Berlin - Ab Montag soll allen Bürgern mindestens einmal pro Woche ein kostenloser Corona-Schnelltest angeboten werden, damit man demnächst wieder in Museen, zur Kosmetik oder zum Shoppen gehen darf. Der Vorsatz klingt gut, doch ist das umsetzbar? In Berlin sieht es wenige Tage vor dem Start nicht danach aus. Gleichzeitig gibt es einen Streit zwischen der Bundesregierung, die Tests ankündigt, und den Bundesländern, die sie ausführen müssen.

Am Freitag bei der Bundespressekonferenz zeigte sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU ) „sehr zuversichtlich, dass das jetzt zügig vor Ort umgesetzt werden kann“. Bei der konkreten Frage nach der Umsetzung kam Spahn allerdings ins Schleudern: „Das wird sich schon ergeben.“

Senatorin Kalayci verspottet Minister Spahn

Auf Länderebene in Berlin hört man so etwas gar nicht gern. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci weist mit dem Finger auf den Kollegen im Bund. Vor wenigen Wochen habe Spahn forsch eine Tests-für-alle-Idee „hingeschmissen“ und dabei viele Fragen offen gelassen, so Kalayci am Freitag in einem Radiointerview mit dem RBB. Jetzt werde im Bund eine Taskforce eingerichtet, „weil Herr Spahn das anscheinend so nicht hinbekommt. Da sind wir natürlich hier in den Ländern insgesamt frustriert“, sagte Kalayci, um sich im nächsten Atemzug als handlungsstarke Politikerin darzustellen: „Und da warten wir natürlich nicht auf den Bund.“

47 Millionen Euro will Berlin noch einmal für eigene Tests aufbringen – zusätzlich zu den insgesamt zwölf Millionen Tests, die an Schulen und Kitas eingesetzt werden sollen.

Reichen die neun öffentlichen Teststationen in Berlin

Was aber hat die Stadt aktuell selbst zu bieten, um schnell flächendeckendes Testen zu ermöglichen? Kalayci lobte sich selbst und sagte: „Wir haben selber sehr viele Teststellen.“ Tatsächlich gibt es neun öffentliche Stationen: im Virchow-Klinikum der Charité in Wedding, in den Vivantes-Kliniken Prenzlauer Berg, Wenckebach (Tempelhof) und Spandau, im Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge in Lichtenberg, im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe (Spandau), dem Corona-Testzentrum des Bezirksamts Mitte hinter dem Rathaus Wedding, dem Corona-Abstrich-Zentrum in der Riesestraße in Neukölln und einem Drive-by des Gesundheitsamts Reinickendorf in der Teichstraße.

Kritiker wie der Gesundheitspolitiker Wolfgang Albers (Linke) halten das Angebot für viel zu klein. „Die Teststellen, die wir bisher haben, werden nicht ausreichen“, sagte er am Freitag. Und selbst wenn man die Zahl verdoppeln würde, dürfte das „bei weitem nicht dem Bedarf entsprechen“, so der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Abgeordnetenhauses.

Albers schlägt Vor-Ort-Tests vor, die direkt dort installiert werden sollten, wo die Menschen Zugänge wollten – also etwa vor Kosmetiksalons oder Geschäften. „Das ist, glaube ich, im Moment, solange wir keine bessere Lösung haben, der gangbarste Weg.“

Bei all diesen Überlegungen fällt auf, dass die privaten Anbieter von Schnelltestzentren bisher ausgeklammert werden. Dabei ist in der Branche in den vergangenen Monaten ein beachtlicher Wildwuchs entstanden. Dutzende Einrichtungen gibt es inzwischen – sei es an eher berüchtigt verruchten Orten wie dem Kit-Kat-Club in Mitte, sei es in der Gedächtniskirche oder in unscheinbaren Immobilien in Glamour-unverdächtigen Quartieren.

Private Teststationen bieten sich an

Überall dort können sich Kunden einen Termin besorgen und für Geld abstreichen lassen. Im Angebot sind, grob gesagt, Antigen-Schnelltests, Antikörper-Tests, tagesgleiche PCR-Tests und PCR-Express-Tests. Je nach Anbieter und Test werden meistens zwischen 30 und 100 Euro fällig. Es gibt aber auch Tests für 250 Euro.

Christoph Pankowski betreibt vier Zentren in Berlin, verteilt auf Kreuzberg, Mitte, Moabit und Friedenau. „Mit uns hat noch niemand über eine kostenlose Testung gesprochen“, sagt Pankowski im Gespräch mit der Berliner Zeitung. Anders als in Hamburg und Bremen, wo man mit den jeweiligen Stadtstaatregierungen bereits „in der Feinabstimmung der Verträge“ sei, so Pankowski.

Aber könnten die Privaten denn überhaupt einen relevanten Beitrag zum Massentest leisten? „Allein in unseren vier Stationen können wir täglich bis zu 6000 Tests vornehmen“, sagt Pankowski.