Berlin - Ein leckerer Döner mit Salat, Zwiebeln, Tomaten und Soße, das ist neben der klassischen Currywurst längst das Lieblingsessen der Berliner. Doch die Ärmsten dieser Stadt können sich oft nicht mal das schnelle Gericht vom Stand leisten. Es sind Gestrauchelte, Obdachlose, aber auch alleinerziehende Mütter ohne Job, die mehrere hungrige Mäuler zu stopfen haben. „Das darf aber nicht sein. Niemand sollte Hunger haben müssen“, sagt Fuat Kaya. Der 39-Jährige betreibt einen Dönerladen tief im Südwesten der Stadt. Und verschenkt sein Essen, wenn er Mitleid hat.

„Wenn sie Obdachlose kennen oder Menschen, die sich kein Essen leisten können, dann schicken Sie sie bitte her, wir schenken Ihnen eine Mahlzeit und ein Getränk“, steht auf einem weißen Zettel, den Fuat Kaya an die Scheibe seines Dönerladens geklebt habt. Gratis Essen für arme Leute – warum macht Fuad Kaya das?

Fuad Kaya weiß, was Armut ist

Um die Beweggründe des Mannes verstehen zu können, muss man seine Geschichte kennen. Kaya kommt als eines von sieben Geschwistern in einem kleinen Ort namens Erzurum-Hinis in Ost-Anatolien zur Welt. Es ist eine trockene, felsige und arme Gegend, in der selbst die Reichen nicht viel haben. „Mein Vater starb, als ich zwei Jahre alt war. Danach musste meine Mutter uns alle alleine durchbringen.“ In seiner Kindheit, sagt Fuad Kaya, habe er gelernt, was Armut ist. „Und ich weiß seitdem auch, was Hunger bedeutet. Richtiger Hunger, weil einfach nichts zu essen da ist, ist schrecklich.“

Vor 15 Jahren kam er dann nach Deutschland, lernte unsere Sprache, schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch. Was er dabei verdiente, sparte er eisern, bis er dann vor einem Jahr endlich seinen eigenen Dönerladen am S-Bahnhof Zehlendorf eröffnen konnte. „Die Miete hier ist zwar nicht gerade gering, aber der Laden läuft gut. Auf jeden Fall gut genug, dass ich Essen abgeben kann, wenn jemand Hunger, aber kein Geld hat.“

Ganz normale Gäste

Derzeit habe er vier bis fünf Leute, die jeden Tag zu ihm kämen, sagt Kaya. Jeden Tag ohne Geld. Mal würden sie ein halbes Hähnchen (Normalpreis 5,50 Euro), mal einen Döner (Normalpreis 3,80) bestellen. „Es sind ganz normale Gäste, die ganz normal bestellen und ganz normal bedient werden. Sie haben eben nur kein Geld. Ich will hier nicht als edler Gönner gelten und diesen Menschen dadurch das Gefühl geben, sie müssten sich schämen. Für Hunger muss sich niemand schämen!“

Doch so warmherzig und mitfühlend Fuad Kaya auch ist – abzocken lässt er sich nicht. Auf dem weißen Zettel in seinem Fenster steht geschrieben: „Bitte nutzen Sie unsere Gutmütigkeit nicht aus, damit wirklich Bedürftige davon profitieren können.“

Unverschämte Partygänger

Bei manchen Menschen helfen allerdings nur klare Worte. „Vor allem nachts kommen öfter irgendwelche Partyleute, gerne auch besoffen. Die finden das lustig und wollen einfach probieren, ob sie was umsonst bekommen. Aber so jemand ist nicht bedürftig, sondern einfach nur unverschämt. Solche Leute schicke ich eiskalt weg.“