Berlin - SPD, CDU und sogar die eigene Partei haben Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) am Donnerstag scharf kritisiert, weil er im Plenum des Abgeordnetenhauses zunächst unentschuldigt fehlte.

Kurz nach dem Auftakt war die Plenarsitzung unterbrochen worden, weil Behrendt nicht da war. Die CDU-Fraktion beantragte am Donnerstag, dass der Senator herbeizitiert wird. Der Antrag wurde mit den Stimmen der Opposition angenommen, die Koalitionsfraktionen enthielten sich.

Nach Grünen-Angaben war Behrendt am Mittwoch bei der Justizministerkonferenz und wollte eigentlich auch am Donnerstag dort bleiben. Weil aber mehrere Senatsmitglieder am Donnerstag nicht an der gesamten Plenarsitzung teilnehmen können, wurde Behrendt demzufolge angewiesen, doch zu kommen. Nach Grünen-Angaben war er am Donnerstagmorgen auf dem Weg zum Abgeordnetenhaus und steckte aber im Verkehr. Gegen 10.30 Uhr traf Behrendt dann im Abgeordnetenhaus ein. Die Sitzung blieb zunächst weiter unterbrochen.

„Pubertierender Schulschwänzer“ und „respektlos"

CDU-Fraktionschef Burkard Dregger kritisierte Behrendt für sein Fehlen scharf: Der Justizsenator verhalte sich wie ein „pubertierender Schulschwänzer“, so Dregger. „Dies ist ein Affront gegen das Parlament. Ein unerhörter, beschämender Vorgang.“ Auch Koalitionspartner äußerten Kritik: „Wer nur aus Eitelkeit das Parlament so respektlos behandelt, nimmt in Kauf, dass Demokratie verächtlich gemacht wird“, twitterte der SPD-Abgeordnete Tom Schreiber.

Auch die Grüne-Fraktionschefin Antje Kapek bezeichnete Behrendts Fehlen als „hochgradig ärgerlich". „Das hätte nicht passieren dürfen. Die Teilnahme an der Plenarsitzung ist eine Pflichtveranstaltung für alle Senatoren."

Behrendt stand im Stau, bittet um Entschuldigung

Behrendt entschuldigte sich im Plenum für seine Verspätung. Er sei von der Justizministerkonferenz in Travemünde zu „nachtschlafender Zeit“ aufgebrochen, habe dann aber mit dem Auto im Stau gestanden. Er gelobte in Zukunft Besserung. „Es tut mir leid, dass sie meinetwegen Ihre Sitzung unterbrochen haben und wichtige Debatten deswegen verzögert begonnen haben", so Behrendt. (mit dpa)