedoch kann man sich, ähnlich wie in einer Loggia, den Wind ein bisschen um die Nase wehen lassen, ist aber trotzdem geschützt. Der Eintritt kostet sechs Euro pro Person, die Öffnungszeiten hängen vom Wetter ab. Regulär ist die Terrasse zwischen April und September täglich von 12 bis 22 Uhr geöffnet, in den Wintermonaten bis 18 Uhr.

Rooftop-Bar: Klunkerkranich

Seit 2013 ist der Klunkerkranich fester Bestandteil der Berliner Feierabenddrink-Szene. Und das liegt nicht nur, aber vor allem an der exquisiten Aussicht vom Parkdeck der Neukölln-Arcaden. Die Macher nennen ihre Bar „Kulturdachgarten“, weil sie so viele hochkarätige Events organisieren – Konzerte, Poetry-Slams, Kino, Lesungen –, dass man meinen möchte, man braucht gar keine anderen Locations mehr.

Leckere Cocktails, erlesene Speisen, gute Mucke, draußen grün, innen gemütlich. Im Klunkerkranich kann man es sich bei jedem Wetter wohl sein lassen. Geöffnet ist montags bis mittwochs ab 18 Uhr, donnerstags bis sonntags bereits ab 16 Uhr. Der Zugang erfolgt über den Fahrstuhl an der Bibliothek der Arcaden. Im 5. Stock aussteigen und dann den Ohren folgen.

Modersohnbrücke

Berlin ist auch schmutzig und laut, was nicht heißt, dass das nicht auch romantisch sein kann. Deshalb ist die Modersohnbrücke in Friedrichshain schon seit Jahren, eigentlich sogar seit Jahrzehnten, einer der beliebtesten Feierabendtreffs der Stadt. Der freie Blick über die breiten Bahnschienen, eine kühle Molle – mehr braucht es nicht, um sich ganz als Hauptstädter zu fühlen. Allerdings sollte man nicht erst zur blauen Stunde erscheinen, weil dann im Zweifel alle guten Plätze bereits belegt, besetzt oder bestanden sind.

imago/Jürgen Hanel
Junge Leute genießen die Abendstimmung auf der Modersohnbrücke in Berlin-Friedrichshain.

Der Kreuzberg

Der Kreuzberg ist mit seinen 66 Metern die höchste natürliche Erhebung der Innenstadt und außerhalb des Kiezes kaum jemandem ein Begriff. Vor Jahrhunderten wurde hier sogar Wein angebaut, was vor rund 60 Jahren dann wieder begonnen wurde. Der „Kreuz-Neroberger“-Wein jedoch wird vom Bezirk nur an ausgewählte Personen abgegeben. Kaufen kann man ihn nicht.

„Auf der höchsten Stelle der Erhebung legte König Friedrich Wilhelm III. am 19. September 1818 den Grundstein des deutschen Nationaldenkmals für die Siege in den Befreiungskriegen. Auch der russische Zar Alexander I. wohnte der Zeremonie bei. Die Einweihung des Denkmals erfolgte am 30. März 1821“, weiß Wikipedia zu berichten. Und weiter: „Ab 1888 wurde zu Füßen des Denkmals der Viktoriapark mit einem 24 Meter hohen künstlichen Wasserfall angelegt, der dem Zackelfall im Riesengebirge nachgebildet ist.“ Dieser ist gut von der Großbeerenstraße aus zu bestaunen. 1980 wurde der Viktoriapark als erste Grünanlage Westberlins unter Denkmalschutz gestellt.

Geschichte hin, Geschichte her. Hier kann man herrlich picknicken, den Kiez aus der Vogelperspektive betrachten und irgendwie das Großstadtleben mal anders genießen. Manchmal ist es ganz schön voll rund um den Kreuzberg, und es kann auch lauter werden, wenn irgendwer Musik und Lautsprecher mitbringt. Aber das gehört eben auch zu Berlin dazu. Wer mag, kann auch in den nahen Biergarten gehen oder mit seinen Kindern den Spielplatz besuchen.

