Berlin will ein neues Archäologiehaus auf dem Petriplatz in Mitte für 20 Millionen Euro bauen.

Berlin - Es ist schon eine langwierige und zähe Angelegenheit: Jetzt bekommen die Berliner Archäologen aber endlich die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Wie Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) am Mittwoch sagte, wird ab 2018 am Petriplatz in Mitte ein archäologisches Besucherzentrum gebaut. In dem neuen Gebäude wird auch das Museum für Vor- und Frühgeschichte seine Werkstätten einrichten. Die Besucher haben dann die Chance, Restauratoren und Archäologen bei der Arbeit zuzusehen.

„Wir können die mittelalterliche Stadt nicht wieder auferstehen lassen, aber wir können ihr eine Identität zurückgeben“, sagt Geisel. Und dafür ist der Petriplatz, der Gründungsort von Alt-Cölln, der richtige Ort. Schon vor fast einem Jahrzehnt hatte die Archäologin Claudia Melisch mit ihrem Team dort sensationelle Funde gemacht: Von 2007 bis 2009 legte sie unter der alten Parkplatzfläche die Grundmauern einer alten Lateinschule sowie der Petrikirche aus dem 13. Jahrhundert frei.

Zudem wurden auf dem Friedhof 3.201 Gräber mit insgesamt 3.778 Skeletten gefunden – die Knochen der Ur-Cöllner. Die Archäologin hat durch Holzfunde auch nachgewiesen, dass Alt-Cölln schon vor der Gründung Berlins 1237 besiedelt war. Über den Mauerresten der Lateinschule aus Feld- und Backsteinen soll nun das archäologische Besucherzentrum gebaut werden.

Neue Ruhestätte für alte Tote

Das Abgeordnetenhaus hat dafür vor der Sommerpause Geld bewilligt. 17,4 Millionen Euro für das Haus, das nach einem Entwurf des Münchener Architekten Florian Nagler errichtet wird, sowie 2,2 Millionen Euro die Außenanlagen, deren Gestaltung die Landschaftsarchitektin Christina Kautz übernimmt. Anfang 2021 soll das Zentrum eröffnen, Besucher müssen künftig aber Eintritt zahlen.

Im Keller des Gebäudes werden die alten Schulmauern in einer sechs Meter hohen Halle zu sehen sein. Nahe Gertraudenstraße wird ein Ossuarium eingerichtet – zu Deutsch ein Bein- oder Knochenhaus. Dort werden die Skelette eine Ruhestätte finden. „Die Knochen sollen nicht zu sehen sein, wir wollen einen pietätvollen Umgang mit ihnen“, sagt Claudia Melisch. Sie bleiben in den etwa 1.500 Kisten verpackt.

Von der Halle aus soll ein Übergang zu den Mauerresten der Petrikirche möglich sein, sagt Landesarchäologe Matthias Wemhoff. Für ihn ist das Besucherzentrum zugleich der Auftakt eines archäologischen Pfades durch die Berliner Altstadt. Dabei sollen andere Ausgrabungen, zum Beispiel die erhaltenen Schlosskeller sowie die Grundmauern des Alt-Berliner Rathauses am neuen U-Bahnhof Rotes Rathaus, einbezogen werden.

Wohnungen sind ebenfalls geplant

Am Petriplatz ist das Archäologiezentrum nicht der einzige Neubau: So entsteht ab 2019 auf den Grundmauern der Petrikirche von 1849 das House of One, in dem drei Religionen unter einem Dach Platz finden sollen. Geplant ist ein interreligiöses Zentrum mit einer Kirche, einer Moschee und einer Synagoge, im Zentrum ist ein großer Raum der Begegnung vorgesehen.

Erst vor einer Woche hatte Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) eine Förderzusage des Bundes in Höhe von 2,2 Millionen Euro für das Projekt übergeben. „Wenn das House of One gelingt, geht ein Friedenssignal von Berlin aus in einer Zeit des verstärkten religiösen Extremismus“, sagt Geisel. Daneben, an der Ecke Breite Straße , baut Hochtief ein Hotel, in dessen Foyer ein archäologisches Fenster mit Blick auf Mauern alter Bürgerhäuser integriert wird.

Zu dem Stadtteil gehört auch die Restaurierung des alten Kaufhauses Hertzog an der Brüderstraße. Auf der Fläche des abgerissenen DDR-Bauministeriums daneben sind Büro- und Geschäftshäuser sowie 150 Wohnungen geplant. 25 Prozent davon werden Sozialwohnungen sein. Das Grundstück will Berlin an einen Investor vergeben, dieser muss die Kellermauern des früheren Ermeler-Hauses aus dem 18. Jahrhundert sowie Mauerreste des ersten Hauses von Rudolph Hertzog in sein Konzept einbeziehen.