Weißensee - Fünf Gebäude aus der Kaiserzeit, einst waren sie der Stolz Weißensees. Ein Kinderkrankenhaus, über Jahrzehnte eine Institution im Bezirk. Das lange Siechtum der Gemäuer begann 1996, als der Bezirk das Krankenhaus schloss. Bis heute verfällt die Ruine an der Hansastraße. Nach jahrelangem Rechtsstreit ist die Liegenschaft nun aber wieder im Besitz des Bundes. Lediglich der Grundbucheintrag steht noch aus, heißt es von der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM). Jetzt, wo der Spuk vorüber ist, kann die Debatte um eine sinnvolle Nutzung beginnen.

Von der Kinderklinik zur Ruine an der Hansastraße

Für viele im Bezirk ist der Abstieg eines einst so stolzen Gebäudes ein Trauerspiel in vielen Akten. Einst war das Ensemble an der Hansastraße eine fortschrittliche medizinische Einrichtung, die der hohen Säuglings- und Kindersterblichkeit etwas entgegensetzten sollte. Nach der Einweihung 1911 konnten zunächst bis zu 40 Säuglinge und Kleinkinder behandelt werden. Neben einer chirurgischen Abteilung gab es Abteilungen, in denen HNO- sowie Hautkrankheiten behandelt wurden. Die Klinik hatte einen eigenen Kuhstall mit 36 Kühen und angeschlossener Molkerei zur Versorgung der Kinder mit Milch.

Nach der Schließung des Krankenhauses verfielen die Gebäude, Hoffnungen auf eine neue Nutzung keimten 2005 auf, als ein Konsortium von russischen Ärzten plante, ein Krebsforschungszentrum an der Hansastraße zu errichten. Die MWZ Bio-Resonanz GmbH verpflichtete sich vertraglich zu Investitionen in Höhe von zehn Millionen Euro. Doch nach Abschluss des Kaufvertrages tat sich nichts. Bezirk und Senat mussten tatenlos zusehen, wie die Liegenschaft verfiel.

Statt des Traumbaus entstand ein gruseliges Luftschloss mit eingeschlagenen Scheiben. Ein Tummelplatz für Obdachlose. Allein im Jahr 2013 musste die Feuerwehr 17 Brände auf dem Gelände löschen. Auf der Suche nach dem Kick krachte ein Amerikaner 2016 durch eine ungesicherte Decke, verletzte sich schwer.

Einziges Manko: der Denkmalschutz

Schon 2015 hatte das Landgericht eine Rückübertragung an das Land Berlin veranlasst. Nun ist deren Vollzug nur noch eine Formsache. Lediglich der letzte Eintrag im Grundbuch steht noch aus. Zeit also, sich über die Nutzung des denkmalgeschützten Geländes Gedanken zu machen. Senat und Bezirk müssen sich im Rahmen des Clusteringsprozesses über eine Nutzung verständigen.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen hält ein Wohnquartier für denkbar. Der Bezirk aber meldet Bedarf an öffentlichen Einrichtungen an. Schulen und Kitas fehlen in Pankow an allen Ecken und Enden. Bis 2027 fehlen 11000 zusätzliche Schulplätze. Einziges Manko: der Denkmalschutz. Bisher gilt für die mehr als 100 Jahre alten Ruinen der Denkmalschutz. Auch beim Garten greifen Landschaftsschutzrichtlinien. Ob am Ende Wohnen, Kita, Schule das Rennen macht, Hauptsache , es tut sich etwas an der Hansastraße.