Schülerinnen und Schüler einer Grundschule stehen mit Abstand zueinander auf dem Schulhof. 
Foto: dpa/Arne Dedert

BerlinIn mindestens drei Bezirken gibt es zurzeit bestätigte Coronafälle an unterschiedlichen Schulen. Die Lage ist unübersichtlich, die Senatsverwaltungen dokumentieren und veröffentlichen die Zahlen nicht für das gesamte Land. Fest steht: Insgesamt sind in der vergangenen Woche Hunderte von Kindern wegen möglicher Nähe zu einem infizierten Mitschüler in Quarantäne geschickt worden. Sie müssen nun getestet und ihre Kontakte nachverfolgt werden. Ein enormer Kraftakt für die Gesundheitsämter in den Bezirken.

Zugleich startet der Senat an diesem Montag ganz neue Tests an Schulen. Getestet werden sollen in einem ersten Schritt 480 Schulkinder, die weder Symptome aufweisen noch Kontakt zu einem Infizierten hatten. Die Studie wird in enger Zusammenarbeit mit der Charité durchgeführt. Um die Gesundheitsämter nicht weiter zu belasten, sollen mobile Teams der Charité die Testungen direkt an den Schulen übernehmen. Die Studie soll Politik und Wissenschaft Auskunft darüber geben, wie hoch die Infektionsgefahr an Schulen ist und unter welchen Bedingungen Regelbetrieb am sichersten möglich ist. Belastbare Forschungsergebnisse zu dem Thema gibt es bisher kaum.

An 24 Schulen sollen eigentlich 20 Kinder und fünf Lehrkräfte ein Jahr lang alle drei Monate auf das Coronavirus sowie Antikörper getestet werden. Die Charité-Teams nehmen Rachenabstriche oder Spuckproben, auch eine Blutabnahme am Finger für einen Antikörper-Test ist vorgesehen. So der Plan.

Doch: Berlin ist spät dran mit der Studie. In Baden-Württemberg wurden bereits vor Wochen Zwischenergebnisse einer größer angelegten Kinderstudie vorgestellt. Und scharfe Kritik begleitete das Projekt von Anfang an. Bezirke und Gesundheitsämter seien an der Erarbeitung der Strategie nicht beteiligt gewesen, klagten Gesundheitsstadträte und Amtsärzte. Die Informationspolitik sei dürftig, Sinn und Nutzen der Studie würden Schulen, Eltern und Öffentlichkeit nicht richtig erklärt, so die Opposition.

Bisher Zusagen von 22 Schulen

Ob ab Montag mit den Tests symptomloser Kinder alles rund läuft, ist deswegen auch noch fraglich. Die 24 Schulen, die an der Studie teilnehmen sollen, wurden in den vergangenen Wochen gefragt und um Einverständnis gebeten. Drei Schulen haben eine Teilnahme ganz abgesagt, wie Steffen Krach, Staatssekretär für Wissenschaft und Mitglied der Steuerungsgruppe für die neue Teststrategie, der Berliner Zeitung am Sonntag auf Nachfrage erklärte. Gründe nannte er nicht. Die Charité habe andere Schulen als Ersatz angefragt. Dennoch sind bisher von 24 benötigten Schulen nur 22 an Bord. „Mit zwei weiteren klärt die Charité derzeit die organisatorische Umsetzbarkeit“, sagte Krach.

Doch das Einverständnis der Schulen ist erst der erste Schritt. Auch die 480 Schüler sowie ihre Erziehungsberechtigten müssen einer Teilnahme an der Langzeitstudie noch zustimmen. Weil offensichtlich die Zeit fehlte, ist das zum allergrößten Teil bisher aber noch nicht geschehen. Erst am Testtag selbst sollten die Schüler die Einverständniserklärungen mitbringen, so Krach. „Dort werden diese kontrolliert und zur Registrierung in der Studie genutzt.“

Wie viele Eltern und Kinder werden überhaupt mitmachen wollen? Nach Informationen dieser Zeitung war man auch in der Steuerungsgruppe nervös angesichts dieser Ausgangslage – und startete in der vergangenen Woche kurzerhand einen schnellen Vor-Testballon. An zwei Schulen, die bereits zugestimmt hatten, wurden  am Donnerstag Tests durchgeführt - mit einem für die Steuerungsgruppe erleichternden Ergebnis: „In beiden Klassen konnten mehr als die 20 genannten Kinder je fünf Beschäftigte getestet werden“, so Krach. „Dies stimmt uns positiv, dass die bisher genutzte Erhebungsweise der Charité zum Erfolg führen wird.“ Abweichungen seien in der kommenden Woche aber „natürlich nicht auszuschließen“.

An diesem Montag sollen Testungen an fünf Schulen durchgeführt werden, die anderen sollen rasch folgen. Die Zeit drängt: Schon am 25. Juni beginnen die Sommerferien, die erste Testrunde muss bis dahin abgeschlossen sein.

In einem zweiten Schritt sollen auch Kitakinder getestet werden. Doch auch hier scheint es Probleme zu geben: Sollten laut ursprünglichem Konzept von Charité und Vivantes, das der Berliner Zeitung vorliegt, mehr als 30 Kitas an der Studie teilnehmen, sind es nach jüngsten Plänen nur noch zwölf. Eigentlich sollen die Tests an den Kitas mit den Schulschließungen Ende Juni beginnen. Ob das zeitlich zu halten ist, ist unklar. Eine Entscheidung der Ethikkommission steht noch aus.