Sein Imbiss ist berühmt geworden, ohne dass Hai Pham Van etwas dafür tun musste. Vielleicht ist es sogar die derzeit bekannteste Imbissbude der Stadt. Denn die Imbiss Oase des Vietnamesen Hai Pham Van ist überall in der Stadt auf Plakaten der Berlinale zu sehen. Immer mit dem Bären davor als Maskottchen. Der 53-jährige Inhaber, der in den 80er Jahren in die DDR gekommen war, wundert sich, warum sich die Leute von der Berlinale ausgerechnet seinen Imbiss als Motiv ausgesucht haben.

Als ob es nicht genügend andere Buden gebe, die origineller ausgestattet sind. Oder ausgefallenere Speisen anbieten. „Das ist ein ganz normaler Imbiss“, sagt Hai Pham Van. „Ich habe ihn seit 20 Jahren.“ Chinapfanne und Döner verkauft Hai Pham Van, Pommes, Burger, Bratwurst, Schnaps und Bier. Die Buchstaben der Werbung am Dach sind verwittert. Ständig müsse er Graffiti überstreichen, andauernd den Imbiss reparieren, sagt er, weil fremde Leute ihn nachts demolieren würden.

Er öffnet seinen Stand gegen zehn Uhr, kurbelt die Markise runter, stellt zwei kleine Tische raus und schaltet die Fritteuse an. Gegen 20 Uhr macht er Feierabend. Ein Kaffee kostet bei ihm 60 Cent, ein Döner zwei Euro, ein Bier 1,20 Euro. Hai Pham Van sagt, er komme finanziell über die Runden. Auf dem Berlinale-Plakat leuchtet der Imbiss in warmem Licht. Im Hintergrund sieht man die Ruine vom Haus der Statistik, daneben ein leeres Geschäft, das früher ein Fahrradladen war. Es ist eine ungemütliche Ecke.

Schweizer Werbeagentur Velvet Creative Office

Der Fernsehturm ist in Sichtweite, doch Touristen schaffen es nicht bis zur Imbiss Oase. Seine plötzliche Berühmtheit hat Hai Pham Van der Schweizer Werbeagentur Velvet Creative Office zu verdanken. Deren Fotografen waren nachts auf Motivsuche – und standen auch vor der Imbiss Oase. Aus vielen Aufnahmen haben die Veranstalter sechs Motive ausgewählt. So sitzt der Berlinale-Bär einmal auf der Weltzeituhr am Alex, dann nimmt er ein Bad im Whirlpool auf einer Dachterrasse oder klettert auf das Brandenburger Tor.

Jürg Schaffhuser ist der Kreativdirektor der Agentur, er schwärmt von dem Imbiss. „Berlin steht für solche Orte“, sagt er. „Das ist ein Stillleben. Ein Ort, der wie ausgestorben wirkt.“ Viele Leute würden jetzt den Imbiss besuchen. Das Fernsehen war auch schon da.

Hai Pham Van hat nichts davon. „Es kommen zwar mehr Leute“, sagt er. „Aber sie fotografieren nur und kaufen nichts.“ Also setzt er weiter auf Stammkunden wie Andreas Prellwitz. Der Imbiss sei „ der absolute Hammer“, sagt Prellwitz.

„Die Qualität stimmt und der Preis ist nicht zu unterbieten.“ Von seiner Wohnung in der Karl-Marx-Allee schaut Prellwitz direkt auf ein großes Berlinale-Poster vom Imbiss. Es hängt am Kino International. Prellwitz sagt: „Die Imbiss Oase ist das beste, was es in der Umgebung gibt.“ Und die Portionen seien so groß, dass er sie kaum schafft.