Mit einem K.O. könnte so ein Bild bald zur Seltenheit werden.
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BerlinBewohnerin und jeder Bewohner ein unsoziales Individuum. Dieses Bild hängt natürlich untrennbar davon ab, wo man sich wann bewegt, wem man zufällig begegnet, an welcher Straßenecke sich eine Beobachtung ereignet. Ob es nun an den zuletzt eingeschlagenen Wegen lag oder am bevorstehenden Weihnachtsfest – in den vergangenen Tagen zeigte sich Berlin mal von seiner besseren Seite.

Auf dem Weg zum Bäcker kreuzten eines Morgens zwei Männer den Weg, von denen die für Sympathie zuständigen Hirnregionen erst mal unbehelligt blieben. Sie blickten finster drein und sprachen schroff miteinander, es war unklar, ob sie um kurz nach neun immer noch oder schon wieder angetrunken waren. Doch plötzlich scherte einer der beiden in Richtung eines Spätis aus – nicht für Nachschub, sondern um dort auf dem Gehweg verstreute Scherben mindestens zweier Bierflaschen mit dem Fuß an der Hauswand zu sammeln. Der andere folgte prompt: „Geht doch nicht“, murmelte er mit einem in sich gekehrten Kopfschütteln.

Unsere Stadt, unser Konsens

Sie sollten für ihre Verdienste keine Orden bekommen, sondern eine Festanstellung in einer neu zu gründenden Instanz. Wir nennen sie: Kreatives Ordnungsamt (K.O.). Dem K.O. ginge es nicht um Bußgelder, sondern um ein Mindestmaß an Ordnung. Sein Slogan: Unsere Stadt, unser Konsens. Wer Flaschen fallen lässt, erhält ein Kehrblech; wer als Hundebesitzer zu sorglos Gassi geht, wird mit Stinktier-Spray markiert; wer vor Kindern über eine rote Ampel läuft, erhält zehn Strafminuten.

Auf dem Rückweg vom Bäcker könnte das K.O. direkt loslegen, denn die Straße sieht inzwischen aus wie ein Schlachtfeld. Wie immer am Abholtag des Plastikmülls. Die meisten Tonnen in der Nachbarschaft – wie auch im eigenen Haus – laufen über, beim Abtransport zieht sich der abfallende Müll wie eine Schneise durch den Gehweg.

Strittig ist, wem in diesem Fall die Ansprache des K.O. gelten würde: den unachtsamen Müllmännern, die wahrlich nicht den Eindruck erwecken, als hätten sie mit Müll auf der Straße oder in fremder Leute Hausflur ein Problem? Oder uns allen, den Salon-Umweltschützern, die es nicht schaffen, ihren Plastikkonsum zu reduzieren? Das weise K.O. wüsste wohl, dass man zuerst vor der eigenen Türe kehrt.