In den leeren Räumen stehen noch die großen Ankündigungstafeln und die selbst geschriebenen Plakate für das Kulturprogramm von einst: ein Kinderfest zum DDR-Geburtstag am 7. Oktober 1987, Tanztee und Tanz für Alleinstehende, Disco mit Musik der 60er- und 70er- Jahre, ein Blues-Konzert mit Engerling und eine Gundermann-Party zum Gedenken an den 1998 gestorbenen Liedermacher. Vor knapp zehn Jahren gab es die letzten Veranstaltungen im Kulturhaus Peter Edel an der Berliner Allee in Weißensee. Seitdem verfällt das Gebäude mit dem großen Saal.

Nach jahrelangen, am Ende erfolglosen Verhandlungen mit Interessenten gibt es jetzt eine gute Nachricht: Der gemeinnützige Bildungsträger Kommunales Bildungswerk (KBW e. V.) wird das Gebäude mit seinen 25 Räumen und dem über 300 Quadratmeter großen Veranstaltungssaal per Erbbaurechtsvertrag übernehmen. Nächste Woche, so der Zeitplan, wird das Bezirksamt die Übergabe beschließen, sagt die zuständige Stadträtin Christine Keil (Linke). Wichtig ist dem Bezirk, dass das Haus künftig als Kultur-, Bürger- und Bildungszentrum geöffnet sein wird, und dass der große Saal denkmalgerecht saniert wird.

Am Dienstagmorgen steht Andreas Urbich, Geschäftsführer des KBW, in diesem Saal, dessen Kugellampen an die Beleuchtung im Palast der Republik erinnern. „Es ist viel zu machen“, sagt Urbich. „In diesem Saal soll es wieder Kultur für Weißensee geben.“ 250 Menschen haben Platz, Urbich denkt an Lesungen, Tagungen, Feiern, Firmenfeste und Konzerte. Nur laut darf es nicht mehr sein, wegen der neuen Nachbarn in ihren Eigentumswohnungen.

Bürgerbeirat wird gegründet

Vor einem Jahr begann Urbich, sich für das Gebäude zu interessieren. Der Bildungsträger KBW braucht mehr Platz, er hat seinen Sitz in Friedrichshain und bietet dort berufsbegleitende Weiterbildungen für Mitarbeiter der Verwaltung an. Diese Kurse könnten künftig auch im Kulturhaus stattfinden. Für die kulturelle Nutzung hat Urbich noch keine Pläne. „Wir sind ein Bildungsträger. Die Kultur soll von den Menschen aus Weißensee kommen.“ Urbich will eine Bürgerbeirat gründen, der das Programm mitgestaltet, sei es für Vereine, Yogagruppen und Chöre.

Etwa zweieinhalb Jahre wird die Sanierung wohl dauern, Mitte 2019 könnte das Kulturhaus dann wieder öffnen. Für die komplette Erneuerung des Hauses rechnet Urbich mit 5,2 Millionen Euro, finanziert aus Eigenmitteln und Krediten. Ein Anbau aus den 70er-Jahren wird abgerissen, eine Cafeteria wird öffnen, der Keller umgebaut, dort ist dann Platz für Sportgruppen.

Viele Konzerte zu DDR-Zeiten

Einst gehörte der Gebäudekomplex am Weißen See, mit Ausschankhalle und Ballsaal, zur benachbarten Brauerei Zum Sternecker. Nach 1945 erhielt er den Namen Volkshaus, wurde später zum Café Moskau und zur HO-Gaststätte. 1963 wurde das Haus nach dem jüdischen Schriftsteller Peter Edel (1921–1983) benannt, der, wie nach der Wende bekannt wurde, auch informeller Mitarbeiter der Staatssicherheit war.

Zu DDR-Zeiten gab es viele Konzerte im Kulturhaus, bekannt war die Veranstaltungsreihe „Jazz im Edel“. Im Haus befand sich eine Galerie, auch die Senioren der Volkssolidarität trafen sich dort. Später fanden dort Malkurse der Volkshochschule statt, es gab Unterrichtsräume der Musikschule, Keramik- und Druckwerkstätten.

Denkmalgeschützter Saal

Im Frühjahr 2006 beschloss das Bezirksamt, das Kulturhaus aufzugeben. Es fehlte Geld für Personal und die Sanierung. Ein Förderverein versuchte, den Kulturstandort zu sichern, hatte aber keine Chance. 2008 wollte eine private Schauspielschule aus Friedrichshain dort einziehen, das Haus sollte zur „Schauspielschule Die Möwe“ werden. Daraus wurde nichts.

Die Verhandlungen scheiterten, vor allem wegen des denkmalgeschützten Saales. Genau dieser Saal ist für Andreas Urbich das Schmuckstück des Hauses. Ob das Haus den Namen Peter Edel behalte, sei allerdings noch nicht klar, sagt er.