Siegessäule

Sie fehlt in keinem Berlin-Werbevideo, war das Testimonial für die Love Parade und strahlt weit über den Tiergarten hinaus. Die Rede ist natürlich von unserer Gold-Else am Großen Stern. Täglich umrunden sie Tausende Autos, als Fußgänger kommt man durch eine Unterführung zu ihr und staunt. Die Siegesgöttin Viktoria ist selbst 8,30 Meter groß und eine vergoldete Bronzeskulptur. Sie steht, ganz stolz und wunderschön, auf drei Säulenelementen. Nach oben kommt man nur über eine Wendeltreppe. 285 Stufen muss man meistern, wenn man die phänomenale Berlin-Aussicht in 51 Metern Höhe genießen will: Brandenburger Tor, Reichstag, Potsdamer Platz, und unten kreisen die Autos.

Der Eintritt kostet 3,50, ermäßigt 3 Euro. Zugang hat man in der Zeit von April bis Oktober von montags bis freitags zwischen 9.30 und 18.30 Uhr, am Wochenende bis 19 Uhr. In den Wintermonaten täglich nur bis 17.30 Uhr.

Dachterrasse auf dem Schloss

Über das Berliner Stadtschloss kann man trefflich streiten, aber eine Sache muss man ihm wirklich lassen: Die 1800 Quadratmeter große Dachterrasse ist eine ganz feine Angelegenheit. Man kann rundherum laufen und die Ost-Berliner Innenstadt aus 30 Metern Höhe mit den Augen in alle Richtungen erkunden. Eine herrliche Pause vom Mitte-Sightseeing. Der Eintritt ist frei, aber Sie müssen ein Zeitfenster-Ticket buchen. Hinauf kommt man problemlos mit einem Aufzug. Dienstags ist die Terrasse geschlossen, an allen anderen Tagen in der Regel von 10 bis 20 Uhr geöffnet.

Speisen und Getränke dürfen nicht mit nach oben genommen werden. Aber es gibt oben ein (klimatisiertes) Café, wo man bis Mitternacht essen und trinken kann. Ein Milchkaffee kostet 6 Euro, es gibt täglich drei verschiedene Kuchen im Angebot. Drinnen sind es mehr als 100 Plätze, draußen 70.

Seilbahn an den Gärten der Welt

Allein der Name schon: Wolkenhain. Klingt wie ein Versprechen nach Romantik und Alltagsflucht. Es ist „das architektonische Herzstück des Kienbergparks, direkt neben den Gärten der Welt. Die anspruchsvolle Konstruktion besteht aus circa 170 Stahlknoten, die von schlanken Stahlstützen getragen werden. Die unregelmäßig angeordneten Streben stehen symbolisch für das organische Wachstum von Ästen an einem Baum. Die Gänge sind von einer transluzenten Membran umschlossen, die bei Dunkelheit eindrucksvoll beleuchtet ist. Der höchste Punkt des Wolkenhains liegt 120 Meter über dem Meeresspiegel“, steht auf der Website.

Benjamin Pritzkuleit
Die Seilbahn am Kienbergpark in Marzahn Hellersdorf.

Die Gärten der Welt waren ja schon immer eine Reise wert und fühlten sich wie ein Trip in ferne Länder an. Seit der Internationalen Gartenschau (IGA) 2017 gilt das umso mehr, denn seither gibt es dort auch die gläserne Seilbahn. Was früher wie eine irre Idee klang, ist heute eine feste Berliner Institution, die Tausende Menschen nach Marzahn lockt und davon überzeugt, dass es hier mehr gibt als nur Plattenbauten. Marzahn ist grün und schön. Das sieht man auch, wenn man mit der Seilbahn am oberen Ende, am Wolkenhain, angekommen ist. Man blickt über Marzahn hinaus, entdeckt weit hinten die City ebenso wie das Brandenburger Land.

Im Sommer ist die Wolkenhain-Station von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang geöffnet, im Winter von 7.30 Uhr bis 19.30 Uhr. Die Seilbahn verkehrt zwischen dem Kienbergpark in Hellersdorf und den Gärten der Welt; der Wolkenhain ist eine Zwischenstation. Die Kabinen, sechs davon mit gläsernem Boden, erreichen eine Höhe von bis zu 35 Metern. Insgesamt ist die Seilbahn 1,5 Kilometer lang, die Fahrt dauert fünf Minuten. Aktuell verkehrt sie von 10 bis 18 Uhr, in den Sommerferien bis 19 Uhr. Preise: Ab vier Euro, ermäßigt 2,50 Euro.