Rein theoretisch herrschte in der DDR für Schwule und Lesben Rechtssicherheit: der berüchtigte §175 des Bürgerlichen Gesetzbuches war bereits 1968 abgeschafft worden. Die Wirklichkeit sah indessen anders aus. Immer wieder fanden sich Betroffene mit Diskriminierungen konfrontiert. Die DDR war auch ein männlich dominiertes, fundamental-heterosexuelles System, in dem Abweichungen mit Häme oder gezielter „Zersetzung“ begegnet wurde.

Als sich Mitte der 1980er-Jahre auffallend viele Schwule unter den in den Westen entlassenen, einstigen DDR-Bürgern befanden, kursierte in Kreisen der Nomenklatura ein Hermann Axen zugeschriebener Spruch: „Wir trennen uns von all jenen, die ein falsches Verhältnis zum Staat, zur Arbeit oder zum anderen Geschlecht haben.“

Im Konflikt mit dem SED-Regime

Jochen Hick und Andreas Strohfeldt porträtieren in ihrem Dokumentarfilm 13 Menschen, die auf unterschiedliche Weise bei ihrer Suche nach geschlechtlicher Identität mit den Ansprüchen des SED-Regimes in Konflikt gerieten. Auffallend viele der Gesprächspartner stammen aus Familien mit enger Bindung an Staat und Partei. Der Vater von Klaus Laabs etwa war Staatssekretär für Volksbildung und Direktor des Schulbuch-Verlags „Volk und Wissen“.

Seinem Sohn sollte ein Studium in Moskau mit nachfolgender Diplomatenkarriere gesichert werden. Daraus wurde nichts. Als er immer wieder bei der SED um eine offene Diskussion über Homosexualität nachsuchte, schloss man ihn aus „seiner“ Partei aus. Erst diese Ausgrenzung machte ihn zum oppositionellen Schwulen-Aktivisten.

Auch Peter Rauschs Eltern waren staatstreue DDR-Bürger, die zur Belohnung für ihre Loyalität in die Stalinallee einziehen durften. Rausch wurde 1973 zum Mitinitiator der Homosexuellen Interessengemeinschaft Berlin (HIB) – am Vorabend hatte er mit Freunden im Westfernsehen Praunheims filmisches Pamphlet „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ gesehen.

Super-8-Authentizität

Innerhalb der HIB drehte er selbst einige Filme auf Super-8, die heute einmalige Dokumente sind und dem aktuellen Film wesentlich zu seiner Authentizität verhelfen.

Jede einzelne Biografie der im Film porträtierten Frauen und Männer erweist sich als gesättigt von Brüchen und Widersprüchen. Je nach Mentalität gelang es den Einzelnen, die Zeit in der DDR mit mehr oder weniger Blessuren zu überstehen.

Primär auf Festkultur angelegte Lebensentwürfe zogen sicher weniger staatliches Misstrauen auf sich als politisch bewusste Zielstellungen. Der Film versucht nicht, die unterschiedlichen Positionen im Nachhinein zu vereinheitlichen, lässt die Widersprüche der Figuren stehen. Leider findet diese Zurückhaltung beim Einsatz der Musik keine Entsprechung. Hier wäre weniger weitaus mehr gewesen.

Out in Ost-Berlin – Lesben und Schwule in der DDR 13. 2.: 17 Uhr, International; 14. 2.: 12 Uhr, CineStar 7;

15. 2.: 17.30 Uhr, Cubix 7;

17. 2.: 15.30 Uhr, Colosseum 1.