Als Dieter Kosslick um das Jahr 2000 herum als künftiger Berlinale-Chef gehandelt wurde, unterstrich er seine Ambitionen darauf mit einem kulinarischen Schachzug. Zusammen mit dem Filmkritiker Peter Körte veröffentlichte er „Das Buch Bagel – ein Gebäck rollt um die Welt“.

Als Leiter der Filmstiftung NRW ließ er so auch durchblicken, wie geschmackssicher und weltgewandt er war. Eigenschaften, die ihm zuletzt 79 deutsche Filmregisseure abgesprochen haben, als sie in einem spektakulären Appell einen Neuanfang für die Berlinale forderten, aus Sorge, die Filmfestival könne seine Spitzenstellung im sich zuspitzenden Konkurrenzkampf der Branche verlieren. Der Appell war derart harsch formuliert, dass kein Zweifel daran bestehen konnte, dass es um einen Neustart ohne Kosslick gehen solle.

Erst Dercon, jetzt er

Einige der Unterzeichner sind sich nun aber nicht mehr so sicher. Namhafte Regisseure wie Dominik Graf und Andreas Dresen haben widerrufen, Kosslick sei gar nicht gemeint gewesen. Stars wie Wim Wenders und Tom Tykwer, der nächste Jury-Präsident der Berlinale, fehlten ohnehin auf der Liste der Rebellen.

Inzwischen hat sich auch Dieter Kosslick zu Wort gemeldet. In mehreren Interviews übte er sich in trotziger Gelassenheit und sieht sich als Opfer einer Kampagne. „Es ist nicht neu, dass Festivaldirektoren gebasht werden“, so Kosslick, „aber selbst meine Konkurrenten bemitleiden mich, wie aggressiv es hier gerade abgeht.“ Erst sei Chris Dercon von der Volksbühne dran gewesen jetzt eben er.

Der Mann mit dem roten Schal

Bei den Planungen über die Zukunft der Berlinale sieht Dieter Kosslick sich denn auch nicht als Teil des Problems, sondern immer noch als Teil der Lösung. Vorschläge zu einer Neustrukturierung des größten Publikumsfestivals der Welt will der bald 70-jährige Kosslick am Dienstag dem Aufsichtsrat der Berliner Festspiele unterbreiten. Dort wird man mit Kosslick nicht über guten Wein und die Gaumenfreuden sprechen wollen, die das Hineinbeißen in einen Bagel bereiten kann.

Aber auch heikle Themen scheut der Mann nicht, der eben noch anerkennend von allen Mr. Berlinale genannt wurde. Er müsse aber auch noch sehen, dass die Kasse stimmt, sagte er gereizt in einem Zeitungsinterview: „Und in 17 Jahren gab es noch nicht eine einzige rote Zahl bei der Berlinale-Bilanz.“ Der Mann mit dem roten Schal kann mit Geld umgehen – eine Qualität, die neue Kandidaten, die „für den Film brennen“, erst einmal nachweisen müssen.